Motivationstipps

Laufen mit mentaler Energie

Gewusst wie: Wenn Sie Ihre Gefühle im Griff haben, profitiert davon auch ihre Laufleistung.

Warren Finke lag deutlich in Führung. Das Rennen: Der Pacific Coast Trail, ein 50-Meilen-Lauf an der US-Westküste. Dann verpasste er durch ein Versehen eines Streckenpostens die Wendemarke. Anstatt umzukehren, lief Finke weiter. Erst nach einer Meile bemerkte er den Irrtum und drehte um. Wieder an der Wendemarke angekommen, sah er, dass mehrere Konkurrenten, die er längst hinter sich gelassen hatte, an ihm vorbeigezogen waren.

Bild: Brian Stauffer

Das war vor 25 Jahren. „Ich kochte vor Wut“, erinnert sich Finke (66), heute Co-Direktor der Portland Marathon Clinic in Oregon. „Ich habe mich fluchend hingesetzt und wollte nicht mehr weiterlaufen.“ Doch der Renndirektor überredete ihn, das Rennen fortzusetzen. „Also startete ich eine Aufholjagd und sammelte die vor mir Laufenden einem nach dem anderen ein. Das machte richtig Spaß, und am Ende kam ich tatsächlich als Erster ins Ziel.“ Finke erzählt diese Geschichte seinen Patienten, um zu veranschaulichen, wie Gefühle außer Kontrolle geraten können – und dass das sportlichen Erfolg verhindert.

Wettkampforientierte Läufer haben ohne Frage mehr zu verlieren, wenn sie ihren Gefühlen freien Lauf lassen, doch auch für Hobbyläufer kann sich dies nachteilig auswirken. Vorstart-Nervosität oder Ärger über einen Mitläufer, der sich danebenbenimmt, können sich negativ auf die eigene Leistung auswirken. Doch zum Glück gibt es ein wirksames Gegenmittel: Sportpsychologen nennen es emotionale Intelligenz. Gemeint ist die Fähigkeit, einerseits sich eigener Gefühlslagen bewusst zu sein und einzuschätzen, inwieweit diese das Verhalten beeinflussen können, und anderseits nötigenfalls umzuschalten und zu einer besseren Stimmung zu gelangen.

„Jede Emotion hat eine Funktion“, meint Cal Botterill. Der emeritierte Professor für Sportpsychologie der University of Winnipeg (Kanada) berät Olympia-Athleten. „Wenn wir vor einem Wettkampf nicht nervös sind, haben wir uns eventuell nicht gut genug vorbereitet. Wenn wir einen langen Lauf ausgelassen haben und deswegen kein schlechtes Gewissen bekommen, entwickeln wir vielleicht nie die nötige Motivation für läuferische Fortschritte. Man wird seine Gefühle nie völlig unter Kontrolle bekommen, aber man kann lernen, sie besser zu steuern.“

In unserer Bildergalerie zum Positiven Denken in schwierigen Situationen zeigen wir Ihnen, wie emotionale Intelligenz Ihnen dabei helfen kann, Ihre Gefühle in haarigen Situationen in positive Bahnen zu lenken.