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Fitness gut für die Konzentration

Sportler können länger stillsitzen, sich konzentrieren und auf eine Sache fokussiert sein. Das fanden Forscher der Universität von Granada heraus.

Fitness hilft der Konzentration

Die Höhe der Balken gibt die durchschnittliche Dauer eines Pulsintervalls an. Ist diese hoch, vergeht zwischen den einzelnen Pulsschlägen mehr Zeit, die Herzfrequenz ist also niedrig. Die hellgrauen Balken stellen die sportliche Gruppe dar, die schwarzen die inaktive.

Bild: runnersworld.com

Diese hübsche Grafik aus einer aktuellen spanischen Studie, die in der Zeitschrift PLOS ONE veröffentlicht wurde, verdeutlicht die Zusammenhänge zwischen der kognitiven Leistungsfähigkeit und den Funktionen des vegetativen Nervensystems in Abhängigkeit von der körperlichen Fitness.

Die Darstellung ist einfacher als sie aussieht. Die y-Achse zeigt den durchschnittlichen Zeitabstand zwischen den Herzschlägen der Studienteilnehmer, also bedeuten hier niedrigere Werte eine höhere Herzfrequenz. Für die Untersuchung wurde eine Gruppe von Probanden, die sich wenig bewegte, mit einer Gruppe verglichen, deren Mitglieder körperlich sehr aktiv waren: konkret waren dies zum einen untrainierte Studenten (VO2max: 36 ml/kg/min), die Low-fit-group und zum anderen Sportler (VO2max: 69 ml/kg/min), die High-fit-group.

Es ist nicht überraschend, dass die Sportler (grau) höhere Werte hatten, was einem niedrigeren Puls gleichkommt. Beide Gruppen absolvierten drei unterschiedliche 10-minütige kognitive Aufgaben (in Ruhe), währenddessen wurde ihre Herzfrequenz-Variabilität gemessen. Die x-Achse zeigt, wie sich die Herzfrequenz während des Aufgabenverlaufs veränderte. Block 1 zeigt die Herzfrequenz während der ersten 3:20 Minuten der 10-minütigen Aufgaben (Mittelwert aller drei Aufgaben); Block 2 stellt die mittleren 3:20 Minuten und Block 3 die letzten 3:20 Minuten gegen Ende der Aufgabe dar.

Bei der High-fit-group ist eine sehr leichte Abnahme der Werte und somit Erhöhung des Pulses während der Aufgaben erkennbar. Bei der Low-fit-group ist hingegen ein deutlicherer Pulsanstieg zu sehen. Mit anderen Worten: Schon wenn Sie 10 Minuten vor dem Computer sitzen, lässt jeder Tastendruck, der Form oder Farbe verändert, Ihr Herz schneller schlagen – jedenfalls wenn Sie nicht in Form sind. Und dies geschieht nicht, weil Sie vom Drücken der Leertaste erschöpft wären. Stattdessen glauben die Forscher, dass dies mit dem Gleichgewicht zwischen zwei Teilen unseres vegetativen Nervensystems zu tun hat: das parasympathische Nervensystem ("rest and digest", Regenerationsmodus) und das sympathische Nervensystem ("fight or flight", Kampf oder Flucht).

Gut trainierte Sportler sind offenbar eher im Stande, länger im parasympathischen, also im Regenerationsmodus zu bleiben, der ihren Puls niedriger und ihre Herzfrequenz-Variabilität höher hält. Mit anderen Worten verfügen sie dadurch über eine deutlich längere Aufmerksamkeitsspanne.

Ist das eine Überraschung? Nicht wirklich - frühere Studien haben schon gezeigt, dass fitte Menschen kognitive Aufgaben besser lösen können und auch ein besser funktionierendes vegetatives Nervensystem haben. Aber diese Studie hat zum Ziel, beide Bereiche miteinander zu verbinden und darauf hinzuweisen, dass auch die verbesserten Nervensystemfunktionen der Grund für den Anstieg der kognitiven Leistungen sind. Wie immer ist die vollständige Interpretation der Studie wohl ein bisschen kompliziert - aber es ist die Grafik, die ich so interessant finde: Man kann deutlich sehen, wie extrem unterschiedlich der Körper (und das Gehirn!) auf eine einfache Aufgabe reagiert, die nur 10 Minuten Stillsitzen und Aufmerksamkeit erfordert. Scheint jedenfalls eine ziemlich nützliche Fähigkeit zu sein, die jeder haben sollte.

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