Ironman Frankfurt 2012

Vanhoenacker gewinnt Ironman Frankfurt, Kienle vor Raelert

Marino Vanhoenacker hat den Ironman Frankfurt 2012 vor Sebastian Kienle gewonnen. Top-Favorit Andreas Raelert wird trotz Radsturz Vierter.

Ironman Frankfurt 2012 Bilder

Wenn der Inhaber der Weltbestzeit auf den schnellsten Ironman trifft, scheint es so, als seien die beiden ersten Plätze bereits vergeben. Die Rede ist von Andreas Raelert, der im vergangenen Jahr ein phänomenales Rennen bei der Challenge Roth zeigte und die Weltbestzeit auf 7:41:33 Stunden drückte. Auf der anderen Seite: Marino Vanhoenacker, Sieger des Ironman Austria 2011 in 7:45:58 Stunden, der schnellsten Zeit auf der Ironman-Distanz. Als Dritter im Favoriten-Trio wurde Sebastian Kienle gehandelt, für den die Experten eher einen Platz hinter den anderen beiden Top-Favoriten für wahrscheinlich hielten. Runnersworld.de hat das Triathlon-Spektakel in der Mainmetropole bildlich festgehalten. Die schönsten Fotos finden Sie in der Galerie über diesem Absatz.

Sieger beim Ironman Frankfurt 2012: Marino Vanhoenacker.

Bild: Norbert Wilhelmi

Schwimmstart mit Ladehemmung
Normann Stadler sollte eigentlich den Startschuss zum Ironman Frankfurt 2012 geben, aber die Pistole versagte dem zweifachen Ironman-Hawaii-Sieger den Dienst. Auch ohne lauten Knall starteten die Profis beim 3,8 Kilometer langen Schwimm-Auftakt im Langener Waldsee. Wie zu erwarten war, kristallisierte sich schnell eine schwimmstarke Spitzengruppe mit Andreas Raelert, dem Franzosen Stephane Poulat und dem Belgier Marino Vanhoenacker heraus. Außerdem mit dabei war der Deutsche Jan Raphael. Auf der zweiten Schwimmrunde forcierte Poulat das Tempo und konnte Vanhoenacker abschütteln indes Raelert die Attacke parierte und am Franzosen dran blieb. Am Ende kassierte Vanhoenacker eine Minute (45:07 Minuten) auf Poulat (44:14 Minuten). Während Favorit Raelert nach starken 44:20 Minuten das Wasser verließ, hatte Kienle schon über vier Minuten Abstand zur Spitze (48:58 Minuten).

Kienles Aufholjagd
Auf dem Rad teilten sich Andreas Raelert und Jan Raphael zunächst die Spitze und verteidigten diese rege. So wollte der Vorsprung zu Vanhoenacker nicht schmelzen und pendelte sich bei einer Minute ein. Anders Kienle, der schnell die Initiative ergriff, um seinen Rückstand von vier Minuten schnellstmöglich wett zu machen. Mit brachialem Raddruck fuhr der erst 28-Jährige eine Minute schon auf den ersten zehn Kilometer zu. Als strömender Regen einsetzte, konnte Vanhoenacker das Loch zwischen sich und Raelert schließen, während Kienle schon bald von hinten angeschossen kam. Es hätte zum Rad-Showdown der drei Topfavoriten kommen können.

Raelert stürzt, Vanhoenacker enteilt
Gerade als Kienle zur Attacke ansetzte, rutschte Raelert auf der nassen Fahrbahn weg. Aber nur kurze Zeit später war er wieder im Sattel und nahm die Verfolgung der Spitzengruppe um Vanhoenacker, Raphael und Kienle auf. Schnell waren die Führenden auf dem Rad eingeholt, trotzdem verlor Raelert in Folge des Sturzes immer weiter an Boden, konnte einer weiteren Tempoverschärfung von Kienle und Vanhoenacker nicht folgen und hatte sichtlich Probleme auf dem Rad. In der zweiten Wechselzone sagte Raelert später, er sei wegen Sturzes „angeschossen“ gewesen. Weniger Probleme mit dem nassen Asphalt hatte hingegen das enteilende Duo Kienle und Vanhoenacker, das sich zunehmend absetzen konnte. Kienle jedoch, der immer mehr an Lockerheit einbüßte, hatte einer Tempoverschärfung von Vanhoenacker nichts mehr entgegenzusetzen, sodass der Belgier nach 180 Radkilometern als erstes die Laufschuhe schnürte, die zweite Wechselzone zügig passierte und entschlossen auf die Laufstrecke rannte.

Kienle mit starker Radleistung

Bild: Norbert Wilhelmi

Sebastian Kienle holt auf dem Rad erfolgreich seinen Rückstand vom Schwimmen auf und ist hier noch vor dem späteren Sieger Marino Vanhoenacker.

Kampf auf der Marathonstrecke
Der Vorsprung von Vanhoenacker (Radsplit: 4:26:26 Stunden) vor Kienle (4:25:28 Stunden) betrug nach dem Radfahren etwa zwei Minuten. Zu diesem Zeitpunkt war schon klar, dass Raelert (Radzeit: 4:38:56 Stunden) nicht mehr in den Kampf um den Sieg hätte eingreifen können, denn sein Rückstand betrug schon mehr als zehn Minuten - das ist selbst für den Ausnahmeläufer ein fast unmögliches Unterfangen, zumal der Rostocker in der Wechselzone einen völlig erschöpften Eindruck machte und Vanhoenacker auch als starker Läufer gilt. Für Kienle war zu diesem Zeitpunkt noch alles drin. Kilometer um Kilometer wurde sein Laufstil flüssiger, seine Kilometerabschnitte schneller, der Abstand zu Vanhoenacker schrumpfte immer mehr. Der Belgier hatte nach fünf Kilometern schwer zu kämpfen. Kienles Aufholjagd endete aber abrupt, als er einen Zwischenstopp auf dem Dixi-Klo einlegte. Auch wenn es nur kurze Zeit später für ihn schon wieder weiter ging, pendelte sich von da an der Abstand zum führenden Belgier ein. Zu diesem Zeitpunkt war das Rennen aber noch keinesfalls entschieden, da Vanhoenacker, ebenso wie Kienle, am Limit lief. Beide bissen sich von Kilometer zu Kilometer.

Überraschend frisch hingegen wirkte Jan Raphael. Und einen noch lockeren Eindruck machte der Spanier Clemente Alonso-McKernan, der in einem Mördertempo das Feld von hinten durchlief und schon bald auf Raphael aufschloss - und kurzum überrannte. Auch Raelert fand schnell seinen Schritt, konnte zwar mit keiner herausragenden Laufperfomance, wie von ihm sonst gewohnt, punkten, rannte trotzdem noch einen soliden Marathon (2:50:14 Stunden) und zum Leidwesen von Raphael (Marathon: 2:52:02 Stunden / Endzeit: 8:18:17 Stunden) einen Kilometer vor Schluss an ihm vorbei und sicherte sich Platz vier in 8:17:36 Stunden. Dritter in 8:14:04 Stunden wurde der Spanier Alonso-McKernan mit einem überragenden Marathon (2:45:10 Stunden). Im Duell an der Spitze hatte Vanhoenacker letztlich die Nase vorn und kämpfte sich mit einem sehr guten Marathon (2:48:19 Minuten) zum Sieg. Erst wenige Meter vor Schluss entwich seiner starren Miene ein Lächeln, die Anstrengung und Anspannung war ihm deutlich ins Gesicht geschrieben. Nach 8:03:31 Stunden lief der Belgier auf den Römerberg ein und ließ sich unter dem frenetischen Jubel der Zuschauer gebührend feiern. Mehr als sechs Minuten später (Endzeit: 8:09:55 Stunden / Marathon: 2:51:38 Stunden) erreichte dann auch Sebastian Kienle das Ziel. Sein charakteristischer Zielsprung blieb aus. Auf die Frage hin, ob er nur an guten Rennen das Zielbanner überspringe, entgegnete der für seine authentische Art bekannte Kienle sinngemäß, dass er an guten Tagen ins Ziel springe. An perfekten Tagen sei der dazu nicht mehr in der Lage. Wie kräftezerrend das Rennen wirklich war, kommentierte er so: „Erschöpfung? Das ist die größte Untertreibung, die ich je gehört habe.“

Steffen siegt im Frauenrennen
Top-Favoritin und Vorjahressiegerin Caroline Steffen ließ schon beim Schwimmen keinen Zweifel aufkommen, dass der Sieg nur an ihr vorbeiführen würde. Nach 48:58 Minuten verließ die Schweizerin das Wasser - ihre Paradedisziplin sollte aber erst noch folgen. Schnell nahm sie auf dem Rad Fahrt auf und drückte aufs Tempo. Steffen, die aufgrund ihrer Radstärke normalerweise ein einsames Rennen nach dem Schwimmen führt, hatte unerwartete, deutsche Konkurrenz. Anja Beranek, die sogar noch schneller als Steffen schwamm (48:39 Minuten), klemmte sich ans Hinterrad der Schweizerin und legte die 180 Kilometer lange Radstrecke in 4:54:50 Stunden zurück - nur zwei Minuten langsamer als Steffen (Radzeit: 4:52:34 Stunden). Erst im Marathon (3:06:52 Stunden) führte Steffen die Entscheidung endgültig herbei, ließ Beranek nicht mehr an sich herankommenden und lief zwar völlig entzerrt, aber überglücklich und als Siegerin nach 8:52:33 Stunden ins Ziel ein. Anja Beranek folgte 13 Minuten später, mit einem Marathon in 3:18:06 Stunden, und finishte in 9:05:41 Stunden. Ebenfalls den Sprung aufs Podium sicherte sich die Britin Corinne Abraham in 9:21:03 Stunden.

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