Laufberufe

Der Sportmediziner

Die Fortbildung zum Sportmediziner wird für Ärzte immer interessanter. Wir stellen diesen Laufberuf vor.

Sportmediziner

Sportmediziner Dr. Willi Heepe betreute lange Zeit den Berlin- Marathon.

Bild: Claus Dahms

Wer ein Medizinstudium beginnt, träumt wohl kaum davon, später einmal auf der Bank der Fußball-Nationalmannschaft, eines Bundesliga-Clubs oder der Nationalmannschaft der Schwimmer zu sitzen und aktiv zu werden, wenn sich ein Sportler verletzt – doch genau das ist es, was viele mit der Tätigkeit eines Sportmediziners assoziieren. Kai Röcker, Oberarzt an der Universitätsklinik Freiburg und langjähriger medizinischer Berater von RUNNER’S WORLD sagt auf die Frage, ob er schon zu Beginn seines Medizinstudiums daran gedacht habe, einmal Sport­mediziner zu werden: „Nein, keinesfalls. Das hat sich erst mit dem Examen und nach Abschluss der Doktorarbeit ergeben.“

Dr. Kai Röcker, langjähriger Berater von RUNNER'S WORLD.

Bild: privat

Die Fortbildung zum Sportmediziner wird für Ärzte immer interessanter.
Um es gleich klarzustellen: „Sportmediziner“ ist keine anerkannte Berufsbezeichnung. Es gibt allerdings den Zusatz „Sportmedizin“, der nach entsprechender Fortbildung von den Ärztekammern verliehen wird. Er ergänzt den eigentlichen Facharzt-Titel (zum Beispiel„Kardiologe“) und verschafft dem Arzt die Möglichkeit, auch außerhalb eines speziellen sportmedizinischen Instituts als Sportmediziner tätig zu werden. Angesichts des ungebrochenen Fitness-Trends in unse­rer Gesellschaft wird das für Ärzte immer attraktiver – schließlich sind immer mehr Freizeitsportler daran interessiert, sich leistungsdiagnostisch untersuchen zu lassen.

Im Gegensatz zu anderen Ländern (sowie zur ehemaligen DDR) gibt es in der Bundesrepublik keinen Ausbildungsweg zum Facharzt für Sportmedizin. Der wissenschaftlich tätige Sportmediziner ist naturgemäß an ­einer Universität beschäftigt. Diese Arbeitsstellen sind entsprechend knapp, und eine Anstellung lässt sich aufgrund der eher geringen Fluktuation in diesem Bereich auch kaum langfristig planen.

Ums Studium kommt man nicht herum
Zunächst einmal muss ein Medizinstu­dium in seiner klassischen Form absolviert werden. Die Spezialisierung beginnt dann erst nach dem eigentlichen Studium. Allerdings gibt es inzwischen ein System mit sogenannten Wahlpflichtfächern in der Ausbildungsordnung. Zu diesen Wahlpflichtfächern (man muss aus einem gewissen Angebot an Fächern eine bestimmte Anzahl auswählen) zählt auch das Fach Sportmedizin.

Generell ist allerdings die Ausbildungs­tiefe in einem solchen Wahlpflichtfach nicht allzu groß. Man wird also auch dann später problemlos als Sportmediziner arbeiten können, wenn man das entsprechende Wahlpflichtfach nicht belegt hatte. Das Staatsexamen ist praktisch für alle identisch, sieht man einmal von den mündlichen Prüfungsfächern beziehungsweise der Auswahl der drei Ausbildungsbereiche für das praktische Jahr (die beiden letzten Semester) ab. In ­diesem praktischen Jahr hat man allerdings nur die Wahl zwischen den großen klini­schen Fächern, kann also nicht etwa Sportmedizin wählen. Allenfalls über die Doktorarbeit können sich gewisse Kontakte ergeben, die für eine spätere Ausbildungsrichtung und Anstellung entscheidend sein können.

Einen speziellen „Arzt für Sportmedizin“ gibt es nicht
Wer einen speziellen Facharzt für Sportmedizin sucht, wird ihn also in Deutschland nicht finden, sondern muss die Zusatzbezeichnungen auf dem Praxisschild studieren. Dieses kann beispielsweise einen Mediziner als „Arzt für Innere Medizin, Sportmedizin und Balneologie“ ausweisen. Die Voraussetzungen dafür sind in jeder Landesärztekammer anders geregelt, das heißt die Bedingungen sind bundesweit nicht einheitlich.

Zentrale Institution der Sportärzte ist die Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin (DGSP), die Weiterbildungsveranstaltungen organisiert und entsprechende Fortbildungselemente für diese Veranstaltungen vorschlägt – die wiederum von den Landesärzte­kammern anerkannt werden können und müssen. Innerhalb der DGSP gibt es derzeit Bestrebungen, die Qualität des Curriculums zur Erlangung der Zusatzbezeichnung zu erhöhen. So soll etwa eine Prüfung bei den Landesärztekammern durchgesetzt werden, nach der die Zusatzbezeichnung verliehen wird. In der Regel müssen Bewerber eine bestimmte Stundenzahl verteilt auf bestimmte Ausbildungsbereiche nachweisen sowie eine bestimmte Stundenzahl in der sportpraktischen Betreuung im Sportverein. Der Besuch der Fortbildungsveranstaltungen und Kurse ist in der Regel kostenpflichtig. Allerdings kann man sehr wohl an einem sportmedizinischen Institut arbeiten, also Sportmedizin praktizieren, ohne dass man zuvor die Zusatzbezeichnung erworben hat. Nach einer bestimmten Zeit (meist ein Jahr) der Tätigkeit in einer derartigen Abteilung erhält man sie übrigens auch ohne den sonst übli­chen Fortbildungsweg.

Den Laufberuf Personal Trainer stellen wir Ihnen hier vor.
Den Laufberuf Physiotherapeut finden Sie hier.

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