Jörg Peter

Zwei Marathons in neun Wochen

Hagen Melzer, Jörg Peter und Karl-Heinz Leiteritz

Drei legendäre Läufer aus Dresden (von links:): Hagen Melzer, Europameister über 3.000-m-Hindernis 1986, Jörg Peter und Karl-Heinz Leiteritz, der 13:33 Minuten über die 5.000 m lief und mehrfacher DDR-Vizemeister über die langen Distanzen wurde.

Bild: Claus Dahms

Doch die Funktionäre blieben unerbittlich. Sie berücksichtigten weder den starken Wind noch den Regen. Allerdings eröffneten sie Peter eine neue Chance, die Norm zu laufen, neun Wochen später beim Tokio-Marathon. So dienten die beiden ersten Wochen ausschließlich der Erholung und verschiedenen Tests. Jörg Peter: „Ab der dritten Woche mit 261 Kilometern begann die direkte Marathonvorbereitung. Das Herzstück der Vorbereitung bildeten elf 30-km-Läufe in 14 Tagen mit jeweils unterschiedlicher Aufgabenstellung.“ Die Dreißiger wurden mal locker, mal mit Tempowechseln, mal mit schnellen letzten fünf Kilometern bewältigt.

Nach den harten Wochen in Dresden ging es mit dem Team ins Höhentrainingslager nach Addis Abeba. Im äthiopischen Hochland wurde in Höhen bis zu 3.100 Meter gerannt. Nach der Anreise-Woche mit "nur“ 185 Kilometern ging es richtig zur Sache. 230 Kilometer in der sechsten Trainingswoche, 282 in der siebten und 248 Kilometer in der achten Woche. Trotz der vielen Kilometer und der dünnen und damit leistungsmindernden Höhenluft waren knallharte Einheiten dabei, z. B. 25 Mal 400 Meter in 66 Sekunden mit 200-m-Trabpausen in 77 Sekunden.
"Ich kann keinem raten, das nachzumachen“, warnt Jörg Peter, „ich habe beim Blättern in den Unterlagen immer wieder gedacht: Wie kann es sein, dass du so was mal durchgehalten hast?“

Am zwölften Tag vor dem Wettkampf lief er einen letzten 40-km-Lauf in der Höhe bei vierzig Grad. Drei Grad Celsius waren es am 14. Februar 1988 in Tokio. Der Rennausgang war knapp. Zu viert liefen sie ins Stadion und Abebe Mekonnen siegte in 2:08:33 Stunden. Hinter Juma Ikangaa aus Tansania (2:08:42) erreichte Jörg Peter in DDR-Rekordzeit von 2:08:47 Stunden als Dritter das Ziel.

Der Lauf, bei dem Jörg Peter der schnellste Marathon eines deutschen Läufers gelang, war eigentlich nur als Qualifikation für den Jahreshöhepunkt Olympische Spiele gedacht. Doch dort im fünften Marathon innerhalb von nur 13 Monaten, musste Peter nach 35 Kilometern mit Achillessehnenproblemen aussteigen. Enttäuscht beendete er seine Karriere als Leistungssportler, trainierte nur noch rund ein Viertel des bisherigen Umfangs.

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Das erfolgreiche Comeback