Laufberufe

Der Sportjournalist

Sportjournalisten machen ihre Leidenschaft für den Sport zum Beruf, reich wird man dabei nicht, geregelte Arbeitszeiten sind selten.

Sportjournalist

Wolf-Dieter Poschmann, früherer Leistungssportler und jetzt Sportjournalist.

Journalist kann im Grunde jeder werden. Da die Berufsbezeichnung nicht gesetzlich geschützt ist und nicht über eine klar definierte Ausbildung oder Prüfungen erlangt wird, sind die Wege dorthin sehr unterschiedlich. Sportjournalisten berichten in den Printmedien oder in den elektronischen Medien über einzelne Sportarten oder über Sport im Allgemeinen. Wer Sportjournalist wird, hat in der Regel Interesse an einer möglichst breiten Palette von Sportarten, in denen er sich teils auch aus eigener aktiver Erfahrung auskennt.

Ein Hochschulstudium ist in jedem Fall hilfreich, doch es müssen keineswegs Sportwissenschaften sein. Vor allem mit Fächern wie Jura oder Betriebswirtschaft eröffnen sich deutlich vielfälti­gere Karriere-Möglichkeiten, etwa im Verlags- oder Sender-Management.

Der klassische Werdegang eines Journalisten (und damit auch eines Sportjournalisten) führt nach dem Studium über ein maximal zweijähriges Volontariat bei einem Verlag oder einer Redaktion. Bei der Auswahl sollte man als Bewerber darauf achten, dass während der Ausbildung ein umfangreiches Programm angeboten wird und Volontäre nicht einfach als billige Arbeitskräfte missbraucht werden. Ein anderer Weg ist das Studium der Publizistik oder des Journalismus und der dritte die Ausbildung auf einer Journalistenschule. Wichtiger als eine gute Abschlussnote sind jedoch die gesammelten Arbeitsproben und Praktika.

Ein Quereinstieg in den Journalismus ist durchaus möglich, auch noch im fortgeschrittenen Alter, allerdings gilt dies in erster Linie für den Printbereich. Wer Sportjournalist in den elektroni­schen Medien werden will, hat die besten Chancen, wenn er sich gleich nach dem Abitur über Studienwahl und Praktika ganz gezielt in diese Richtung orientiert. Übrigens gibt es deutlich mehr freischaffende als fest angestellte Sportjournalisten. Der Haken: Als Freier muss man nicht nur immer wieder Abnehmer für seine Beiträge finden, sondern beispielsweise auch selbst für seine Rente sorgen. Unter bestimmten Bedingun­gen kann man aber in die Presse-Versorgung oder in die Künstlersozialkasse aufgenommen werden (www.presse-versorgung.de, www.kuenstlersozialkasse.de).

Wer sich ausmalt, sich als Sportjournalist spezialisieren und beispielsweise nur über Ausdauersportarten oder gar ausschließlich über das Laufen berichten zu können, wird nur eine sehr übersichtliche Zahl von Abneh­mern finden. Diese Situation hat sich auch durch eine zunehmende Zahl von entsprechenden Internetangeboten nicht verbessert, zumal dort entweder gar keine Honorare gezahlt werden oder Beiträge und redaktionelle Tätigkeiten nur sehr schlecht entlohnt werden. Andererseits gilt: Wer gut ist, hat durchaus Chancen, veröffentlicht zu werden. Als Neueinsteiger schickt man seinen Beitrag am besten ein, ohne zuvor abzuklären, ob er gefragt ist (auch ohne sich gleich nach der Honorierung zu erkundigen). Wird der Beitrag für gut befunden, wird er veröffent­licht und im normalen Rahmen honoriert – das gilt auch für dieses Magazin.

Wer Sportjournalisten nach ihrem Werdegang befragt, bekommt viele unterschiedliche Geschichten zu hören. Karin Bühler zum Beispiel, Sportredakteurin bei der „Berliner Zeitung“, absolvierte ein klassisches Volontariat bei der „Süddeutschen Zeitung“. Auf die Frage, was einen Sportjournalisten ihrer Meinung nach auszeichne, sagt sie, wichtig sei, bei aller Begeisterung für den Sport, ­seine Helden und seine Dramatik die kritische Dis­tanz zum Geschehen nicht zu vergessen –schließlich wird man sich als Sportjournalist in Zukunft vermutlich noch mehr als bisher mit Manipulationen aller Art beschäftigen müssen: Doping, Bestechung, Korruption.

Jörg Wenig, einer der wenigen verbliebenen freien Sportjournalisten mit dem Spe­zial­gebiet Leichtathletik, begann nach dem Abitur mit freier Mitarbeit bei kleineren Zeitungen und Zeitschriften. Nach Jahren und durch Kontakte, die er in dieser Zeit sammeln konnte, bekam er eine Festanstellung beim „Tagesspiegel“. Dann machte er sich selbstständig. Jungen Leuten, die sich für diesen Beruf interessieren, rät er: „So schnell wie möglich nach dem Abitur praktische Erfahrung sammeln, um herauszufinden, ob man für den Beruf geeignet ist und es einem auch Spaß macht (viel antizyklische Arbeit, Wochenenden, Abendtermine, oft Zeitstress). Kleinere Zeitungen, Magazine oder Wochenblätter bieten anfangs wahrscheinlich bessere Möglichkeiten, dies herauszufinden, als ein Praktikum bei einer großen Zeitung, bei der man unter Umständen nur herumsitzt und zuschaut. Kleinere Redaktionen haben auch eher Bedarf an freien Mitarbeitern, geben Bewerbern eine Chance und sagen ihnen, ob es Sinn macht. Außerdem ist der Qualitätsanspruch nicht gleich so hoch. Als freier Mitarbeiter hat man dann die Chance, sich neben dem Studium etwas dazuzuverdienen. Journalismus oder Medienwissenschaften zu studieren ist sicher kein Muss. Ich kenne keinen einzigen Kollegen, der das gemacht hat. Praxis ist wesentlich wichtiger. Und wer gut Eng­lisch kann, wird davon im Lauf der Kar­riere sicherlich profitieren. Mein Rat: Man sollte sich frühzeitig auch auf andere Sportarten konzentrieren, nicht nur auf Fußball, denn das machen fast alle."

Weiterlesen

Seite 1 von 2
Lesen Sie auf der nächsten Seite:
Der Weg zum Sportjournalisten