Fragwürdige Versprechen

Doping im Freizeitsport

Jedes Jahr nehmen in Deutschland rund 600.000 Freizeitsportler Dopingmittel ein – meistens bringt das nichts.

Doping

Unter den dopenden Freitzeitsportlern sind auch viele ambitionierte Läufer.

Bild: Brian Stauffer

Im Drogen- und Suchtbericht 2006 tauchte die Gruppe der „Freizeitsportler“ erstmals auf. Damals wurde die Zahl der Fitness- und Betriebssportler, die Dopingmittel konsumieren, noch auf 200 000 geschätzt. Mittlerweile geht die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) sogar von 600 000 Nutzern verbotener Substanzen aus. Insbesondere junge Männer seien stark gefährdet, warnte vor drei Jahren die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing: „Die Substanzen sind leicht zu beschaffen, zudem finden im Freizeitsport keine Dopingkontrollen statt. Es schlummert ein gefährliches Potenzial.“

Doch wie stark ist der Laufsport betroffen? Warum sollten Laufbegeisterte die „pharmakologische Abkürzung“ nehmen, wo der Sport doch wie kaum ein anderer für Gesundheit und Fitness steht? Jörg Börjesson, ehemaliger Bodybuilder und Anabolika-Geschädigter, hat eine Antwort: Vor größeren Marathonveranstaltungen wird er regelmäßig von verunsicherten Teilnehmern angerufen, die ihn über Dosierung und Nebenwirkun­gen von Dopingmitteln ausfragen. „Neulich rief mich ein 52-Jähriger an, der einen Marathon laufen wollte, weil sein Sohn auch läuft. Ein Trainer in einem Fitnessstudio habe ihm erklärt, eine einzige Doping-Kur sei ungefährlich.“

Ein Irrtum: Zwar mag die einmalige Einnahme weniger gefährlich sein als die zum Teil lebensgefährlichen Langzeitnebenwirkungen von Anabolika und Co., doch die Gefahr ist groß, dass die vermeintliche Ausnahme zum Einstieg ins systematische Doping wird. Vor allem aber ist die Wirksamkeit von Mitteln wie Epo, Kreatin und Anabolika bei Freizeitsportlern fraglich. Zwar verbes­sern sie die Ausdauer, indem sie einen besseren Sauerstofftransport ermöglichen und die Muskeln mit Energie versorgen. Andererseits haben Durchschnittsläufer (und erst recht übergewichtige Marathon-Novizen) nicht die entsprechende Muskulatur, um diesen Ausdauergewinn überhaupt umsetzen zu können. Stattdessen besteht die Gefahr, dass sie ihre körperlichen Fähigkeiten überschätzen und letztendlich aufgeben müssen oder gar erschöpft zusammenbrechen.

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