Dieter Baumann

Wutabbaulauf mit Pinkelpause

Nach der Podiumsdiskussion über die Glaubwürdigkeit der Politik musste Dieter seine Sauwut im Bauch erst einmal weglaufen.

Dieter Baumann

Bild: Peter Weis / Wikipedia

Lauf der Woche
Mittwoch, 16. Februar 2011
Tübingen
Wutabbaulauf: 1:40:32 Std. – netto Laufzeit: 1:39:42 Std.


Mal wieder melde ich mich von einem Dauerlauf. Eine Stunde und vierzig Minuten. Ich hatte eine Sauwut im Bauch. Nach 14 Minuten war die Wut kurz weg, ich lief einen steilen Berg hoch und hatte nicht die Luft zum Ärgern, doch oben angekommen kam die Wut zurück und ich maulte wieder vor mich hin.

Am Montag war ich zu einer Podiumsdiskussion eingeladen. Es ging um die Glaubwürdigkeit der Politik. (Ja, meine Lieben, diesmal waren wir dem Herrn Guttenberg voraus). Mit dabei waren der Grünenchef von Baden Württemberg, Herr Kretschmann, und die CDU-Bürgermeisterin von Stuttgart, Frau Eisenmann.

Meine Wut beim Dauerlauf nahm erst auf dem Rückweg ab. Nur ab und an flackerte sie auf, dann gab ich Gas, tobte im 3:30-iger Schnitt in Richtung Tübingen, um die Wut zu vergessen.

Bei der Podiumsdiskussion hatte ich im Grunde nichts zu suchen. Die zwei machten ja Wahlkampf und für was und wen hätte ich wahlkämpfen sollen. Frau Eisenmann wahlkämpfte super. Ja, sie beherrschte dieses „ich tue Gutes und spreche darüber“ perfekt. Schulsanierung war ihr Thema. Warum die Schulen in so schlechtem Zustand sind, die Landtagsbüros unserer Politiker nie, wollte ich wissen. Und wenn wir, die Bürger, bei der finanziellen Haushaltslage doch alle Maß halten sollen, dann bitte auch die Politik, forderte ich. Klar schwang Stuttgart 21 immer durch den Raum und klar geht es dann um die Frage, für was geben wir unser Geld aus. Dazu noch alles auf Pump, das irgendwann, irgendwer bezahlen muss.

„Die Landeshauptstadt Stuttgart hat keinerlei Kredite aufgenommen“, sagte daraufhin die Bürgermeisterin, die es ja wissen muss. „Wir haben selbst 2010/11 bisher keinen einzigen Kredit aufnehmen müssen, um den Haushalt einschließlich der Schulsanierung realisieren zu können.“ Was sollte ich sagen, ich hatte keine Zahlen bei der Hand. „Wenn Sie so pauschalieren“, setzte Frau Eisenmann nach, „und mir sagen was wir für Schulden machen, dann gestatten sie mir, dass im Sinne der Glaubwürdigkeit dieses Beispiel für Stuttgart nicht gilt, auch das ist Glaubwürdigkeit in der Diskussion, dann haben Sie was gelernt und ich auch.“

Zu sehen ist das auf www.fluegel.tv (nach 1:27:47 Std.). Ich ging nach Hause und habe gelernt, Stuttgart hat keine Schulden! Im Internet weist die Stadt Stuttgart darauf hin, dass der Doppelhaushalt 2010/2011 einen Kreditbedarf von 442 Millionen Euro hat.

Vom laufenden Bürger wurde ich zum Wutbürger. Glaubwürdigkeit der Politik? Wahrscheinlich hat die Stadt Stuttgart bisher tatsächlich keinen neuen Kredit aufgenommen. Aber, mit Verlaub, liebe Frau Eisenmann, eine Kreditplanung in Höhe von 442 Millionen sollte auch ausreichen, soviel Glaubwürdigkeit in einer Diskussion muss schon sein.

Meine Wut war beim Einlaufen durch die Stadttore von Tübingen weg. Laufzeit 1:40:32 Std. minus 50 Sekunden Pinkelpause = 1:39:42 Std. – soviel Ehrlichkeit muss an dieser Stelle sein.

P.S.: Bei der Diskussion sprach der Grünenchef Kretschmann dann noch von 13 Nullrunden, die der Bundestag in Sachen Diäten gemacht habe… und was Dieter Baumann verdient hat, als er noch „romspronga isch“, wen hat das interessiert? Aber meine lieben Politiker, im Gegensatz zu euren Spendenkassen und ganz im Sinne der Glaubwürdigkeit, das Finanzamt hat das schon sehr interessiert, was ich verdient habe.

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