Anblick macht Appetit

Äußere Reize steuern Essverhalten

Allein der Anblick leckerer Speisen macht Appetit: Was der Laie schon immer wusste, haben Max-Planck-Forscher jetzt nachgewiesen.

Äußere Reize steuern unser Essverhalten

Die allgegenwärtige Präsenz von Lebensmitteln in den Medien könnte ein Grund für die Gewichtszunahme der westlichen Bevölkerung sein.

Bild: iStockphoto.com / Moncherie

Eine aktuelle Studie an gesunden jungen Männern belegt, dass sich die Menge des Hormons Ghrelin im Blut durch die optische Stimulation mit Bildern von Nahrungsmitteln erhöht. Als Hauptregulator steuert Ghrelin sowohl unser Essverhalten als auch körperliche Prozesse zur Nahrungsverwertung.

„Achtung! Das Betrachten verlockender Speisen lässt Sie hungrig werden!“ So oder ähnlich könnte zukünftig die Empfehlung von Diätberatern lauten. Seit Langem geht man davon aus, dass nicht nur die physiologischen Regelkreise zum Erhalt eines ausreichenden Energiestatus für den Körper das Essverhalten beeinflussen. Auch äußere Reize wie der Geruch oder Anblick von Speisen und unser Hungergefühl spielen eine Rolle. Die Gefahr, dass es dadurch zur Nahrungsaufnahme kommt, obwohl der Energiestatus des Körpers dies gar nicht benötigt, ist in unserer durch Werbung geprägten Gesellschaft besonders hoch. Die allgegenwärtige Präsenz von Lebensmitteln in den Medien könnte also zur Gewichtszunahme der westlichen Bevölkerung beitragen.

Die Arbeitsgruppe um Axel Steiger am Max-Planck-Institut für Psychiatrie ging den molekularen Prozessen zum Steuern der Nahrungsaufnahme in einer Studie mit gesunden Männern auf den Grund. Untersucht wurde die spezifische physiologische Reaktion der Probanden auf das Betrachten von Bildern, die entweder gut schmeckende Speisen oder nicht essbare Objekte zeigten. Gemessen wurden die Konzentrationen verschiedener Hormone im Blut, die an der Regulation der Nahrungsaufnahme beteiligt sind, beispielsweise Ghrelin, Leptin und Insulin. Tatsächlich konnten die Forscher einen Anstieg der Ghrelin-Konzentration durch den optischen Reiz von Speisen messen.

„Unsere Studienergebnisse zeigen erstmalig, dass die Ausschüttung von Ghrelin ins Blut zur Regulation der Nahrungsaufnahme auch durch äußere Faktoren gesteuert wird. Unser Gehirn verarbeitet diese optischen Reize, und ohne willentliche Kontrolle werden die körperlichen Prozesse gestartet, die unser Appetitempfinden steuern. Ein Mechanismus, der uns dazu verleiten könnte, bereits zwei Stunden nach dem Frühstück ein Stück Kuchen zu verzehren“, sagt Petra Schüssler, Wissenschaftlerin am Max-Planck-Institut. Sie empfiehlt daher Menschen mit Gewichtsproblemen, den Anblick von Bildern appetitlicher Lebensmittel möglichst zu vermeiden.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, Pressemitteilung vom 16.1.2012