Alex Hutchinsons Lauflabor

Macht Laufen klug?

Wie viel Laufen istoptimal für die kognitive Leistungsfähigkeit, hat eine aktuelle Studie untersucht.

Lauflabor: Wie viel Training macht klug?

Etwa eine halbe Stunde moderates Training optimiert die kognitive Leistungsfähigkeit.

Bild: istockphoto.com / skynesher

Die Auswirkung von Sport auf kognitive Leistungen

Eine große Prüfung oder eine wichtige Sitzung steht an und Sie wollen auf den Punkt vorbereitet sein. Und sie haben immer wieder gehört, dass schon eine einzige Trainingseinheit Ihre kognitiven Fähigkeiten erhöhen kann. Doch welche Übung genau sollten Sie vor dem Test machen? Es gibt viele Variablen, die es zu bedenken gibt – Art und Intensität der Übung, Timing und so weiter. Eine neue Studie in der Medicine & Science in Sports & Exercise von Forschern der National Taiwan Sport University, untersuchte eine dieser Variablen: Wie lange sollte man vorher trainieren?

Für den kognitiven Test verwendeten die Forscher eine Stroop-Aufgabe, in der die Probanden die Farbe von Farbenwörtern identifizieren müssen, die auf einem Bildschirm aufblinken. Dabei leuchtet zum Beispiel das Wort „grün“ einmal in grünen Buchstaben auf und das nächste Mal in einer anderen Farbe. Zum Erkennen des Farbunterschieds muss man seine exekutive Kontrolle, eine wichtige kognitive Fähigkeit, einsetzen. Diesem Test ging eine sportliche Übung voraus: Die Probanden mussten für 10, 20 oder 45 Minuten mit moderater Intensität (bei 65 % der maximalen Herzfrequenz) Rad fahren. Zuvor hatten sie ein 5-minutiges Warm-up und danach ein 5-minutiges Cool-down-Programm absolviert. Etwa fünf Minuten nach dieser körperlichen Belastung mussten sie die kognitive Aufgabe bewältigen.

Die Probanden zeigten nach 20-minütigem Radfahren die besten Testergebnisse.

Bild: runnersworld.com

Beste Ergebnisse nach 20-minütigem Training

Die Ergebnisse in der oberen Grafik zeigen, wie die Reaktionszeiten der Probanden waren, also wie schnell sie die Farben, die auf dem Bildschirm aufblinkten unter „kongruenten“ (das Farbenwort deckte sich mit der Farbe der Buchstaben) bzw. „inkongruenten" Bedingungen - beides war nicht deckungsgleich - identifizieren konnten: Eine ausgesprochene Dosis-Wirkung-Beziehung wird deutlich, mit den besten Ergebnissen nach 20-minütigem Rad fahren. Einschließlich des Aufwärmens und der Abkühlphase kamen die Probanden allerdings eher auf insgesamt 30 Minuten.

Bei der Betrachtung der Genauigkeit der Antworten zeigt sich ein ähnliches Muster (siehe unten). In diesem Fall ergaben sich nach dem 45-minütigen Training (55 Minuten inklusive der Warm-up- und Cool-down-Phase) sogar noch ungenauere Antworten als unter Kontrollbedingungen, bei denen die Teilnehmer nur gesessen und gelesen hatten statt zu trainieren. So scheint das Fazit ziemlich klar: Etwa eine halbe Stunde moderates Training optimiert die kognitive Leistungsfähigkeit, und mehr als das vermindert sie.

Lauflabor: Wie viel Training macht klug?

Bild: runnersworld.com

Etwa eine halbe Stunde moderates Training optimiert die kognitive Leistungsfähigkeit, und mehr als das vermindert sie.

Nun gibt es noch einige Fragen, auf die diese Studie keine Antworten geben konnte. Zum Beispiel waren die Studienteilnehmer zwar gesunde Universitätsstudenten, aber deshalb nicht notwendigerweise auch fit. Würde sich dieselbe Beziehung zeigen mit, sagen wir mal, täglich trainierenden Läufern oder Radfahrern? Auch wenn die Intensität der Herzfrequenzwerte angepasst war, ist es nicht schwer sich vorzustellen, dass ein 55-minütiges Training für jemanden, der nicht regelmäßig trainiert, viel ermüdender ist als für jemanden, der jeden Tag eine Stunde läuft. Aber dies ist eine Frage, die wohl in einer anderen Studie beantwortet werden muss.

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