Marathon-Favoriten

Weltmeister Abel Kirui will auch bei Olympia Gold gewinnen

Nachdem Abel Kirui 2009 und 2011 bereits bei den Weltmeisterschaften siegte, möchte der Kenianer seine Karriere nun 2012 in London mit dem Olympiasieg krönen.

Abel Kirui 2

Abel Kirui will den Olympiasieg 2012

Bild: photorun.net

Zwei Starts, zwei Siege – besser könnte die Bilanz von Abel Kirui bei internationalen Meisterschaften nicht sein. Zweimal hintereinander war er Weltmeister im Marathon, was vor ihm lediglich dem Spanier Abel Antón (1997 sowie 1999) und dem Marokkaner Jaouad Gharib (2003 sowie 2005) gelungen war. In Berlin 2009 und in Daegu (Südkorea) 2011 hieß der Sieger über die 42,195 km jeweils Abel Kirui. Jetzt hofft der 30-jährige Kenianer auf den größten Triumph, den es im Laufsport zu gewinnen gibt: In London möchte Abel Kirui seine Karriere mit dem Olympiasieg im Marathon krönen.

Gute Gene, falsches Training
Abel Kirui hatte als älterer Grundschüler mit dem Laufsport begonnen. In seiner Verwandtschaft gab es mit Mike Rotich bereits einen Marathonläufer, außerdem, so erzählte der Weltmeister einmal, soll bereits sein Urgroßvater ein guter Läufer gewesen sein: „Er jagte Antilopen und fing sie zu fuß.“ Während Abel Kirui in der Grundschule sämtliche Laufdisziplinen absolvierte, darunter auch Hindernisrennen, konzentrierte er sich in der Oberschule auf die Langstrecken – im Crosslauf sowie über 5.000 und 10.000 m startete er. Der Erfolg hielt sich dabei jedoch in Grenzen. „Ich hatte keine Ahnung vom Training. Ich bin einfach ohne irgendeinen Plan gelaufen“, erzählt Abel Kirui, der aus dem Dorf Samitui im Great Rift Valley stammt und drei ältere Geschwister hat.

Nach Abschluss der Oberschule bewarb sich Abel Kirui erfolgreich um einen Verwaltungsjob bei der Polizei. Aufgrund seines Talentes wurde er dann von der Küstenstadt Mombasa nach Kapsabet versetzt, wo er im Hochland viel besser trainieren konnte.

Der erste Marathon
Nachdem er 2005 zum ersten Mal in Europa gestartet war, lief er 2006 sein Debüt im Marathon in Berlin. Dabei kam er nicht über 2:17:47 hinaus. „Ich war sehr müde, denn ich hatte nicht adäquat trainiert. Mein längster Trainingslauf vor dem Berlin-Marathon betrug lediglich 1:20 Stunden. Mir war aber dann klar, dass ich mich deutlich verbessern würde, wenn ich die Trainingsumfänge erhöhen würde“, erzählte Abel Kirui.

Im Frühjahr 2007 machte er in Wien einen deutlichen Sprung und verbesserte sich als Dritter auf 2:10:41 Stunden. Knapp sechs Monate später steigerte sich der Kenianer erneut um mehrere Minuten: In Berlin wurde Abel Kirui hinter dem Weltrekord laufenden Haile Gebrselassie (Äthiopien/2:04:26) Zweiter mit 2:06:51.

Erfolg ist nicht von Dauer
Zurück in Wien feierte Abel Kirui im April 2008 seinen ersten und bis heute einzigen Sieg bei einem City-Marathon. Bei sehr warmem Wetter mit Schattentemperaturen von rund 20 Grad Celsius stellte er mit 2:07:38 Stunden einen Streckenrekord auf, der vier Jahre Bestand hatte. Nachdem er sich in Rotterdam 2009 als Dritter auf 2:05:04 Stunden gesteigert hatte, wurde er für die Weltmeisterschaften in Berlin nominiert und gewann auf Anhieb bei seinen ersten großen Meisterschaften den Titel. „Berlin ist meine Stadt. Ich liebe Berlin und laufe hier sehr gerne. Als ich hierher kam, fühlte ich mich sehr zuversichtlich“, sagte Abel Kirui nach seinem WM-Triumph in der deutschen Hauptstadt. Mit 2:06:54 Stunden stellte er dabei die nach wie vor gültige WM-Rekordzeit auf.

Doch dann wurde es ruhiger um den Marathon-Weltmeister. Platz fünf in London, Rang neun in New York und eine Aufgabe in London 2011 deuteten nicht daraufhin, dass Abel Kirui noch zur Marathon-Weltspitze zu zählen ist. Andere Kenianer sorgten währenddessen für Schlagzeilen.

So soll der Zieleinlauf für Abel Kirui auch in London aussehen.

Bild: photorun.net

Gelungenes Überraschungs-Comeback
Bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften im südkoreanischen Daegu meldete sich Abel Kirui aber eindrucksvoll zurück. Der Kenianer verteidigte seinen Titel in 2:07:38 Stunden und erreichte dabei den größten Vorsprung den ein Marathon-Sieger bei einer Weltmeisterschaft je herausgelaufen hat. 2:28 Minuten vor seinem Landsmann Vincent Kipruto war Abel Kirui im Ziel. Es war überhaupt erst sein zweiter Start bei einer internationalen Meisterschaft für Kenia – zwei Rennen, zwei Siege!

Dass Abel Kirui zur alten Form zurückfand, hing mit einer Umstrukturierung seines Trainings unter einem neuen Coach und einem Ortswechsel zusammen. In der Vorbereitung auf den WM-Marathon von Daegu verlegte Abel Kirui sein Training aus dem heimatlichen Kapsabet nach Iten in die Nähe von Eldoret. Er mietete dort mit einem anderen Läufer zusammen ein Haus und schloss sich der Gruppe des italienischen Trainers Renato Canova an. Nach den Haupttrainingstagen der Woche fährt er dann nach Hause zu seiner Familie. „Wenn du zu Hause trainierst, gibt es viele Ablenkungen – immer wieder will jemand etwas von dir und du musst viele Dinge erledigen und besorgen“, erzählte Abel Kirui.

Olympianominierung
Nach seinem zweiten WM-Sieg wurde Abel Kirui vom kenianischen Verband für die Olympischen Spiele vornominiert. Beim London-Marathon kam er dann zwar im April nicht über Rang sechs in 2:07:56 Stunden hinaus, doch die Funktionäre berücksichtigten ihn trotzdem für die Spiele. „Ich habe eine Strategie, wie ich den Olympia-Marathon laufen werde“, erklärte Abel Kirui, ohne Details preiszugeben. „Ich werde 100 Prozent geben, damit Kenia den Marathon-Olympiasieg von 2008 verteidigt.“ Ist Abel Kirui stark genug, um das Erbe des 2011 tödlich verunglückten Siegers von Peking 2008, Sammy Wanjiru, anzutreten?

Das Wichtigste in Kürze:
Nation: Kenia
Alter: 30 Jahre
Bestzeit: 2:05:04 Stunden (2009)

Größte Erfolge: Marathon-Weltmeister 2009 und 2011
1. Wien-Marathon 2008
2. Berlin-Marathon 2007
3. Rotterdam-Marathon 2009
3. Wien-Marathon 2007
5. London-Marathon 2011
6. London-Marathon 2012

Olympia-Einschätzung:
Abel Kirui hat zwei Marathon-WM-Rennen gewonnen und damit einige Erfahrungen in Meisterschaftsrennen gesammelt. Das wird ihm in London helfen. Allerdings ist die Konkurrenz bei Olympia deutlich stärker als bei Weltmeisterschaften. Nachteilig ist seine nicht konstante Form. So kam er in London im April – gegen extrem starke Konkurrenz – nicht über Rang sechs hinaus. Ebenfalls gegen ihn spricht seine nicht ganz so gute Grundschnelligkeit. Abel Kirui gehört zu den Favoriten, aber er ist nicht der Topfavorit.

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