Lauflabor

Aktuelle Studie: Kein erhöhtes Verletzungsrisiko bei Pronation

Eine neue dänische Studie mit 927 Läufern konnte keine Unterschiede in der Verletzungshäufigkeit bei verschiedenen Fußtypen feststellen.

Pronation

Durch Pronation erhöht sich Ihr Verletzungsrisiko nicht.

Bild: iStockphoto.com / Maridav

In jüngster Vergangenheit waren die Dinge noch einfach: Entweder hatte man einen überpronierenden (übermäßiges Einknicken nach innen), unterpronierenden (übermäßiges Abrollen über die Fußaußenseite) oder neutralen Fuß und man suchte sich den entsprechenden Laufschuh für diesen Fußtyp. Wenn man sich verletzte, war es wahrscheinlich, dass man den falschen Laufschuh für seinen Fußtypen gewählt hatte.

Zumindest war das die Theorie. Denn das Problem war, dass die Läufer sich weiterhin verletzten. In mehreren Studien der vergangenen Jahre wird infrage gestellt, dass der Fußtyp (und die Zuweisung eines bestimmten Laufschuhs zu einem Fußtyp) wirklich einen solchen Einfluss auf die Verletzungsraten von Läufern hat.

Eine dänische Studie, die kürzlich im British Journal of Sports Medicine veröffentlicht wurde, überprüft diese Fragestellung. Die Forscher rekrutierten dafür 927 Nichtläufer, die bereit waren, mit dem Laufen zu beginnen und mindestens ein Jahr lang regelmäßig zu laufen. Dieses Vorgehen vermied Probleme mit bereits bestehenden Verletzungen und der Gewöhnung an spezielle Schuhtypen. Jeder Läufer wurde mit dem gleichen neutralen Schuh (Adidas Supernova Glide 3) und mit einer GPS-Uhr ausgestattet, um die Laufstrecken so genau und objektiv wie möglich zu erfassen. Die Laufanfänger wurden je nach Fußtyp in fünf Gruppen geteilt: stark supinierend, supinierend, neutral, pronierend und überpronierend.

Aus rein statistischer Sicht gab es keine Unterschiede zwischen den Gruppen. Insofern ziehen die Forscher folgenden Schluss: Es wurden keine bedeutenden Unterschiede in den Entfernungen bis zum Auftreten der ersten Laufverletzung zwischen stark supinierenden, supinierenden, pronierenden oder überpronierenden Füßen im Vergleich zu neutralen Füßen gefunden. Allerdings fiel auf, dass pronierende Füße wesentlich weniger Laufverletzungen pro 1.000 Kilometer aufwiesen als neutrale Füße.

Hier wird der Anteil der Läufer in jeder Gruppe dargestellt, der nach dem Zurücklegen einer bestimmten Kilometeranzahl noch unverletzt war. Durchschnittlich haben die Laufanfänger 353 km über das Jahr zurückgelegt und 252 von ihnen erlitten dabei Laufverletzungen.

Bild: Alex Hutchinson

Nun erklärt das aber nicht ganz, was die Darstellung zeigt, denn die Überpronations-Gruppe scheint hier eine viel höhere Verletzungsrate zu haben. Das Problem ist, dass nur etwa 9 Personen (=18 Füße, denn wirklich jeder Fuß wurde separat analysiert, da die Menschen nicht symmetrisch sind), unter diese Kategorie fielen. Eigentlich eine viel zu kleine Anzahl, um irgendwelche Schlüsse daraus zu ziehen. Die Pronations-Gruppe hingegen, mit 122 Füßen, wies wirklich weniger Laufverletzungen auf als die neutrale Gruppe.

So, was bedeutet das nun? Wahrscheinlich ist dies der beste Beweis dafür, dass es besser ist, den Laufschuhkauf nicht vom Fußtypus abhängig zu machen. Es ist gewiss möglich, dass die Pronationskontrolle (ob bei Schuhen oder Einlagen) eine Rolle bei der Behandlung spezifischer Verletzungen spielt und es könnte auch möglich sein, dass sich die hohe Verletzungsrate der sehr kleinen „überpronierenden“ Gruppe dieser Studie in zukünftigen Untersuchungen noch mal bestätigt. Aber für 99 % der Läufer in der dänischen Studie scheint ihr Fußtyp nicht von Bedeutung zu sein.

Wo führt uns das hin? Die Autoren geben im Wesentlichen zwei Ratschläge. Wählen Sie erstens einen Schuh, der sich bequem anfühlt; es gibt Beweise, dass die Wahrnehmung der Bequemlichkeit der beste Leitfaden dafür ist, wie gut Fuß und Schuh zueinander passen. Schenken Sie zweitens auch allen Nicht-Schuh-Faktoren, die zu Laufverletzungen führen könnten, mehr Aufmerksamkeit – dazu gehören besonders die Trainingsfehler. Denn am Ende ist die Ursache eigentlich aller Überlastungsverletzungen noch die einfachste: zu viel gelaufen, zu schnell gelaufen.

Blog aus der Trainingswissenschaf:

Ermüdungsgrenzen beim Ausdauertra...