Marvin Running

Wieviel Trendsport darf sein?

Kann man noch tiefer sinken? Herrchen und seine zwei ältesten Söhne machen das Surf-Seepferdchen.

Stand-Up-Paddling

Grad eingeschult, schon Trendsportler.

Bild: Hagen Hellwig

Was tun Aktionäre, wenn sich der Dax Richtung Süden bewegt? Sie fahren zur Entspannung Richtung Norden. Und zwar in die Surfschule Norden nach Sylt. Dort stürzen sie sich lieber in die Nordseewellen als in das Auf und Ab der Aktienmärkte.

Für die, die ruhigeres Fahrwasser bevorzugen, gibt es entweder Staatsanleihen, die dahindümpeln, bis man damit ins Wasser fällt, oder Stand-Up-Paddling, eine Art Dahindümpeln mit Surfbrett.

Der Siegeszug dieses SUP, wie es kurz heißt, ist kaum aufzuhalten: Von Sylt aus hat es sich schon bis nach Hamburg ausgebreitet. Jederzeit, wenn man gemütlich an der Alster entlangjoggt, kann heute so ein Bügelbrett-Gondoliere vorbeipaddeln. Manche nennen das Stützräder-Surfen, andere Trendsport. Jedenfalls sieht es am Anfang so aus, als serviere man auf dem Wasser Golfschüler für Yuppie-Weißhaie.

Weil in der Außenalster wenig Raubfische lauern, muss etwas anderes hinter diesem Phänomen stecken, denkt sich Herrchen und ist interessiert. Oh weh.

„Wir machen den einzig wahren Trendsport-Test“, sagt Herrchen: „Wenn Kinder daran Spaß haben, ist etwas dran an der Sache.“

Wenig später steht er bei bestem Sommerwetter an einem ruhigen Seitenkanal der Alster und lässt sich von Angelo in die Geheimnisse des SUP einweisen. Angelo, Berufsbezeichnung ‚Surfer‘, strahlt wie jemand, der drei Traumberufe und ein Lottogewinn-Abo hat.

Herrchen und Söhne Nr. 1 und 2 (acht und sechs Jahre) können sich seinem Charme kaum entziehen und haben schon Spaß, bevor sie überhaupt aufs Brett steigen. Herrchen darf als erster aufs Wasser. Ein paar wackelige Momente später hat er den Bogen halbwegs raus, überholt ein Kanu und meint: „Hey, is‘ ja klasse!“

Angelo sagt, dass Stehpaddeln nicht nur für die Balance klasse sei, sondern auch für die Rumpfmuskulatur.

Herrchens Söhne bewegen sich auf dem Brett, als hätten sie nie etwas anderes gemacht. Damit lassen sie Herrchen im Vergleich ziemlich alt aussehen.

Viel zu schnell ist die Surfstunde vorbei. Herrchen fragt begeistert: „Mensch Marvin, ob wir das das nächste Mal auch im Schottenrock machen können?“

„Untersteh‘ dich!“, fauche ich. Dann frage ich maulend: „Und, wieviel Trendsport darf nun sein?“

Herrchen grinst: „Soviel wie Spaß macht.“ Und dass das hier viiiel Spaß macht, darin sind sich alle einig.

Alle außer mir, selbstverständlich.

Bekenntnisse eines Schweinehunds:

Das Kreisen der 5.000