Lauflabor

BMI bestimmt das Herzinfarkt-Risiko

Eine schwedische Studie mit 743.498 Männern zeigt, dass eine schlechte Fitness und ein niedrigerer BMI besser sind als eine gute Fitness und ein hoher BMI.

Lauflabor: Herzinfarkt-Risiko bestimmen

Der Zusammenhang von Herzinfarkt-Risiko und BMI.

Bild: runnersworld.com

Schwedische Forscher haben eine interessante Studie veröffentlicht, in der sie 743.498 Männer über einen Zeitraum von 34 Jahren unter die Lupe genommen haben. Die Grundanalyse wurde im European Heart Journal vorgestellt und war einfach: Die Männer wurden im Alter von 18 Jahren bewertet, als sie in den Jahren zwischen 1969 und 1984 ins Militär eingezogen wurden. Dann wurde ihr Schicksal anhand nationaler Register weiter verfolgt, um festzustellen, welcher von ihnen Herzanfälle hatte. Das Schaubild links oben beschreibt das Ergebnis.

Es lohnt sich, eine Minute Zeit zu nehmen, um herauszufinden, was das Diagramm beschreibt. Die vertikale Achse zeigt das relative Risiko für einen Herzinfarkt. Die Schattierungen der einzelnen Säulen unterscheiden die einzelnen BMI-Bereiche, von weniger als 18 bis über 30. Über 30 ist die klinische Definition von „übergewichtig“. Und jede vierteilige Säulengruppe wurde noch einmal in vier unterschiedliche Bereiche der körperlichen Fitness eingeteilt, wie sie zum 18. Lebensjahr vorlag. Die vier Säulen auf der linken Seite des Diagramms waren also die mit der höchsten und diejenigen auf der rechten Seite mit der niedrigsten Fitness.

Die wichtigsten erkennbaren Trends sind nicht überraschend: So weit es das Herzinfarkt-Risiko an geht, ist es natürlich besser, fitter als weniger fit zu sein und eher einen niedrigeren als einen höheren BMI zu haben. Die interessantere Fragestellung ergibt sich, wenn man die Gruppen miteinander vergleicht. Ist es besser, fit aber übergewichtig zu sein oder ist es besser, ein „normales“ Gewicht zu haben, dafür aber weniger fit zu sein? Diese Frage wurde in den letzten Jahrzehnten immer wieder mit interessanten Ergebnissen diskutiert. Allerdings mit leichten Tendenzen - so weit ich dies beurteilen kann - zur Seite derer, die behaupten, dass Fitness wichtiger ist als Gewicht. In diesem Fall aber sagen die Daten genau das Gegenteil: Es ist viel besser, eine schlechte Fitness und einen niedrigeren BMI (relatives Risiko ~2,7) zu haben als eine große Fitness und einen BMI über 30 (relatives Risiko ~4,6).

Nun, dann wollen wir mal ein bisschen genauer hinschauen: Es war für das langfristige Herzinfarkt-Risiko dieser schwedischen Männer besser, schlank zu sein, als sie 18 Jahre alt waren und in den 70er und frühen 80er Jahre lebten. Gilt dieselbe Balance auch für eine Frau mittleren Alters im Jahr 2014? Schwer zu sagen und wir sollten uns davor hüten zu sehr zu verallgemeinern. In gewisser Weise erinnert mich diese Fett-gegen-fit-Debatte ein wenig an die Natur-versus-Umwelt-Debatte, in welchen beide Elemente ganz klar wichtig sind: Man kann keine der beiden ignorieren, und ihre relativen Bedeutungen erfolgen nach Maßgabe ihres spezifischen Kontextes.

Der Zusammenhang von Herzinfarkt-Risiko und Knieextensionskraft.

Bild: runnersworld.com

Als abschließende Bemerkung, hier noch eine andere Darstellung aus der gleichen Studie: Der Aufbau des Diagramms links unten ist genau derselbe, doch statt der aeroben Fitness wurde die Knieextensionskraft als Maß für die körperliche Gesundheit verwendet. In diesem Fall ist der BMI viel wichtiger als die Kniekraft, die kaum von Bedeutung zu sein scheint. Das ist eine gute Kontrolle, um darzustellen, dass die Erhebungen zur Fitness nicht immer zeigen, dass generell gesunde Menschen länger leben, weil sich dies zum Beispiel bezüglich der Knieextensionskraft und auch in anderen Fitnessparametern nicht immer widerspiegelt.

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