Baumanns Lauf der Woche

Von Spiel- und Laufsüchtigen

Ein Taxifahrer erklärt unserem Kolumnisten die Laufwelt. Erst vergleich er Lauf- mit Spielsüchtigen, und dann hatte er die Idee, verlorene Laufminuten im Fundbüro zu suchen.

Dieter Baumann

Dieter Baumann erzählt von einer Begegnung mit einem Taxifahrer, der Lauf- mit Spielsüchtigen verglich.

Bild: Privat

Lauf der Woche
Montag, 24.03.2016
Laufspielsüchtiger Dauerlauf


Ich melde mich vom Dauerlaufen mitten aus Berlin, Taxi fahrend. Nein, bitte keine Aufregung, selbstverständlich bin ich gelaufen, später. Aber die Taxifahrt, ein echter Leckerbissen mit einem echten Berliner Taxifahrer. Es war schon im letzten Jahr, wenige Wochen nach dem Berlin Marathon. Kaum war ich eingestiegen, erklärte er mir meine Laufwelt:

Taxi-Fahrer: „Hey, Sie kenne ich doch! Sie sind doch der Marathonläufer?“
Dieter Baumann: „5000 Meter“
Taxi-Fahrer: „Egal, Sie gehören auch zu den Verrückten, die immer einer Zeit hinterherlaufen.“
Dieter Baumann: „Mach ich schon lange nicht mehr.“
Taxi-Fahrer: „Das erzählen sie alle. Erleb ich jedes Jahr.“
Dieter Baumann „Bei mir ist das anders“.
Taxi-Fahrer: „Wissen sie, wie verschwitzt die Läufer nach dem Marathon sind? Da hocken die dann fix und fertig in meinem Taxi und hinterlassen Flecken und Gestank.“
Dieter Baumann: „Ist doch schön, mal an die Grenze gehen.“
Taxi-Fahrer: „Grenze? Hören sie auf. Die weinen und jammern immerzu. Über verpasste Bestzeiten, die verlorenen Minuten.
Dieter Baumann: „Aber doch nicht alle!“
Taxi-Fahrer: „Alle sag ich ihnen. Alle! Süchtige sind die, nach Zeiten, nach Anerkennung, nach dem Kick. Laufsucht, Spielsucht, alles Verrückte.“

Er machte eine Pause, lachte und sagte dann: „Ich sag immer, geh doch ins Fundbüro, vielleicht findet ihr da eure Minuten. Hat bestimmt ein Kollege von euch dort abgegeben.“

Minuten auf dem Fundbüro abgeben. So ein Blödsinn! Als kleiner Bub hab ich einmal bei einer Radtour eine Geldbörse mit 100 Mark gefunden. Das war für mich richtig viel Geld. Damit bin ich nicht nach Hause geradelt, sondern zum Fundbüro ins Rathaus. Dort lobte mich der Beamte und meinte, wenn sich der Besitzer melden würde, bekäme ich sicherlich einen Finderlohn. Die Geldbörse wurde abgeholt, Finderlohn bekam ich nie.

Jahre später habe ich einmal meine Geldbörse im Zug vergessen. Im Speisewagen. Mit 250 Euro. Ich dachte, jeder gibt gefundene Sachen beim Fundbüro ab. So rief ich bei der Deutsche Bahn an und tatsächlich, dort tauchte meine Geldbörse wieder auf. Ich war erleichtert. Die Geldbörse war da, leider war sie leer. Es fehlten meine Bankkarten und der Pass und auch die 250 Euro waren weg. Ich war sauer und nahm mir vor, nie mehr auch nur irgendetwas auf dem Fundbüro abzugeben.

Auf die Idee, nach verlorenen Minuten beim Fundbüro nachzufragen, wäre ich nie gekommen. Für eine solche Idee musste ich nach Berlin fliegen. Im ersten Flieger war ich angekommen, gegen 7 Uhr saß ich bei meinem lauferklärenden Taxifahrer im Taxi. Fahren. Kurz vor dem Aussteigen sagte er noch, dass er jetzt Feierabend habe. Ich wäre sein letzter Gast. „Die ganze Nacht war ich unterwegs und Sie glauben ja gar nicht, welche Verrückten man da fährt. „Oh ja, Sie sagten es bereits. Lauf- und Spielsüchtige.“ Beim Aussteigen fiel mir eine Plastiktüte im Bodenbereich auf. Jemand musste sie wohl vergessen haben. Ich nahm sie mit.

Bild: privat

Dieter Baumann, die Götter und Olympia – Termine 2016

• 15. April 2016 Böblingen / KSK Böblingen / 20:00 Uhr
• 22. April 2016 Tennenbronn / 20:00 Uhr
• 23. April 2016 Freiburg / Kabarett im Urbansaal / 20:00 Uhr
• 27. April 2016 Landstuhl / Stadthalle / 19:00 Uhr
• 13. Mai 2016 Rüsselsheim /Theater Rüsselsheim, Studiobühne / 20:00 Uhr
• 25. Mai 2016 Herborn /Hessentag Herborn / 20:00 Uhr

Dieter Baumann: Lauf der Woche:

Laufen ohne Anstrengung – Chirunning