Dieter Baumann

Zwischenspurt am Puttemans-Hügel

Dieter tankt Selbstvertrauen beim Zwischenspurt am Puttemans-Hügel in St. Moritz.

Dieter Baumann: Lauf der Woche

Piz Palü, gesehen von der Diavolezza.

Bild: Günter Seggebäing / de.wikipedia.org

Lauf der Woche
Mittwoch, 09. März 2011
St. Moritz
15 km Puttemans-Hügel mit Zwischenspurt


Ich melde mich vom Dauerlauf. Diesmal auf historischer Strecke, der Puttemans-Runde in St. Moritz. Dieser belgische Läufer hielt über viele Jahre den Europarekord über 3.000 Meter in der Halle und weilte oft in den Schweizer Bergen. Auf der nach ihm benannten Runde müssen sie von Pontresina kommend drei steile bergan Passagen überwinden. Es sind nur kurze Anstiege - nur jeweils 100 Meter - aber giftig! Puttemans hatte zu seiner Zeit die Angewohnheit, immer dort seinen Endspurt anzuziehen. Dreimal kurze, schnelle Schritte und weg war er. Doch wehe, wenn sich dem Meister jemand entgegen stellte oder gar mitlief und versuchte ihn oben am St. Moritz See zu überspurten. Derjenige handelte sich dann postwendend eine Kopfnuss ein.

Mir wäre das natürlich nicht passiert – soviel Selbstvertrauen hatte ich: Ich wäre Puttemans über eine Armlänge weit weg gelaufen. Heute noch, wenn ich auf der Runde unterwegs bin, spurte ich die Puttemans Hügel hoch und stelle mir vor, wie der belgischen Meisterläufer hinter mir herspurtet und doch immer wieder aufs Neue das Nachsehen hat. Ich weiß, es klingt verrückt, aber mit solchen Spielchen tanke ich ab und zu Selbstvertrauen.

Einen Tag nach dem gedanklichen Duell mit dem belgischen Läufer ging ich Skifahren. Wieder auf historischem Boden. Ich fuhr hinauf zur Diavolezza, dem berühmten Hang am Piz Palü. Und klar kehrte ich ins Bergrestaurant ein, um die einzigartige Alpenkulisse auf mich wirken zu lassen. Skifahrer, Tourengeher und Bergsteiger belagerte den Platz. Es war herrliches Wetter und die Sicht, ein Traum. Auf der vollbesetzten Sonnenterrasse haben sie neuerdings eine Art Whirlpool aufgebaut. Ja, mitten auf der Terrasse steht ein Edelstahlbehälter, kaum zu unterscheiden von einer riesigen Gulaschkanone.

Ich stand beim Kaffeeausschank, da kamen mir zwei Gestalten mit Bademantel entgegen. Barfuss gingen sie durch die Skihütte und betraten die vollbesetzte Sonnenterasse. Sie gingen langsam an den Tischen vorbei, blieben eine kurze Weile vor dem heißen Becken stehen - alle Besucher der Sonnenterrasse hielten den Atem an – dann zogen sie ihre Bademäntel aus. Nein, bei allem Wohlwollen, es war kein ästhetischer Anblick. Langsam und behäbig – ihre Körperausmaße ließen keine schnellen Bewegungen zu – langsam also kletterten sie über den Rand des Tauchbeckens und nach einer gefühlt ewigen Zeit verschwanden diese zwei Körper im Wasser und waren damit unsichtbar. Endlich bin ich geneigt hinzuzufügen. Nur noch ihre zwei Köpfe waren aus dem dampfenden Wasser zu sehen.

Sofort ging ich der Frage nach, würde ich es wagen – Astralkörper hin oder her - auf dieser vollbesetzten Terrasse meinen Bademantel von mir zu streifen? Niemals, mein Selbstvertrauen würde nicht ausreichen.

Am schwarzen Brett las ich von einem Seminar: „Mit Selbstbewusstsein durch die Berge, ein neuer Weg mit seinem Körper glücklich zu sein.“

P.S.: Am Abend ging ich wieder laufen. Puttemans-Hügel. Zweimal spurtete ich die drei Hügel nach oben, zweimal gewann ich gegen ihn. Das muss fürs Selbstvertrauen reichen.


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