Wichtig für die Regeneration

Enzyme - ja und?

Enzymtherapien spielen bei Top-Sportlern eine immer größere Rolle. Doch wie sinnvoll ist ihr Einsatz rund ums Lauftraining? Wir beantworten Ihnen die wichtigsten Fragen.

Läuferin

Enzyme helfen sportlichen Überlastungen vorzubeugen und fördern die Regeneration.

Bild: iStockphoto.com/Maridav

Enzyme sind für unsere Körperfunktion extrem wichtig. Ohne sie könnten selbst kleinste Wunden nicht verheilen. Welche Bedeutung Enzyme zur Vorbeugung von sportlichen Überlastungen haben und wie sie die Regeneration fördern, wird mittlerweile immer intensiver erforscht. Höchste Zeit also, ihre Wirkungsweise auch für Läufer genauer zu hinterfragen.

Welche Funktion haben Enzyme?
Enzyme sind hochaktive Eiweißstoffe, die fast alle bio­chemischen Reaktionen in unserem Körper steuern: Wachstum, Verdauung, Energiegewinnung, Blutgerinnung, Heilungsprozesse nach Verletzungen oder die komplexen Abläufe des Immun­systems. Dabei wird zwischen körpereigenen und arzneilich wirkenden Enzymen unterschieden. Erstere pro­duziert ein gesunder Mensch in ausreichender Menge selbst. Sie sind an fast allen Stoffwechselvorgängen im Körper beteiligt, haben aber keine arzneiliche Wirkung. Arzneilich wirkende Enzyme, wie Bromelain, ­Papain und Trypsin müssen von außen zugeführt werden.

Kann ich meinen Enzymbedarf über Obst und Gemüse decken?
Leider nein. Eine Aufnahme von Enzymen über die Nahrung ist nicht möglich. Derart aufgenommene Enzyme werden durch die Magensäure zerstört und verlieren dadurch ihre arznei­liche Wirksamkeit. Lediglich Arzneimittel mit einem magensaftresistenten Überzug ga­rantieren die Aufnahme. Mit diesem Schutzschild gelangen die Enzyme unbeschadet in den Darm, wo der Körper sie aufnehmen kann.

Ist es wissenschaftlich belegt, dass diese Enzym-Arzneimittel bei Lauf­verletzungen die Heilung unter­stützen können?
Wirksamkeit, Sicherheit und Qualität aller Arzneimittel werden von einer Zulassungsbehörde (dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, BfArM) strengstens geprüft, bevor sie überhaupt verkauft werden dürfen. Aus verschiedenen Studien über akute Sportverletzungen wissen wir, dass eine schnell einsetzende Enzymtherapie die Heilungsdauer verkürzt, Schwellungen und Schmerzen schneller abklingen und das Training früher wieder aufgenommen werden kann.

Bei welchen Verlet­zungen ist denn eine ­Anwendung sinnvoll?
Bei akuten wie auch chronischen Verletzungen entsteht eine entzündli­che Reaktion im Gewebe. Enzyme beschleunigen den Ablauf der Entzündungs­reaktion und unterstützen so die Ausheilung. Beispiele für klassische Überlastungsschäden beim Läufer sind Achillessehnenbeschwerden (Achillodynie), Entzündun­gen der Fußsehnenplatte (Plan­tarfasziitis), Rücken- und Kniebeschwerden (Runner’s Knee, Tractussyndrom, Sehnenreizung) sowie Schienbein- und Knochenhaut­reizungen („Shin splint“).

Kann ich mich mit Enzymen in harten Trainingsphasen auch ­vorbeugend vor Überlas­tungen schützen?
Viele Sportler nehmen schon vor Trainingseinheiten oder Wettkämpfen ein En­zym­kombinationspräparat, um eine Art Schutz­mechanis­mus bei Verletzun­gen auf­zubauen. Wenn Enzyme nämlich in ausreichender Menge im Körper vorhanden sind, unterstützen sie sofort nach der Belas­tung die Abheilung von kleinsten Verletzungen im Muskelgewebe. Dadurch kann größeren oder chronischen Schädigungen vorgebeugt werden. Ebenso tritt Muskelkater nicht oder zumindest vermindert auf.

Kann ich mithilfe der Enzymeinnahme die Regeneration nach harten Belastungen beschleunigen?
Durch die Reparatur der angesprochenen Mikrotraumata tragen Enzyme zu einer schnelleren muskulä­ren Regeneration bei. Unmittelbar nach harten sportlichen Belastungen sind wir aber auch anfälliger für Erkrankungen wie grippale Infekte oder Erkältungen. In dieser Erschöp­fungsphase, auch Open Window genannt, wird unser Immunsystem heruntergefahren. Hier greifen Enzyme stabilisierend ein, schützen den Sportler vor diesen Infekten und helfen ihm, seine Regeneration nicht durch eine Krankheit zu gefährden.

Wirken Enzyme auch schmerzlindernd und sind sie klassi­schen Schmerzmitteln gegen­über im Vorteil?
Enzympräparate unterstützen die Schmerzreduk­tion, indem sie die Ursache bekämpfen: Die entzündliche Reaktion im Gewebe löst über entspre­chende Rezeptoren den Schmerz aus. Die bei Entzündungen typischen Schwellungen verstärken die Schmerzen zusätzlich, da die Wasseransammlungen auf Nervenenden im Gewebe drücken. Enzyme wirken abschwellend und reduzieren dadurch die Schmerzen. Klassische Schmerzmittel lindern zwar auch die Schmerzen, unterdrücken aber die Entzündungsreak­tion. Die Ausheilung wird dadurch ­behindert, dauert länger – und sie sind zum Teil mit erheblichen Neben­wirkungen verbunden.

Welche Nachteile ­haben Enzyme?
Eine wirklich schnelle Schmerzreduzierung darf man mit Enzymkombina­tionspräparaten nicht erwarten. Nach zwei bis drei Tagen wird aber meist eine deutliche Besserung spürbar. Bei starken Schmerzen ist auch eine Kombination von Enzymen und klassi­schen Schmerzmitteln möglich. Letztere können in den ersten zwei bis drei Tagen eingenommen werden, bis die Wirkung der ­Enzyme voll einsetzt.

Taugen in Drogerien erhältliche Enzyme überhaupt etwas?
Drogerieprodukte sind nicht generell schlecht, dürfen aber ohne vorheri­ge behördliche Prüfung vermarktet werden. Bei Arzneimitteln dagegen kann man sicher sein, dass ihre Wirksamkeit durch Studien bestätigt ist. Enzym-Arznei­mittel sind nur in Apotheken erhältlich. Da sie nicht verschreibungspflichtig sind, wird kein Rezept benötigt.