Haile Gebrselassie

Von der Straße zur Kaffee-Plantage

Laufstar Haile Gebrselassie plant die Zeit nach seiner Laufkarriere. Seine Kaffee-Plantage soll für ihn bald auf gleicher Ebene stehen wie der Laufsport.

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Haile Gebrselassie spricht über seine Zukunft.

Bild: www.photorun.net

Die Zukunft liegt für Haile Gebrselassie nicht mehr unbedingt auf der Straße, sondern auf den Plantagen im Südwesten Äthiopiens: Dort hat der vielleicht beste Läufer aller Zeiten damit begonnen Kaffee anzubauen. Noch aber rennt der äthiopische Superstar, der in seiner einmaligen Karriere zweimal 10.000-m-Olympiasieger wurde sowie 20 offizielle und sieben inoffizielle Weltrekorde aufstellte. Und inzwischen jagt er sogar wieder erfolgreich Bestzeiten. Es sind nicht mehr die ganz großen Weltrekorde, die er bricht, sondern die Master-Bestmarken der Altersklasse ab 40 Jahre.

Auch mit 40 Jahren ist Haile Gebrselassie dabei immer noch so gut in Form, dass er bei international hochklassigen Rennen vorne mitmischen kann. In Manchester wurde er vor kurzem bei einem 10-km-Straßenrennen Dritter, in Bern hatte er zuvor einen 10-Meilen-Lauf gewonnen. Mit seinen Zeiten von 28:00 und 47:00 Minuten unterbot er die bisherigen Weltrekorde der Master-Klasse dabei deutlich.

„Das Laufen ist für mich immer noch die Nummer eins. Aber natürlich habe ich als Arbeitgeber auch eine große Verantwortung für viele Menschen. Vor einem Jahr hatte ich noch 600 Angestellte, jetzt sind es durch den Kaffee-Anbau schon eintausend. Also eigentlich haben für mich beide Bereiche den gleichen Stellenwert“, erzählt Haile Gebrselassie, der merkt, dass ihm inzwischen die Schnelligkeit fehlt, wenn es in einem engen Rennen wie in Manchester auf dem letzten Kilometer um den Sieg geht. „Ich trainiere so wie früher. Aber das Problem ist das Schnelligkeitstraining. Das ist nicht so leicht, denn ich habe nicht mehr genug Spritzigkeit.“

„Ich absolviere nach wie vor lange Trainingseinheiten und Schnelligkeitstraining. Allerdings renne ich inzwischen nicht mehr so viel auf der Straße sondern stattdessen oft auf dem Laufband im Fitnessstudio.“ Das spart vor allem Zeit für den in Addis Abeba lebenden Läufer, der parallel zum Sport sein Unternehmen leitet.

Obwohl er im Rahmen des Vienna City Marathons, bei dem er im April den parallel veranstalteten Halbmarathon zum dritten Mal in Folge gewann, erklärte, er wolle die Weltrekorde der Altersklassen 40, 45 und 50 brechen, hatte man in Manchester sechs Wochen später das Gefühl als ob Haile Gebrselassie vielleicht doch nicht mehr so lange bei den großen Rennen an den Start gehen wird. Er wolle möglichst beim Berlin-Marathon den Master-Weltrekord brechen (2:08:46, gelaufen vom Mexikaner Andres Espinosa in Berlin 2003), hatte der Äthiopier in Wien erklärt. In Manchester hörte sich das schon etwas anders an: „Ich weiß noch nicht, wo ich in diesem Jahr noch an den Start gehen werde. Der Berlin-Marathon ist eine Möglichkeit, aber vielleicht laufe ich im September auch den Great North Run (Halbmarathon in Newcastle, Anm.d.Red.). Für das nächste Jahr habe ich noch keine Pläne.“

Was in drei Jahren ist, das weiß Haile Gebrselassie bezüglich seines Unternehmens: „In drei Jahren werden wir soweit sein, dass wir Kaffee exportieren können – Haile-Kaffee. Ich verspreche: es wird der qualitativ beste Kaffee, biologischer Weltklasse-Kaffee! Wir müssen in Äthiopien insgesamt viel mehr exportieren, auch Kaffee.“

Und wer wird dann der nächste äthiopische Superstar? Hier ist sich Haile Gebrselassie nicht so sicher: „Es gibt so viele starke äthiopische Läufer, ich kenne nicht einmal alle ihre Namen. Ich kann deswegen auch nicht sagen, wer der nächste ganz große Läufer nach mir und Kenenisa Bekele sein wird. Der Junioren-Weltmeister im Crosslauf, Hagos Gebrhiwet, ist sehr stark, aber auch Imane Merga schätze ich hoch ein. Aber die Konkurrenz ist einfach enorm stark, das ist nicht so leicht in der heutigen Zeit.“