Alex Hutchinsons Lauflabor

Fitness oder Training: Was zählt mehr?

Regelmäßig trainierende Menschen leben länger. Und Menschen mit höherer Fitness - quantifizierbar als VO2max - leben ebenfalls länger. Welche Variable ist nun ausschlaggebend?

Läufer am Meer

Der Weg ist das Ziel. Das gilt auch für Gesundheit und Fitness.

Bild: IakovKalinin /iStockphoto

Der Weg ist das Ziel. Das ist ein ziemlich guter Rat für viele Dinge im Leben, einschließlich der Gesundheit und Fitness. Immerhin ist es ziemlich unwahrscheinlich, dass Sie bei einer Trainingsroutine bleiben, die Ihnen nicht auf irgendeine Weise Spaß macht.

Aber der Weg ist nicht die einzige Sache, die von Bedeutung ist. Er sollte auch in die richtige Richtung führen. In diesem Fall denke ich an Training als der „Weg“ und eine verbesserte Fitness – quantifizierbar durch Messungen der kardiorespiratorischen Kapazität wie VO2max – als das „Ziel“. Wie wir wissen, scheinen regelmäßig trainierende Menschen länger zu leben. Und Menschen mit höherer VO2max scheinen ebenfalls länger zu leben. Welche Variable ist nun ausschlaggebend und warum?

Das ist die Frage, die sich eine Forschergruppe unter der Leitung von Taryn Davidson an der Queen’s University in Kanada gemeinsam mit Kollegen von der Stanford University und Georgetown University gestellt haben. Sie präsentierten ihre Studie auf der Konferenz des American College of Sports Medicine in Denver.

Die Wissenschaftler untersuchten die Daten von 11.610 männlichen Militärveteranen (Durchschnittsalter 58,5), die einen VO2max-Belastungstest beim Veterans Affairs Medical Center in Washington oder Palo Alto absolviert hatten. Zusätzlich füllten sie dort einen Fragebogen zu Ihren Trainingsgewohnheiten aus. Anhand der Daten aus den VO2max-Tests konnten die Veteranen in „fit“ oder „unfit“ eingeteilt werden. Auf der Grundlage Ihrer Trainingsgewohnheiten im Verhältnis zur öffentlichen Gesundheitsempfehlung von 150 Minuten moderate oder intensive Aktivität pro Woche wurden sie als „aktiv“ oder „inaktiv“ klassifiziert. Im Laufe des folgenden Jahrzehnts sind durchschnittlich 2.876 Veteranen gestorben.

Also, was war der beste Prädiktor für eine längere Lebenserwartung? Oberflächlich betrachtet, sahen die Trainingsgewohnheiten ziemlich wichtig aus. Nachdem durch statistische Anpassungen die Auswirkungen einer Reihe anderer Variablen wie Alter, BMI, Rauchergeschichte, Cholesterinspiegel etc. beseitigt waren, ergab sich bei der aktiven Gruppe ein um 17 Prozent niedrigeres Sterberisiko als bei der inaktiven Gruppe. Im Vergleich dazu hatte die fitte Gruppe ein Sterberisiko, das um 12 Prozent niedriger war als das der unfitten Gruppe — das ist gut, aber nicht sehr gut.

Fitness und Aktivität miteinander verflochten

Das Problem ist natürlich, dass Fitness und Aktivität miteinander verflochten sind. Die aktivsten Menschen sind in der Regel auch die fittesten. Also, was passiert, wenn weitere statistische Anpassungen erfolgen, um die beiden Effekte zu trennen?

War der Aktivitätsgrad konstant, sagt eine bessere Fitness unabhängig davon eine längere Lebenserwartung voraus: Für jede Zunahme von einem MET (engl. metabolic equivalent of task) sank das Risiko um 15 Prozent. Wird im Gegensatz dazu das Fitnessniveau konstant gehalten, gibt es keine weiteren Unterschiede zwischen der Lebenserwartung der inaktiven und aktiven Gruppe.

In dieser Studie wurden METs als Mittel zur Quantifizierung der maximalen aeroben Fitness verwendet. Die Grenze zwischen unfit und fit lag bei 7 METs, was bedeutet, dass die Testpersonen im maximalen Belastungstest durchschnittlich siebenmal so viel Energie verbrannten wie im Ruhezustand, nachdem sie vor Erschöpfung aufgegeben hatten. Klar ausgedrückt, konnte ein gesunder Erwachsener mittleren Alters maximal 8-10 METs und ein Marathonläufer bis zu 18-24 METs erreichen.

Also ist Training gut für Sie, weil es die kardiovaskuläre Fitness vergrößert. Ein hohes Fitnessniveau ist indessen gut für Sie, unabhängig davon wie Sie es erreicht haben – eine glückliche Fügung auch für all diejenigen, die aufgrund ihrer genetischen Veranlagung eine gute Grundfitness haben.

Es ist wichtig zu bemerken, dass eine gesteigerte Fitness nicht der einzige Weg ist, um durch Training die Gesundheit zu verbessern. Training hat auch Auswirkungen auf den Body Mass-Index, Blutdruck, Cholesterinspiegel und die Insulinsensitivität. Faktoren, die alle die Lebenserwartung erhöhen können und die in der statistischen Analyse dieser Studie konstant gehalten wurden. Also unabhängig davon, was mit Ihrer Fitness passiert, können Sie durch Ihre Trainingsroutine wahrscheinlich immer Gesundheitsvorteile erzielen.

Und doch erinnern die Ergebnisse uns daran, immer danach zu streben, die Grenzen ein wenig auszudehnen. Trainieren ist gut und fitter zu werden (und gibt es kein deutlicheres Maß der Fitness als das Rennergebnis), ist noch besser.