Ernährung

Vier Gründe, Bier zu trinken

Bier ist als Durstlöscher bei den Sportlern beliebt. Und das ist gar nicht mal so verkehrt.

Biergenuss

Nach dem Dresden Marathon freute sich der ein oder andere auf sein wohlverdientes Bier.

Bild: Claus Dahms

Die Erfahrung hat fast jeder Läufer schon einmal gemacht: Bier löscht hervorragend den Durst. Das liegt zum einen an seinem hohen Wassergehalt und der Kohlensäure, die in jeder Sorte enthalten ist. Außerdem enthalten fast alle Biersorten wichtige Mineralstoffe: zum Beispiel Kalium, Magnesium, Calcium und Phosphor. Außerdem sind in allen Biersorten Vitamin B2, B6, Pantothensäure und Niacin in ähnlich großer Menge enthalten. Da verwundert es nicht, dass das American College of Sports Medicine (ACSM) feststellte, dass Freizeitläufer mehr Bier konsumieren als ihre nicht Sport treibenden Mitmenschen. Selbst erfolgreiche Leistungssportler geben zu, sich am Abend vor einem wichtigen Wettkampf noch ein Glas Bier gegönnt zu haben ... Also: Hoch die Tassen!

Gemach, gemach, denn das ACSM warnt im gleichen Atemzug, dass sich Alkoholgenuss im Vorfeld einer sportlichen Aktivität mindernd auf Kraft und Dauerleistung des Herz-Kreislauf-Systems und der Muskeln auswirke. Der Berliner Sportmediziner Willi Heepe, jahrelang Rennarzt des Berlin-Marathons, wird da sehr drastisch: „Alkohol ist eigentlich ein übler Elektrolyträuber. Die Magnesiumreserven verschwinden förmlich durch hohe Mengen Alkohol, und letztlich wird die Erholungszeit nach Belastungen auch noch verdorben. Man kann sogar sagen, dass die Freude und der Trainings­effekt eines Trainingstages durch die schädlichen Folgen des Genusses mehrerer Gläser Bier tatsächlich völlig aufgehoben werden.“ Das sitzt, da mag man kaum noch zum Bier greifen, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Aber ist es wirklich so schlimm?

Mäßiger Alkoholgenuss ist gesund!
Gestützt durch seriöse Studien setzt sich mehr und mehr die Erkenntnis durch, dass mäßiger Alkoholkonsum der Gesundheit durchaus förderlich sein kann. Denn erstens wurde nachgewiesen, dass Alkohol in moderaten Mengen die Werte für das „gute“ HDL-Cholesterin im Blut verbessern kann und gleichzeitig das „schlechte“ LDL-Cholesterin daran hindert, die Blutgefäße zu verstopfen und Herzinfarkte zu verursachen. Alkohol wirkt zweitens entspannend auf die Arterienmuskeln und damit blutdrucksenkend. Drittens haben Wissenschaftler festgestellt, dass bestimmte alkoholische Getränke eine vorbeugende Wirkung gegen Osteoporose haben und das Risiko reduzieren, an Alzheimer zu erkranken. (Davon profitieren allerdings die Rotweintrinker noch mehr als die Biertrinker.) Die vierte gute Nachricht für Hopfenfreunde: Studien belegen, dass sich im Blutplasma regelmäßiger Biertrinker tatsächlich 30 Prozent mehr Vitamin B6 findet. Das Vitamin verhindert die Bildung einer chemischen Substanz, die Herzkrankheiten verursacht.

Aber müssen sich Langstreckenläufer nicht über die dehydrierende Wirkung des Alkohols Gedanken machen? Auch hier gibt es Entwarnung: Neuere Untersuchungen weisen darauf hin, dass dies eine Frage des Zeitraums ist, den man betrachtet. „Anfänglich mag Alkohol dehydrieren, doch über 24 Stunden gesehen kann man nicht mehr von einer Dehydrierung sprechen“, meint Dr. Nancy Clark, Runner’s-World-Expertin für Sporternährung. Aber sicherlich ist es nicht angebracht, wenige Stunden vor einem Training oder Wettkampf Alkohol zu trinken. Nancy Clarks genereller Rat lautet: „Solange ein regelmäßiger Biertrinker nicht vergisst, zusätzlich auch genug Wasser und andere Kohlenhydrate zu sich zu nehmen, sind ein bis zwei Gläser zum Essen am Abend vor dem Wettkampf völlig unbedenklich.“

Ab und an ein Gläschen Bier schadet dem Läufer nicht!

Bild: w.r.wagner / pixelio.de

Mit Vorsicht genießen
Falsch ist es jedoch auch, sofort nach dem Laufen Bier zu trinken. Bei vielen Läufern herrscht die irrige Ansicht, man könne mit Hilfe von Bier die Kohlenhydratspeicher wieder auffüllen. Bier ist jedoch keine be­sonders gute Kohlenhydratquelle. Eine 0,33-Liter-Flasche enthält nur elf Gramm Kohlenhydrate. Vielmehr bremst Bier die Wiederauffüllung der Glykogenspeicher und sollte deshalb besser erst dann genossen werden, wenn man etwas ge­gessen und den Flüssigkeitsverlust zunächst mit Wasser oder einem Sportgetränk ausgeglichen hat. Marathon-Arzt Willi Heepe: „Alkohol ist ein miserabler Energielieferant. Er ist zwar kalorisch hochwertig, entfacht aber nur ein Strohfeuer.“

Da lassen wir lieber schnell noch einmal Nancy Clark zu Wort kommen: „Wenn sich Sportler ab und zu ein Gläschen Bier gönnen, kann das ihrer Gesundheit durchaus förderlich sein. Hinzu kommt häufig auch ein psychologischer Nutzen, wenn man in angenehmer Runde mit Freunden zur Entspannung ein nettes Bierchen genießt.“

Regeln für den Biergenuss

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