Baumanns Lauf der Woche

Wadenschonende Wanderung mit Kneippgang

Mit einer wadenschonenden Wanderung fängt der Lauf der Woche entspannt an. Doch dann nimmt Dieter Baumann es beim Kneippgang mit einem Profi-Kneipper auf.

Baumanns Lauf der Woche: Wadenschonende Wanderung mit Kneippgang

Kalt, kälter, Kneippgang. Dieter Baumann ließ sich dabei auf die Knie zwingen.

Bild: Albert Johann Thiess / pixelio.de

Lauf der Woche
Mittwoch, 5.12.2012
Ort: Tübingen
90 Minuten WW (wadenschonende Wanderung) anschließend ein Kneippgang


Ich melde mich vom Dauerlaufen und komme heute mit einer großartigen Erkenntnis: Vor dem Laufen kommt das Wandern. Spötter würden jetzt sagen: und vor dem Wandern kommt das Sofa – aber darauf möchte ich aufgrund unzähliger Kalorien gar nicht eingehen. Bleiben wir beim Wandern. Es ist schön. Keine Abdruckphase, kein Abfangen vom achtfachen Körpergewicht (oder ist es mehr?), die frische Luft, die Langsamkeit, das In-sich-Kehren. Gut, ganz freiwillig bin ich nicht zu den Wurzeln des Laufens zurückgekehrt. Meine Wade zwickt – und jetzt seien Sie doch ehrlich, das kennen Sie doch auch. Hier zwickt es, dort zwackt es und was bleibt, ist: Wandern.

Bewegung, Durchblutung – ohne zu überlasten, dafür musste ich in der vergangenen Woche sorgen. Durchblutung! Da fiel mir das alte Kneipbecken von St. Moritz wieder ein. Nach jedem Training waren wir damals zum Kneippbecken gepilgert. Ach, der gute alte Kneipp! Eiswasser! Kalte und warme Güsse, Fangopackungen. Ja, so soll es sein, für meine Wade, diese Woche.

Das Kneippbecken in St. Moritz gibt es schon lange nicht mehr. Im Grunde hielt ich es keine 30 Sekunden in dem Eiswasser aus. Aber mit der Zeit gewöhnte ich mich an das kalte Wasser. Trainingseffekt, auch auf diesem Gebiet! Meine Theorie ging so, dass nach einer Minute jedes Schmerzempfinden durch die Kälte unmöglich wurde. Aus diesem Grunde glaubte ich, zunächst die erste Minute überstehen zu müssen, ab dann war jede Zeit möglich. Diese beliebige Zeit habe ich nie wirklich ausgereizt – bis auf einmal …

… da kam eine Wandergruppe zum Kneippbecken. Also ältere Herrschaften so um die fünfzig, mit Hosen die knapp unterhalb den Knien aufhörten – ich meine, heute, fängt die Hose ja erst knapp unter dem Knie an – also, was ich sagen wollte, es waren alte Menschen, die sich anschickten zu kneippen. Die ersten gingen ins kalte Wasser und waren nach 30 Sekunden wieder draußen. Klar ging ich mit einem schelmischen Lächeln zeitgleich mit ihnen ins kalte Wasser und tat zunächst gelangweilt. Als alle mit schmerzverzerrtem Gesicht wieder draußen waren, blieb ich noch einige Sekunden und übte mich dann gelassen im theatralischen Abgang. Einer der Herren wagte einen zweiten Durchgang, ich hinterher.

Nach 30 Sekunden blieb er noch drin. Ich auch. Nach einer Minute – der Theorie zufolge sollte ab jetzt jedes Schmerzempfinden eingestellt sein – kniete sich der Mann nieder. Ja, mit Hose ging er auf die Knie. So harrte er aus und schaute mich herausfordernd an. Klar ging auch ich in die Knie. Ja, dieser alte Sack zwang mich auf die Knie. Er wollte es nicht anders. So harrten wir aus und sahen uns im eiskalten Wasser kniend in die Augen. Der Wettkampf war entbrannt, das Rennen eröffnet. Die vor Kälte entstandenen Schmerzen ließen mein Zeitgefühl etwas durcheinandergeraten. Ja, jede Theorie hält so lange, bis das Gegenteil bewiesen ist.

Nach gefühlten 10 Minuten (wahrscheinlich waren es zwei) zog der Wanderer sein Hemd aus und legte sich entspannt in das Kneippbecken, als ob er gerade in einer Badewanne läge. Seine Jungs draußen – was heißt Jungs, die alten Herren – johlten vor Vergnügen. Der gute alte Kneipp hätte an uns seine Freude gehabt, ganz sicher: ein jugendlicher Kerl und ein alter Mann, der eine kniend, der andere liegend im Kneippbecken.

Warum ausgerechnet ein chinesischer Bauer seine Schweine ins eiskalte Wasser springen lässt, auch noch von einem Sprungturm, um das Fleisch teurer zu verkaufen, muss ein Rätsel bleiben. Die armen Schweine kann ich nur sagen. Freiwillig macht man das doch nicht. Nur dann wenn die Wade zwickt. Ich armes Schwein.

Bild: Ulrich Metz

Dieter Baumann spielt Theater:
Brot und Spiele
, die nächsten Termine:
13.12.2012 - Stuttgart - Theaterhaus Stuttgart
11.01.2013 - Herrlingen - Theaterei Herrlingen
12.01.2013 - Rottenburg - Theater am Torbogen

Kabarett-Termine
Fr. 07.12.2012 - Tübingen - Vorstadtheater - Achtung: zum 2. Mal das Stück: 100 km laufen - man muss verrückt sein! Mit Martin Grüning und Dieter Baumann
Sa. 05.01.2013 - Metzingen - Five live Festival
Fr. 18.01.2012 - Pfullingen - Schloss Schule / 20:00 Uhr
Mi. 06.02.2013 - Frankfurt - in der KäS / 20:00 Uhr

www.dieterbaumann.de

Dieter Baumann: Lauf der Woche:

Baumann im Interview mit den Läuf...