Alex Hutchinsons Lauflabor

Langes Laufen schwächt das Immunsystem vorübergehend

Ein Training von 120 Minuten Dauer schwächt das Immunsystem stärker als kurzes, hartes Training.

 Lauflabor: Welches Training beeinflusst das Immunsystem?

Wo liegt der optimale Trainingsbereich?

Bild: iStockphoto.com / Yobro10

Training stärkt das Immunsystem, aber zu viel Training schwächt es. Was also bestimmt den optimalen Trainingsbereich? Diese Frage stellten sich Neil Walsh und seine Kollegen von der walisischen Bangor Universität in einer neuen Studie, die in der Fachzeitschrift „Medicine & Science in Sports & Exercise“ erschienen ist.

Neu im Vergleich zu früheren Untersuchungen ist, dass die Forscher die Immunfunktionen „in vivo“ anstatt in Reagenzgläsern oder an Tieren gemessen haben.

Es gibt bereits hunderte von Studien, die den Zusammenhang zwischen sportlicher Aktivität und dem Immunsystem untersucht haben. Fast alle haben dazu an Nagetieren geforscht oder spezielle Marker im Blut oder Speichel gemessen. Aber das Immunsystem ist ein koordiniertes Netzwerk im ganzen Körper, das auch neuronale und hormonale Reaktionen einschließt. Die Reaktionen einiger isolierter Zellen in einem Reagenzglas zu testen, erlaubt also keine zuverlässige Vorhersage über das Verhalten des Immunsystems, meint Walsh.

In der Studie, die in der „Medicine & Science in Sports & Exercise“ veröffentlicht wurde, verabreichten Walsh und sein Team die Chemikalie Diphenylcyclopropenone (DPCP) über ein Pflaster im unteren Rückenbereich und das 20 Minuten nach unterschiedlich langen und intensiven Trainingseinheiten. DPCP ist ein Antigen, das eine Immunreaktion auslöst. Die Stärke der Reaktion kann bestimmt werden, indem man vier Wochen später weitere DPCP-Pflaster auf die Haut aufbringt und die dadurch ausgelösten Rötungen und Hautverdickungen misst.

So haben die Forscher 30 Minuten „moderates“ Laufen auf dem Laufband, 30 Minuten „intensives“ Laufen, bei dem es anstrengend wird, sich zu unterhalten, 120 Minuten „moderates“ Laufen und eine Kontrollgruppe, die nicht gelaufen ist, miteinander verglichen. Im Folgenden sind die Messungen zur Hautverdickung als Immunreaktion auf DPCP dargestellt (MI bedeutet moderate Intensität, HI hohe Intensität):

Die Abbildung zeigt die Auswirkungen von Trainingsintensität und -dauer auf das Immunsystem, gemessen an der Hautverdickung.

Bild: runnersworld.com

Auswirkungen von Trainingsintensität und -dauer auf das Immunsystem

Die Schlussfolgerung daraus ist klar: Eine längere Trainingsdauer (120 Minuten) verursacht eine vorübergehende Schwächung des Immunsystems, während eine kurze, intensive Trainingseinheit (30 Minuten) dies nicht tut. Wie verallgemeinerbar ist das Ergebnis? Das ist schwer zu sagen. Hätte beispielsweise eine ausgedehnte Radtour, die im Vergleich zu einem langen Lauf für den Körper weniger anstrengend ist, dieselbe Wirkung? Und welche Rolle spielt dabei die allgemeine Fitness? Das heißt, ist es keine besondere Belastung mehr, wenn Sie gewohnt sind, jedes Wochenende zwei Stunden zu laufen? Folgen alle Immunfunktionen wirklich einem ähnlichen Muster wie die aus der Studie? Oder ist ein 120-minütiges, moderates Laufen einfach ein härteres Training als 30 Minuten intensives Laufen? All diese Fragen bleiben offen und wir dürfen die Schlüsse aus den Ergebnissen der Studie nicht zu sehr verallgemeinern. Aber: Es ist ein neuer, interessanter Ansatz in der Immunologie, der einige Denkanstöße zu den Auswirkungen von Trainingsintensität und -dauer auf das Immunsystem liefert.

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