Marvin Running

Wehret den Anfängen

Welcher pädagogische Missgriff führt nur dazu, dass dreijährige Mädchen im Nieselregen joggen wollen?

Babyjogger Marvin Running

Erfreut Herrchen eher mäßig: Nieselregen und kleine Mädchen, die laufen wollen.

Bild: Marvin Running

Seit Dominique Strauss-Kahn auf den Amerikanischen Jungferninseln war
(jetzt heißen sie Amerikanische Inseln) wissen wir: Urlaub ist schön.

Bislang jedenfalls war’s immer nett, selbst bei Regen. Dann gammelt man mit der Familie im Ferienhaus herum und tut nichts Anstrengendes. Aber nun schlägt das Schicksal selbst zu solcher Gelegenheit tief.

Es fängt ganz harmlos an: Bücher vorlesen, Muffins backen und den Topfhandschuh löschen, den Julian auf der heißen Herdplatte hat liegen lassen. Doch als der Regen in ein leises Sommernieseln übergeht, schaut die dreijährige Linea aus dem Küchenfenster und sagt: „Ich gehe jetzt joggen.“

So einen ähnlichen Gesichtsausdruck muss Pelle gehabt haben in Astrid Lindgrens „Pelle zieht aus“. Genau wie Herrchen, wenn er sich etwas in den Kopf setzt und es im Handumdrehen verwirklichen will. Entsetzlich, ich kriege Hirnanhangdrüsenkater, wenn ich nur daran denke.

Und dann geht sie raus. Zieht das an, was sie für Sportklamotten hält und joggt los. Die Auffahrt zum Ferienhäuschen ist 800 Meter lang. Autos hat sie hier keine zu befürchten: Wir haben das einzige Haus in dieser nordischen Abgeschiedenheit.

Nach knappen zehn Minuten ist sie wieder da. Sehr schön, denke ich, jetzt hat sie die Nase voll. Gut so. Aber warum fuchtelt sie dann so begeistert mit den Händen?

„Hey“, sagt Herrchen. „War’s schön?“

Linea ignoriert ihn aufgeregt: „Ich habe einen Hasen gesehen! Komm‘ mit, Papa!“

„Willst du weiter laufen?“

„`Türlich!“

Und da verstehe ich endlich den Begriff ‚Generationsproblem‘: Bei meinem Nachwuchs und mir wachsen völlig inkompatible Auffassungen von Spaß heran. Wie soll ich mich dem jemals entgegenstemmen können?

Diesmal kommen Lineas beide ältere Brüder auch mit. Mit Herrchen (und mir) laufen sie in einer Orgelpfeifengruppe nebeneinander in den Nieselregen, dem Hasen hinterher. Nur ihr jüngerer Bruder bleibt mit Kirsten zurück. Habe ich also noch eine Chance, wenigstens einem Kind die wahren Freuden des Lebens beizubringen? Nun, es könnte eine Rolle spielen, dass Levi erst acht Monate alt ist. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf.

Bekenntnisse eines Schweinehunds:

Zumba: Schüttel, was du hast

Marvin Running

Kinderüberraschung

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Ist es denn die Möglichkeit? Herrchens Kinder gehen zum Vergnügen... mehr