Experteninterview

Im Interview: Prof. Markus Walther und Dr. Lutz Graumann

Unser Experte Markus Walther verrät Vor- und Nachteile der Einlagen. Interview mit Lutz Graumann ab Seite 3.

Im RUNNER’S WORLD-INTERVIEW:
Prof. Dr. med. Dr. med. habil. Markus Walther, Stellvertretender Ärztlicher Direktor und Chefarzt im Zentrum für Fuß- und Sprunggelenkchirurgie der Orthopädischen Klinik München-Harlaching

Wann braucht ein Läufer eine Einlage im Laufschuh?

Ein gesunder Läufer braucht zunächst einmal keine Einlage im Laufschuh. Viele moderne Konzepte in der Laufschuhentwicklung verfolgen die Philosophie, dass der Fuß möglichst natürlich – ohne Verfälschung der vom Boden wirkenden Kräfte – belastet werden soll. Ein gesunder Fuß kommt mit solch einer Belastung auch gut zurecht. Bei gesunden Läufern geht es bei der Einlagenversorgung meist um eine Komfort- und Leistungsverbesserung. Mit einer Einlage kann die Haltemuskulatur im Fuß entlastet werden. Der Fuß steht entspannter im Schuh. Daher kann unter Komfortaspekten oder bei langen Trainingseinheiten eine Einlage durchaus sinnvoll sein, um die ermüdende Muskulatur zu entlasten. Untersuchungen haben beispielsweise gezeigt, dass sich die Pronation mit zunehmender Ermüdung beim Marathonlauf verstärkt. Hiervon abzugrenzen sind Läufer mit einem Fußproblem (z.B. Achillessehnenbeschwerden, plantare Faszitis, Tibialis-Posterior-Syndrom). Hier dient eine Einlagen-Versorgung der mechanischen Entlastung der geschädigten Struktur. Je nach Erkrankung werden die Einlagen individuell angefertigt und zielen speziell auf das zu Grunde liegende Problem.

Wer sollte keine Einlagen tragen?
Siehe erste Frage.

Laufschuheinlagen sind in mehreren Schichten aufgebaut.

Können Einlagen auch Schäden anrichten?

Die Pelotten, d.h. die Erhebung unter dem Vorfuß, wird zur Zeit sehr kritisch diskutiert. Es gibt einige ernst zu nehmende Hinweise, dass eine hohe Pelotte möglicherweise die Kraftübertragung im gesunden Vorfuß negativ beeinflussen kann. Bei einer Einlage, die unter Komfortaspekten getragen wird, würde ich daher immer die Pelotte sehr niedrig wählen bzw. komplett weg lassen. Weiterhin können Einlagen, ähnlich wie pronationsreduzierende Laufschuhe die natürlichen Dämpfeigenschaften des Fußes drastisch reduzieren. Die Pronation ist zunächst einmal keine krankhafte Bewegung, sondern ein notwendiger Mechanismus, den Fersenaufprall beim Rückfußläufer abzufangen. Wird diese Bewegung durch Einlagen oder Schuhe blockiert, kann die Stoßbelastung in den beteiligten Gelenken erheblich zunehmen. Hier besitzen pronationshemmende Einlagen ebenso wie Pronationskontrollschuhe ein gewisses Risikopotential.

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Verbesserte Dämpfung durch Einlagen