Defars Ziel nach dem Weltrekord heißt WM-Gold

Meseret Defar will sich nicht mit ihrem neuen Weltrekord über 5000 Meter zufriedengeben. Sie plant auch weitere Rekorde.

Beim Golden League-Auftakt der Leichtathleten in Oslo stellte Meseret Defar in 14:16,63 Minuten einen neuen Weltrekord über 5.000 Meter auf. Damit war sie fast acht Sekunden schneller als vor rund einem Jahr in New York. „Es war ein unglaubliches Rennen. Alles hat einfach perfekt gepasst – meine Vorbereitungen liefen super, meine Kondition ist perfekt und das Wetter war genau richtig“, sagte Meseret Defar nach ihrem Rennen.

Trainiert hatte Meseret Defar zuvor im heimischen Äthiopien, wo sie als absoluter Familienmensch von ihren Eltern, ihrem Vater Tolla und ihrer Mutter Asther sowie von ihrem Mann Tewodros Hailu unterstützt wird. Letzterer ist auch so oft es geht bei den Wettkämpfen dabei. „Er ist wichtig für mich, denn er gibt mir Kraft, sorgt sich um mich und unterstützt mich bei allem was ich tue“, erzählt Defar. Geheiratet haben Meseret und Tewodros, der ein ehemaliger Fußballspieler ist, 2004 kurz vor den Olympischen Spielen, bei denen Meseret Defar dann Olympiasiegerin über 5.000 m wurde.

In Oslo ließ Meseret Defar ihren Konkurrentinnen von Anfang keine Chance. Schon nach zwei Kilometern war sie auf sich allein gestellt. „Ich wusste, dass keiner mitgehen würde und ich mich selber um die Pace kümmern muss. Nach drei Kilometern fühlte ich mich noch nicht müde, und dann war ich mir sicher, dass ich es schaffen würde, den Weltrekord zu brechen“, sagte Meseret Defar. „Mein Ziel war es, nachdem die Tempomacherin rausgegangen war, vielleicht knapp unter 14:20 zu laufen. Ich hätte aber nie im Traum daran gedacht so schnell zu sein und 14:16 zu erreichen.“

Ihr großes Ziel in diesem Jahr sind die Weltmeisterschaften in Osaka (Japan). „Dort möchte ich auch die 5.000 Meter laufen. Das Wetter ist dort nicht ideal da es ziemlich heiß werden wird, es wird eher ein taktisches Rennen. Das ist ja auch oft der Grund, warum es selten sehr schnelle Zeiten gibt, wenn Tirunesh Dibaba und ich gegeneinander laufen. Wir sind leistungsmäßig auf dem gleichen Level, daher riskieren wir es nicht, schnell gegeneinander zu laufen.“ Keine will die andere zu einem Rekord ziehen und dann als Verliererin dastehen.

„Tirunesh ist eine sehr gute Freundin von mir. Wir trainieren oft zusammen und mögen uns. Aber auf der Bahn sind wir nun einmal Rivalinnen. Das ist ganz normal – Wettkampf ist Wettkampf, und da ist kein Platz für Freundschaften“, sagt Meseret Defar.

Mit ihren gerade einmal 23 Jahren hat sie in der Leichtathletik-Szene vieles erreicht – unter anderem ist sie Weltrekordhalterin und Olympiasiegerin. „Was noch so möglich ist? Ich habe ja schon viele Rekorde gebrochen. Ich würde gerne noch gut laufen bis ich 30 Jahre alt bin – und in der Zeit hoffentlich auch noch mehrere Rekorde brechen“, sagt Meseret Defar.

Die 23-jährige ist die einzige äthiopische Topläuferin die in der Hauptstadt Addis Abeba geboren und aufgewachsen ist. Die meisten äthiopischen Stars kommen mehr aus dem Landesinneren. Die überdurchschnittliche Anzahl von äthiopischen Topläufern auf den Langstrecken erklärt Meseret Defar mit dem „Training in der Höhe, dem natürlichen, selbstangebauten und somit nährwertreichen Essen und einem festen Familien-Zusammenhalt, der auch für viel Disziplin sorgt“.

Sie sagt selbst, dass sie ihren Eltern viel verdankt und hat ihnen deshalb ein besonderes Geschenk gemacht: „Ich habe meinen Eltern von meinen Preisgeldern ein Haus gebaut.“ Umgeben von Hütten sticht das Haus in einem Vorort von Addis Abeba heraus. „Hier bin ich groß geworden und habe auch mit meiner Leichtathletikkarriere begonnen. Mitte der neunziger Jahre habe ich immer für meine Familie Besorgungen gemacht – dabei musste ich zwangsläufig laufen. Entweder habe ich Wasser aus dem Fluss geholt oder ich habe in einem Wald, in dem Hyänen lebten, Holz für uns gesammelt“, berichtet Meseret Defar.

In Oslo hat sie für ihren Weltrekord eine Prämie von 50.000 US-Dollar erhalten. Seit Jahren setzt sich Meseret Defar für benachteiligte Kinder ein. „Ich werde wieder einen Teil meiner Prämie für Waisenkinder sowie für an AIDS und HIV erkrankte Kinder spenden.“ Schon seit September 2004 engagiert sich Meseret Defar zudem als UN-Botschafterin für den United Nations Population Fund.

Als nächstes wird sie in Ostrava an den Start gehen – wieder über 5.000 Meter. „Ob ich aber dort wieder einen neuen Weltrekord laufen kann, weiß ich nicht. Ich muss schauen, wie ich mich fühle und wie die Bedingungen dort sind.“ Wenn sie ihr Training weiter verbessern könne, dann könnten mittelfristig, so Meseret Defar, 14:10 Minuten über 5.000 Meter ein Ziel sein.

In der Zukunft plant sie aber nicht nur über die 5.000 Meter für Furore zu sorgen: „Ich möchte zukünftig auch über 10.000 Meter starten und Rekorde laufen.“ Für diese Saison steht ihr großes Ziel fest: Gold bei den Weltmeisterschaften in Osaka.