Über der Schmerzgrenze

Laufen erhöht die Schmerztoleranz

Marathonläufer gehen oft weit über ihre Schmerzgrenze hinaus. Dass sie das können, liegt an ihrer höheren Schmerztoleranz.

Köln-Marathon 1

Marathonläufer halten Schmerzen länger aus und empfinden sie als weniger schlimm. Dadurch laufen sie allerdings auch leichter Gefahr, die Belastungsgrenze ihres Körpers zu überschreiten.

Bild: Norbert Wilhelmi

Sportler können durchgehend mehr Schmerzen ertragen als normal aktive Menschen. Athleten halten Schmerzen länger aus als Nicht-Sportler und empfinden sie als weniger schlimm. Doch ihre Schmerzschwelle , also die minimale Intensität, bei der ein Reiz als Schmerz empfunden wird, scheint sich bei Sportlern und Nicht-Sportlern nicht zu unterscheiden. Es ist nicht so, dass Sportler keine Schmerzen empfinden. Sie fühlen es das gleiche wie alle anderen auch, aber sie haben gelernt, die Schmerzen zu bewältigen oder zu ignorieren und somit ihre Schmerztoleranz stark zu erhöhen. Zu diesem Ergebnis kamen Wissenschaftler der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg in der Fachzeitschrift „Pain“ nach der Auswertung von 15 internationalen Studien, die sich mit Schmerzempfindlichkeit bei Sportlern beschäftigen.

In die Ausgangsstudien aus den USA, Kanada, Australien und Europa waren insgesamt 568 Sportlerinnen und Sportler sowie 331 normal aktive Kontrollpersonen miteinbezogen worden. Alle Studien hatten bestimmte Aspekte des Schmerzempfindens bei Sportlern unterschiedlicher Sparten, darunter Ausdauer-, Kraft- und Ballsportarten, untersucht. Alle eingeschlossenen Athleten trainierten mehr als sechs Stunden wöchentlich. Um das Schmerzempfinden zu prüfen, hatten die Probanden z.B. die Hand in kaltes Wasser getaucht oder sich den Finger einklemmen lassen.

Die Forscher entdeckten, dass die Schmerztoleranz der verschiedenen Sportler zwar unterschiedlich stark ausgeprägt war, aber deutlich über den Werten der Kontrollpersonen lag. „Die größte Schmerztoleranz hatten die Ballsportler, gefolgt von den Ausdauer- und den Kraftsportlern“, so der Studienleiter Dr. Jonas Tesarz. „Ihre Schmerztoleranz war ähnlich hoch wie bei Menschen, die ein gängiges Schmerzmittel eingenommen haben.“ Bei der Schmerzschwelle hingegen ergaben sich im Durchschnitt keine Unterschiede zwischen den Sportlern und den Kontrollpersonen. „Die Ergebnisse zeigen, dass Sportler Schmerz ebenso spüren wie normal aktive Menschen. Aber ihre Einstellung zum Schmerz ist eine andere, sie empfinden ihn weniger dominant“, erklärt Tesarz. Denn Sportler haben gelernt, effiziente Schmerzbewältigungsstrategien zu entwickeln. „Deshalb ist Schmerzverarbeitung ein integraler Bestandteil des athletischen Trainings und Bewältigungsstrategien sind wichtige Eigenschaften in der Entwicklung des athletischen Charakters“, resümieren die Forscher.

Die Erkenntnis, dass regelmäßige Bewegung deutlich mit einer höheren Schmerztoleranz einhergeht, ist auch ein wichtiger Ansatz für die Schmerztherapie. „Eventuell kann eine entsprechende Physiotherapie die Schmerztoleranz der Patienten anheben und ihnen trotz schwer zu behandelnder Schmerzen zu mehr Lebensqualität verhelfen“, meint Tesarz.

Auch für Leistungssportler liefert die Studie eine wichtige Erkenntnis: Durch die höhere Schmerztoleranz laufen sie leichter Gefahr, die Belastungsgrenze ihres Körpers zu überschreiten. Sie sollten daher gut auf die Signale ihres Körpers achten.

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