Mehr als guter Geschmack

Die Macht der Gewürze

Wie Chili, Ingwer und Co. Ihren Fettabbau beschleunigen, Ihre Leistungsfähigkeit erhöhen und Ihre Gesundheit stärken.

Gewürze können mehr als würzen. Schon im Mittelalter wurden sie nicht nur zum Kochen, sondern auch als Konservierungs- und Arzneimittel verwendet. Da sie zumeist mühsam aus dem fernen Asien importiert werden mussten, waren sie extrem kostspielig. Heute ist das zum Glück anders: Gut sortierte Supermärkte, Bioläden und Asia­märkte haben eine Vielfalt exotischer Gewürze im Angebot, die noch vor ein paar Jahrhunderten zum Teil wertvoller waren als Gold und so wichtig für die Weltwirtschaft wie heute Erdöl oder Gas.

Die zum Teil sehr unscheinbaren Knollen und Samen haben es in sich: Sie eröffnen uns nicht nur ganz neue Geschmackserlebnisse, sondern sind auch extrem gesund: Sie stärken das Immunsystem, wirken kreislaufanregend, blutverdünnend, entzündungshemmend und sogar krebsvorbeugend. Nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen wirken Scharfmacher wie Chilischoten zudem stark stoffwechselbeschleunigend. Oder anders gesagt: Chilis machen schlank.

Die Schön-und-schlank-Schote: Der in der Chili-Frucht enthaltene Wirkstoff Capsaicin beschleunigt den Stoffwechsel und damit auch den Fettabbau.

Bild: Ferdinand Lacour / pixelio.de

Diese Wirkung von scharfen Gewürzen erklärt Laufexperte Herbert Steffny in seinem gemeinsam mit Wolfgang Feil verfassten neuen Buch „Die Lauf-Diät“ (Südwest, 14,95 Euro) vor allem mit einer Verstärkung des sogenannten Thermogenese-Effekts: Wenn der menschliche Körper Nahrung verarbeitet, braucht er dafür Energie, die in Form von Wärme abgeleitet wird. Dass dieser Vorgang durch Scharfes intensiviert wird, merkt man auch daran, dass einem von feurig gewürzten Speisen wie einem indischen Curry warm wird – das „innere Feuer“ wird gezündet. Und mit einer Beschleunigung der Verbrennung erhöht sich auch der Fettabbau.

Vor allem der in Chilischoten in großer Menge enthaltene scharf schmeckende Wirkstoff Capsaicin aktiviert die Verbrennung. Aber auch Pfeffer, Ingwer, Kurkuma und Zimt beschleunigen unseren Stoffwechsel. Es ist daher kein Zufall, dass diese Gewürze in der gesundheitsbewussten ayurvedischen Küche eine zentrale Rolle spielen: Dem „Agni“ genannten Verdauungsfeuer wird im Ayurveda eine große Bedeutung für Gesundheit und Wohlbefinden zugeschrieben.

Wer allerdings glaubt, mit einem einzelnen scharfen Essen beim Inder oder Mexikaner schon etwas für seine Figur getan zu haben, freut sich zu früh. Zum einen verheißt nur der regelmäßige Genuss von Chili und Co. die gewünschten Erfolge: „In vielen asiati­schen Ländern essen die Menschen morgens, mittags und abends scharf“, gibt Ernährungswissenschaftler Uwe Schröder vom Institut für Sport­ernährung in Bad Nauheim zu bedenken. Zum anderen trifft die Aussage „Scharf macht schlank“ nur dann zu, wenn auch die Rahmenbedingungen stimmen: Pommes frites zum Beispiel werden auch durch zwei Esslöffel Chilipulver noch nicht zum Schlankmacher. „Gewürze haben zahlreiche Eigenschaften mit wunderbarer Wirkung für unsere Gesundheit“, sagt Schröder. „Aber sie sind nur ein Mosaikstein, auch der Rest der Ernährung muss gesund und ausgewogen sein.“

Läufer sollten außerdem darauf achten, kurz vor dem Training nichts Scharfes zu essen. Denn die feurigen Gewürze regen zwar die Durchblutung von Schleimhäuten an und erleichtern dadurch im Normalfall die Aufnahme wichtiger Nährstoffe, aber sie können auch Sodbrennen verursachen, das sehr beim Laufen stört.

Wer jedoch auf seine schlanke Linie achtet, kann laut Schröder von der Kombination aus Thermo­genese und Nachbrenneffekt profitieren. Der Experte: „Die erste größere Mahlzeit nach dem Training schön scharf zu machen, halte ich für besonders wirkungsvoll.“ Angst vor einer Überdosis an scharfen Gewürzen brauchen gesunde Menschen übrigens nicht zu haben – Capsaicin wirkt sogar schützend auf die Schleimhäute.

Bei allen Vorteilen, die Gewürze zweifellos haben, sollte man aber den Genussfaktor nicht vernachlässigen. Wer etwa Ingwer partout nicht mag, kann sein Immunsystem auch auf andere Weise stärken. „Stress ist schlecht für das Immunsystem,“ sagt Uwe Schröder. „Daher sollte man sich beim Essen weder mit Zeitdruck noch mit unangeneh­mem Geschmack stressen.“

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