Eine Frage der Balance

Ernährung im Säure-Base-Gleichgewicht

Migräne, Rheuma oder chronische Müdigkeit können die Reaktionen auf eine Vernachlässigung des Säure-Base-Haushalts sein.

Ernährung im Säure-Base-Gleichgewicht

Von einer Ernährung im Säure-Base-Gleichgewicht profitieren besonders Läufer.

Bild: tderden / iStockphoto.com

Das Konzept einer Ernährung im Säure-Base-Gleichgewicht ist schon über hundert Jahre alt. Mittlerweile haben sich immer mehr Vorteile dieses Ansatzes gezeigt. Heute ist klar: Besonders Läufer profitieren davon. Beim österreichischen Arzt Franz Xaver Mayr war es um 1900 noch eine visionäre Idee, 20 Jahre später liefer­te der schwedische Ernährungsexperte Ragnar Berg die erste Forschung dazu. Seitdem findet das Ernäh­rungskonzept zunehmend wissenschaftliche Befürworter: das Essen im Säure-Base-Gleichgewicht.

Die meisten Menschen, erst recht die meisten Läufer, ernähren sich heute zu sauer. Das hat nichts mit dem Geschmack der Lebensmittel zu tun, sondern mit den chemischen Folgen der Verdauung im Körper. Ein Übergewicht an säurebildendem Essen – viele Kohlenhydratlieferanten, Fleisch, Wurst und Käse – bei gleichzeitiger Vernachlässigung von basenbildendem Obst und Gemüse lässt den Or­ganismus in einem ungesunden Ungleich­gewicht zurück. Weil wir mit effektiven Puffersystemen ausgestattet sind, merken wir davon erst mal nichts.

Auf Dauer allerdings kann Azidose, wie die schleichende Übersäuerung des Stoffwechsels genannt wird, zu einer Vielzahl von Krankheiten führen oder diese verstärken: Osteoporose, Rheuma, Rückenschmerzen, Neurodermitis, Migräne, Gicht, Darmstörungen, Depressio­nen und chronische Müdigkeit zum Beispiel. Für Sportler wichtig: Im sauren Milieu erhöht sich die Schmerzempfindlichkeit, verringert sich die Leistungsfähigkeit und erhöht sich die Regenerationsdauer.

Professor Jürgen Vormann vom Institut für Prävention und Ernährung in Ismaning hat sich schon lange mit dem Thema beschäftigt und wundert sich nicht, dass immer mehr Studien die positiven Wirkungen einer ausgeglichenen Ernährung belegen: „Es ist genau die Ernährungsweise, für die uns die Evolution gemacht hat. Die Steinzeitmenschen lebten mit ihren Früchten und Beeren kon­tinuierlich im Basenüberschuss, wenn sie nicht gerade einen großen Fang gemacht hatten. Getreideprodukte kamen erst vor rund 500 Generationen in unsere Ernährung, da­ran sind wir genetisch nicht adaptiert.“

Wer auf seine Säure-Base-Balance achtet, kann sich praktisch gar nicht ungesund ernähren: Er isst viel Obst und Gemüse, zieht magere Eiweißlieferanten fetter Wurst vor. Damit hält er sich auch automatisch an die Empfehlungen der Low-Carb-Diät, die Studien zufolge Abnehmwilligen das Gewichtsmanagement am ein­fachs­ten macht. Letztlich ist zwar die Kalorienbilanz entscheidend, aber ein sparsamer Umgang mit konzentrierten Kohlenhydrat-Lieferan­ten zügelt offenbar den Appetit.

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