Engadiner Sommerlauf

Alpen-Genuss auf flacher Strecke

Auf flacher Strecke mitten durch ein wunderbares Alpenpanorama liefen die gut 1.500 Läufer beim Engadiner Sommerlauf 2013.

Engadiner Sommerlauf 2013 - Die Fotos
Engadiner Sommerlauf

Auf flacher Strecke führt der Engadiner Sommerlauf durch die Alpen-Landschaft.

Bild: Veranstalter

Alpenpanoramen mit massigen Gebirgszügen, funkelnden Seen und türkis-blauem Wasser erkaufen die Läufer sich gewöhnlich mit unzähligen Höhenmetern. Beim Engadiner Sommerlauf hingegen kommen auch Läufer ohne Bergziegen-Kondition auf ihre Kosten, denn die Strecke bleibt durchgehend flach.

Nach dem Start in Sils am nördlichen Ende des Silsersees laufen die Teilnehmer an fünf weiteren Seen entlang. Links und rechts der Engadiner Seenplatte erhebt sich die Bergkulisse des Hochtals in Graubünden. Die Talsohle des Engadin liegt auf 1600 bis 1800 Metern, damit ist es eines der höchsten bewohnten Täler in Europa. Die Berge rundherum ragen bis über 3000 Meter hoch, 173 Gletscher bedecken hier eine Fläche von 40 Quadratkilometern. Die 999 Läufer des gut 25 Kilometer langen Hauptlaufs und die 541 Läufer und Walker beim 11 km langen Muragl-Lauf bekamen von diesen frostigen Eisriesen außer dem Anblick nichts mit – das Wetter bescherte ihnen einen echten Sommerlauf.

An der Spitze wurde Tolossa Chengere aus Äthiopien seiner Favoritenrolle gerecht. Er lief nach 1:21:13 Stunden mit über einer Minute Vorsprung ins Ziel vor dem Italiener Fabio Mascheroni und dem Schweizer Marcel Berni. Bei den Frauen entschied die Italienerin Ivana Iozzia den Zweikampf mit Jasmin Nunige aus Davos auf dem letzten Kilometer für sich und siegte in 1:35:20 Stunden.

Die meisten anderen Läufer ließen es auf der flachen Strecke ruhiger angehen, unter ihnen Adelbert Grudno, der mit seinem Alphorn aus Deutschland ins Engadin gereist war. Mit dem Blasinstrument auf der Schulter, einem österreichischen Filzhut auf dem Kopf und – natürlich – in Lederhosen lief der Münchner in der Gruppe der 6-Minuten-Läufer mit und blies ihnen jeden Kilometer einen mehr oder weniger gekonnten Ton als Kilometer-Signal.

Noch mehr ins Schwitzen kamen aber wohl Remo Vogel, Marco Strimer und Stefan Rutzer, die à la Fred Feuerstein in Neandertaler-Kostümen und mit Perücken die komplette Strecke absolvierten und damit sowohl Mitläufer als auch Zuschauer erheiterten. Doch auch sommerlich gekleidetere Läufer mussten besonders auf der zweiten Hälfte feststellen, dass ein flacher Lauf in den Bergen doch noch eine andere Belastung ist als eine ähnliche Strecke im Flachen. „Ungefähr zehn Prozent Leistungsverlust muss man auf dieser Höhe einplanen,“ erklärt Sportwissenschaftlerin und Organisations-Chefin Anne-Marie Flammersfeld. Nicht nur deshalb ist Freizeitläufern, die bei einer der nächsten Auflagen des Engadiner Sommerlaufs dabei sein wollen, zu empfehlen, etwas früher anzureisen. Denn zwei bis vier Tage braucht der Körper, sich an die spürbar dünnere Luft auf 1800 Metern Höhe anzupassen. Außerdem ist es viel zu schade, die weite Anreise allein für den Lauf auf sich zu nehmen – zu schön und vielfältig ist die Engadiner Landschaft.

Zeitgleich zum Hauptlauf von Sils über St. Moritz nach Samedan starten etwa halb so viele Läufer auf die elf Kilometer lange Strecke beim Muragl-Lauf von Pontresina nach Samedan. Den Muragl-Lauf gewannen Günther Weidlinger aus Österreich und die Deutsche Coline Ricard aus Göttingen.

Nach zwei Wochen Höhentraining startete Ricard das Rennen zunächst vorsichtig, setzte sich aber im Laufe des Rennens auf die erste Position und konnte sie behaupten. Auch Günther Weidlinger nutzte die guten Trainingsbedingungen im Engadin zum Höhentraining. Eine Pause nach seinem Sieg gönnt er sich nicht: „Morgen geht das Training normal weiter“. Daher fiel die Wahl denn auch auf den 11-km-Lauf statt auf den Hauptlauf.