Toms Top Ten

Vollmond-Läufer: Phasen der Mutation

Im Mondschein nachts und ohne Taschenlampe durch den Wald zu laufen, ist ein besonderes Erlebnis. Wer es zum ersten Mal probiert, durchläuft zehn Phasen.

Vollmondläufer: Phasen der Mutation

Die Mondnacht - ein Sonnenaufgang der Sinne.

Bild: Tom

10. Bei zaghafter Ankündigung des Vorhabens erfährt man von Partnern eher verhaltenen Zuspruch („Wenn deine Lebensversicherung das abdeckt…“).

9. Die Unsicherheit über den Sinn des Vorhabens steigt. Vielleicht hilft doch eine Taschenlampe gegen das mulmige Gesamtgefühl? Verschämt packt man sie ein.

8. Man läuft los. Erst auf der Straße. Dann kommt diese Abzweigung in den Wald. Wo ist der Weg? Selbst im Mondschein lauert hier nur Dunkel. Wer jetzt stehen bleibt, kehrt wieder um und denkt: „Was für eine bescheuerte Idee!“

7. Wer weiterläuft, läuft automatisch langsamer. Windgeräusche um die Ohren lassen nach, umso mehr fallen andere Geräusche aus dem Wald auf. Eine sehr archaische Form von Angst sagt uns: Als Mensch ist man für das hier nicht gemacht. Man möchte die Taschenlampe anschalten.

6. Wer die Taschenlampe ausgeschaltet ließ, dessen Augen starren aufgerissen in die Nacht. Ein stummes Flehen nach Erleuchtung.

5. Wie ein Schmetterling aus seinem Kokon entfaltet sich die Wahrnehmung. Fahle Schatten, silbriges Licht – wir erleben eine Art Sonnenaufgang der Sinne, bis wir tatsächlich denken, es wäre taghell. In die Geräusche der Natur mischt sich der Hauch des eigenen Atems.

4. Wir stehen nicht, wir schleichen nicht, wir laufen durch die Nacht. Und das verschafft uns das Gefühl, etwas zu beherrschen. Und wenn es nur die eigene Angst ist.

3. Wir schrecken ein Reh auf. Oder einen Vogel. Irgendein uralter Instinkt in uns bricht durch. Das hier ist mehr als Spaß, es ist Abenteuer. Was genau mit uns passiert, ist schwer zu fassen. Aber es fühlt sich gut an.

2. Angst spielt in unserem Gefühlscocktail nur noch eine garnierende Rolle. Etwas beschwipst sind wir sicher: Als Mensch ist man genau für das hier gemacht. Wir sehen uns nicht mehr als Beute, sondern als Evolutions-Ikone.

1. Hinterher, zuhause, haben uns Deckenlicht, Flatscreen und WLAN wieder. Nach dem Duschen zieht es uns noch einmal hinaus auf die Terrasse oder den Balkon. Man schaut in den Himmel. Blinzelt in den Mond und weiß, dass man es wieder tun wird.

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