Baumanns Lauf der Woche

Wollen wir wirklich nur noch Fun und geil?

Vor 25 Jahren liefen 146 Läufer beim Frankfurt-Marathon unter 2:30, 2012 nur sieben. Wollen wir wirklich nur noch Fun und geil, fragt Dieter Baumann im "Lauf der Woche".

Frankfurt-Marathon 2012

Vor 25 Jahren liefen 146 Läufer beim Frankfurt-Marathon unter 2:30 Stunden, 2012 waren es nur sieben.

Bild: Norbert Wilhelmi

Lauf der Woche
Sonntag 27.01.2013
Ort: Wurmlinger Kapelle
Long Jog – im Renntempo


Ich melde mich vom Dauerlaufen und diesmal richtig! So wie wir Läuferinnen und Läufer uns das vorstellen: Einen langen Renntempo-Dauerlauf. Einen, der bei einer Marathonvorbereitung für den Kopf so wichtig ist. „Kann ich das? Wie lang kann ich das?“ Ja, so was kann auch geil sein.

Neulich schrieb ich die Wutreden-Trilogie für das RUNNER’S-WORLD-Heft. Ja, sie waren, wie soll sagen, leicht überzogen. Und ja, ich wunderte mich auch, dass die dritte Wutrede dann tatsächlich abgedruckt wurde. Ich schrieb, dass sich alle Läufer, die in Frankfurt beim Marathon nicht unter drei Stunden kamen, schämen sollten. Wahrscheinlich war Chefredakteur Frank Hofmann im Urlaub, Martin Grüning war laufen und Urs Weber testete gerade eine neue Kompressionssocke. Deshalb ging der Text ungelesen in den Druck. Auf jeden Fall bekam ich nach der Herausgabe dieses Heftes so viele Zuschriften wie fünfzehn Jahre davor nicht.

Es waren zwei. Einer schrieb, nicht er müsse sich schämen, sondern ich. Das stimmt natürlich, denn ich war in Frankfurt gar nicht gelaufen. Der andere sendete mir eine Liste aller Läufer, die in diesem Jahr unter 2:30 Stunden gelaufen waren. Denn in meiner Kolumne ging es ja auch um die Zahlen 7 und 146! Vor 25 Jahren liefen 146 Läufer unter 2:30 Stunden. Nur in Frankfurt wohlgemerkt. In einem einzigen Marathon. 146! 2012 waren es nur 7. Warum mir der Leser diese Liste sendete, muss sein Geheimnis bleiben, denn dort waren für 2012 nur 50 Läufer aufgelistet, die bundesweit unter 2:30 Stunden blieben. Dazu noch der bekennende Spruch, dass damals (also in seiner Jugend) der gängige Spruch unter Läufern war: „Wenn wir über 3 Stunden laufen, hören wir sofort auf“.

Ich bin froh, dass Sie, lieber Zusender der Mail, nicht aufgehört haben! Dass sowieso keiner aufhört, auch dann nicht, wenn Sie 6:45:50 Stunden laufen. Super gemacht, Wahnsinns-Leistung. Und klar bin auch ich der Meinung, dass Sie sich, lieber Zusender der zweiten Mail mit einer Zeit über Marathon von 3:00:48 Stunden nicht schämen müssen! Wobei ich mir bei einer solchen Zeit schon die Frage stellen würde, wo die 48 Sekunden herkommen. Aber das nur nebenbei.

Und trotzdem liebe Freunde der Laufkunst. Woher kommt denn dieser Leistungsschwund? Innerhalb von 25 Jahren ein freier Fall. Sind wir überlastet, auf zu vielen Hochzeiten unterwegs oder einfach faul? Wollen wir wirklich nur noch „Fun“, nur noch „geil“ und „Event“? Das darf ich doch mal fragen. Und nun ein Friedensangebot für alle, die in Frankfurt die Drei-Stunden-Hürde verpasst haben. Geil ist auch, ans Limit zu gehen. Aber verstehen sie mich nicht falsch. Ich bin überhaupt kein Leistungsheini. Nein, alles ein Spiel. Und deshalb, fürs Spiel, für die Geilheit und natürlich für alle, die sich angestachelt fühlen: ich werde zum Pacemaker. In Hannover werde ich unter drei Stunden anlaufen. Zielzeit: 2:59 Stunden. Deshalb also mein erster Renntempo-Dauerlauf um die Wurmlinger Kapelle. Die Vorbereitung hat begonnen.

Dieter Baumann – Brot und Spiele

Bild: Ulrich Metz

Dieter Baumann spielt Theater:

Kabarett-Termine
Mi. 06.02.2013 - Frankfurt - in der KäS

Laufen Sie mit Dieter Baumann bei den KKH-Läufen 2013:
Sa. 13.04. – Mönchengladbach
Sa. 20.04. – Berlin
Sa. 27.04. – Chemnitz
So. 28.04. – Leipzig
Sa. 11.05. – Stuttgart
So. 12.05. – München
So. 26.05. – Kassel
So. 02.06. – Köln
Sa. 08.06. – Schwerin
So. 09.06. – Hamburg
So. 16.06. – Regensburg
So. 23.06. – Hannover

www.dieterbaumann.de

Dieter Baumann: Lauf der Woche:

"Hey Bubel" sorgte für Verwirrung