Baumanns Lauf der Woche

Zehn Tage ohne Sonne im Herzen

Nach zehn Grippe-Tagen genoss Dieter Baumann den ersten Dauerlauf ganz besonders: "Fünf Kilometer traben? Ein Geschenk ist das."

Sonne im Herzen

Bei Dauerläufen geht bei uns Läufern die Sonne auf, egal zu welcher Jahreszeit.

Bild: A.Rausch / pixelio.de

Lauf der Woche
Donnerstag 31.02.2013
Ort: Tübingen
Fünf Kilometer sind fünf Kilometer


Ich melde mich vom Dauerlaufen und in dieser Woche ist die Wahl, von welchem Dauerlauf ich mich melde, sehr einfach und eindeutig, denn ich lief nur ein einziges Mal! Es war eine lockere Fünf-Kilometer-Runde. Ja, all die Jahre konnte ich wählen, zwischen langen und kurzen Läufen, konnte vom leicht gesteigerten Dauerlauf zum tempogebolzten Dauerlauf wechseln. Die Wahl war nicht immer leicht, weil jeder Lauf seinen ganz eigenen Charakter hat. Es gab immer etwas zu berichten. Und in dieser Woche? Bleibt nur das Wetter. Und wirklich, das Wetter bestimmt seit Tagen die Nachrichtenlage, gut, neben dem Papst selbstverständlich. Aber wenn man so grippe- und fiebergeschwächt im Bett liegt, dann erscheint einem das Wetter und der Papst eine Ebene zu sein. Beides hat mit dem lieben Gott zu tun. Doch bleiben wir beim Wetter. Für uns Läufer ist das überhaupt kein Thema. Es mag den ganzen Winter trüb und grau sein, rekordverdächtig grau gar, bei uns Läufern scheint immerzu die Sonne. Wenigstens diese einen Stunde lang, beim Dauerlauf.

Doch in dieser Woche nicht. Sechs Tage – ach was, es waren 10 Tage! Keinen Laufschritt, die Grippe! 10 lange Tage ohne Sonne im Herzen! 10 Tage ohne Dauerlaufen ist bei mir so, wie bei Peer Steinbrück 10 Tage ohne Fettnapf. So wie ich das Dauerlaufen brauche, braucht er seinen Fettnapf. Ich kann das nachvollziehen.

Interessant auch: nach zehn Tagen Dauerlaufpause werden die Ansprüche kleiner. Bevor ich mit Grippe im Bett lag, befasste ich mich gedanklich nur mit einem: dem Marathon. Die Hauptrolle in diesem Theater spielen die langen Läufe. Und ganz wichtig, die gesteigerten langen Läufe. Ich dachte an nichts anderes. Wann laufe ich einen Dreißiger, wann einen gesteigerten langen Lauf. Wenn ich das Tempo anziehe, wann, wie schnell, bis zu welcher Geschwindigkeit. Ja, ich dachte (mich) ganz groß. An die kleinen Nebenrollen, mal eine 8-er Schleife, dort eine 10-er Runde, dachte ich nicht. Nach zehn Tagen ohne Dauerlaufen ist der Blick ein anderer. Die Nebenrollen werden dann ganz schnell zur Hauptfigur. Fünf Kilometer traben? Ein Geschenk ist das.

Steinbrück war gefühlte zehn Tage lang nicht in den Schlagzeilen, kein Fettnapf weit und breit, da kam die Wahl in Italien, nein, nicht die Wahl, sondern deren Ausgang, gerade recht. Steinbrück denkt (sich) auch immer ganz groß, doch nach dem Fettnapf „Kanzlergehalt“, kann man die Bezeichnung von Berlusconi und Grillo als Clowns nur als kleine Nebenrolle bezeichnen. „Grillo ein Clown?“, für Steinbrück ein Geschenk.

Nein, ich weiß, Dauerläufe und Fettnäpfe sind unvergleichlich. Während ich von meinem Dauerlauf mit einem Lächeln nach Hause komme, muss sich erst noch zeigen, ob Steinbrücks Fettnapfwahl wirklich zu seinen Wohlgefühl beiträgt. Bei genauerem Hinsehen hat Steinbrück bei seinem Vergleich von Grillo als Clown übersehen, dass dieser Mann einen großen Spiegel in der Hand hält. Steinbrück blickt nach Italien und glaubt Grillo zu sehen, einen Clown, in Wirklichkeit blickt er in sein Spiegelbild.

Dieter Baumann – Brot und Spiele

Bild: Ulrich Metz

Laufen Sie mit Dieter Baumann bei den KKH-Läufen 2013:
Sa. 13.04. – Mönchengladbach
Sa. 20.04. – Berlin
Sa. 27.04. – Chemnitz
So. 28.04. – Leipzig
Sa. 11.05. – Stuttgart
So. 12.05. – München
So. 26.05. – Kassel
So. 02.06. – Köln
Sa. 08.06. – Schwerin
So. 09.06. – Hamburg
So. 16.06. – Regensburg
So. 23.06. – Hannover

www.dieterbaumann.de

Dieter Baumann: Lauf der Woche:

Trügerischer Sonntag