Walken oder Laufen

Kalorienumsatz beim Laufen und Gehen im Vergleich

Laufen verbraucht durch das ständige Heben und Senken unseres Körperschwerpunkts bei gleicher Distanz mehr Energie als Gehen.

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Selbst Diät-Gurus erlauben Ihnen eine Nascherei, nur bitte nicht in großen Mengen.

Bild: Petra Kreß / pixelio.de

Noch war ich nicht überzeugt und suchte nach Gegenargumenten, als ich auf einen Ar­tikel stieß, der auch in meinem Denken eine Wende bewirkte. Der Aufsatz mit dem Titel "Energy Expenditure of Walking and Running" (Energieaufwand beim Gehen und Laufen) war vergangenen Dezember im sportmedizi­nischen Fachjournal "Medicine & Science in Sports & Exercise" erschienen.

Er informierte über eine Studie von Forschern der Universität Syracuse, die die Kalorienverbrennung von zwölf Männern und zwölf Frauen ermittelten, während die Probanden laufend und gehend jeweils 1600 Meter auf einem Laufband zurücklegten. Die Männer verbrauchten im Durchschnitt 124 Kalorien beim Laufen und lediglich 88 beim Gehen. Für die Frauen waren die entsprechenden Werte 105 und 74 Kalorien. Der Unterschied erklärt sich daraus, dass Männer aufgrund ihres im allgemeinen höheren Körpergewichts einen höheren Kalorienverbrauch als Frauen haben.

Mein Kontrahent hatte also Recht. Er half mir dann auch, eine Erklärung für die Ergebnisse der Studie zu finden, die auf den ersten Blick so gar nicht mit den Newtonschen Bewegungsgesetzen übereinstimmten. Laufen und Gehen sind nicht so vergleichbar wie ich annahm. Beim Gehen werden die Beine kaum gebeugt und der Körperschwerpunkt bewegt sich in einem engen Bereich oberhalb der Beine. Beim Laufen hingegen springen wir von einem Fuß auf den anderen. Bei jedem Sprung wird der Körperschwerpunkt erst angehoben und dann unter die Ausgangshöhe gesenkt, wenn wir zum Abfedern des Aufpralls der Füße auf dem Boden die Knie beugen. Dieses ständige Heben und Senken unserer Masse erfordert eine erhebliche Menge an Newtonscher Kraft zur Überwindung der Schwerkraft.

Nachdem wir uns nun klar gemacht haben, warum beim Laufen pro Kilometer rund 50 Prozent mehr Kalorien verbraucht werden als beim Gehen, muss ich leider hinzufügen, dass diese Zahl allein noch nicht viel aussagt. Statt des Gesamtenergieumsatzes (brutto) bei einer sportlichen Aktivität müssen wir nämlich den Arbeitsenergieumsatz (netto) ­betrachten. ­Dazu gilt es, den Grundumsatz, die Kalorienmenge, die der Körper auch bei völligem Fehlen körperlicher Betätigung verbrauchen würde, über die Dauer der sportlichen Betä­tigung vom Gesamtenergieumsatz zu sub­trahieren. Diese wichtige Komponente wird oft außer Acht gelassen oder wissentlich ­verschwiegen, insbesondere von Marketingleuten und Diät-Gurus, die irgendwelche Programme zum Abnehmen verkaufen wollen.

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