Marion Pintar

Fallbeispiel Depression

Mit Laufen fand Marion Pintar nach ihrem Selbstmordversuch den Weg zu einem normalen Leben zurück.

Marion Pintar ist eine charmante Frau mit hohen Wangenknochen und einem rotbraunen Locken­schopf. Als voll berufstätige Mutter von zwei Töchtern steht sie mitten im Leben. Ihr Lächeln ist mehr ein Strahlen, sie wirkt ausgeglichen und zufrieden.

Heute kann Marion Pintar wieder lachen.

Bild: Irina Strohecker

Doch das war nicht immer so. „Wann die Depression angefangen hat, kann ich nicht mehr genau sagen. Ich glaube, es war Ende der Neunzigerjahre. Die zweite Tochter war geboren, mein Mann und ich lebten uns auseinander, und wir zogen von Berlin in eine kleine 400-Seelen-Gemeinde“, sagt die 42-Jährige. Diese Veränderungen stürzten sie in eine schwere psychische Krise.

„Am 7. März 2000 hatte ich den Zusammenbruch meines Lebens.“ Diesen Tag wird sie nie vergessen, denn es wäre beinahe ihr Todestag geworden. „Mit einer ganzen Flasche Whisky intus steuerte ich meinen Wagen direkt auf einen Baum zu.“ Die Feuerwehr musste sie aus dem Wrack herausschneiden. Doch sie hatte Glück und kam mit ein paar Blut­ergüssen davon. Seither feiert Marion am 7. März ihren zweiten Geburtstag.

„Aus meiner heutigen Perspektive kann ich den Suizidversuch gar nicht nachvollziehen, zumal meine Kinder noch so klein waren.“ Die Ärztin, die sie danach betreute, erzählte ihr vom Laufen. „Das wollte ich selbst auspro­bieren.“ Bei ihrem ersten Mal arbeitete sie sich von Baum zu Baum die Dorfstraße entlang. Doch nur ein paar Monate später lief sie bereits mehrere Kilometer. 2004 finishte sie ihren ersten Halbmarathon in Berlin in 2:18 Stunden. Das Laufen habe ihr aus der Krise geholfen, sagt sie. „Eine Depression ist schrecklich, es ist ein permanenter Schmerz, du könntest immer heulen und hast an nichts mehr Freude. Nach dem Selbstmordversuch bekamen wir Hilfe von Pro Familia und haben eine Paartherapie gemacht.“

Etwas Gutes hat ihr Zusammenbruch jedoch bewirkt: Seither änderten sich die ­Rollen im Hause Pintar. „Vorher war mein Mann beruflich viel unterwegs, heute ist er öfter zu Hause. Nach meinem Zusammenbruch hat er alles organisiert. Er ist ein toller Vater und Ehemann.“ Vor kurzem feierten die beiden ihren 20. Hochzeitstag. Heute teilen sie wieder vieles – bis auf das Laufen. „Das ist nicht Zeljcos Ding, doch er freut sich, dass es mir hilft.“ Wenn Marion abends hin und wieder verstimmt von der Arbeit kommt, reicht er ihr demonstrativ die Laufschuhe. Beim Laufen kann sie Aggressionen rauslassen. „Es macht mich ausgeglichen.“ Seit sie läuft, hat sie ihre Ernährung umgestellt und trinkt nur selten Alkohol: „Das Laufen sagt mir, was mir gut tut.“

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