Herausragende Marathonläufer

Volle Konzentration auf Olympia

In unserer lockeren Serie "Herausragende Marathonläufer" stellen wir heute Liliya Shobukhova aus Russland vor.

Liliya Shobukhova

Liliya Shobukhova gewann dreimal in Folge den Chicago-Marathon.

Bild: photorun.net

Sie war in den vergangenen beiden Jahren die stärkste Marathonläuferin der Welt. Und spätestens seit ihrem Sieg beim Chicago-Marathon im vergangenen Oktober muss man Liliya Shobukhova neben der Kenianerin Mary Keitany als die ganz große Favoritin auf die olympische Marathon-Goldmedaille einordnen. Bei ihrem dritten Chicago-Sieg in Folge stellte die 33-jährige Russin unter Beweis, dass sie nicht nur große Rennen gewinnen sondern auch deutlich unter der 2:20-Stunden-Barriere laufen kann. Mit 2:18:20 Stunden wurde sie in Chicago zur zweitschnellsten Läuferin aller Zeiten hinter Paula Radcliffe (Großbritannien/2:15:25) und erzielte die viertbeste je gelaufene Zeit. Zum zweiten Mal in Folge gewann sie eine World Marathon Majors-Serie und die damit verbundene Prämie von einer halben Million US-Dollar. Das Geld nutzt sie, um in ihrer Heimat ein Hotel mit Sportkomplex zu bauen und ihrer Familie zu helfen.

Liliya Shobukhova, die aus dem russischen Beloretsk – die Stadt liegt in der Region Bashkortostan im Ural – stammt und früher unter ihrem Mädchennamen Volkova bekannt war, ist ein Beispiel dafür, dass Langstreckenläuferinnen nach der Geburt eines Kindes stärker sein können als zuvor. Ihre größten Erfolge erreichte Liliya Shobukhova in der Zeit nach der Geburt ihrer Tochter Anna im Jahr 2003. Zunächst allerdings machte sie als Bahn-Langstrecklerin von sich reden.

2006 rannte Liliya Shobukhova bei den russischen Hallenmeisterschaften überraschend zu einem Weltrekord: Über 3.000 m steigerte sie die Marke auf 8:27,86 Minuten. Diese Zeit wird heute noch als Hallen-Europarekord geführt. Als Favoritin bei der Hallen-WM am Start, belegte sie dann Rang zwei. Im gleichen Jahr wurde sie Europameisterschafts-Zweite über 5.000 m. Und auch über diese Distanz hält sie noch den aktuellen Europarekord mit 14:23,75 (2008 in Kazan bei den nationalen Meisterschaften). Bemerkenswert ist auch ihre 1500-m-Bestzeit von 4:03,78 Minuten.

Für den Marathon brachte Liliya Shobukhova damit eine hervorragende Grundschnelligkeit mit. Doch erst nach dem Jahr 2008 erlaubten ihr die Funktionäre des russischen Leichtathletik-Verbandes, ihren Schwerpunkt auf den Straßen- und nicht mehr den Bahnlauf zu verlegen. Im Halbmarathon hatte sie zuvor zweimal ihr Vermögen angedeutet: 2007 gewann sie den Prag-Halbmarathon in 71:14 Minuten, ein Jahr später siegte sie auch in Philadelphia (USA) und steigerte sich dabei auf 70:21. „Nachdem ich jahrelang für den Verband bei Meisterschaften über die Bahn-Langstrecken gelaufen war, sagten die Funktionäre mir: Jetzt kannst du für dich selbst laufen und bei den Straßenrennen Geld verdienen, um deine Familie zu ernähren“, erzählte Liliya Shobukhova in einem Interview vor dem Chicago-Marathon mit einem US-amerikanischen Laufsport-Magazin (Runner’s World). „Obwohl ich immer gerne auch die kürzeren Distanzen gelaufen bin, wollte ich schon immer mal einen Marathon ausprobieren. Ein Marathon ist lang und es kann sehr viel passieren. Du weißt nie, wer am Ende vorne ist“, sagte die Chicago-Seriensiegerin, die sich ihre Rennen in der Regel so einteilt, dass sie in der zweiten Hälfte zulegen kann. „Auch wenn es schwer fällt, versuche ich, im zweiten Teil die Kilometerabschnitte zwei bis drei Sekunden schneller zu laufen als zuvor.“

Als Liliya Shobukhova in London 2009 ihr Debüt lief, ging sie es vorsichtig an und hielt sich lange Zeit zurück. Am Ende holte sie mächtig auf, doch es reichte nur noch zu Platz drei in 2:24:24 Stunden – die Siegerin hieß Irina Mikitenko. Schon damals rechnete die Deutsche damit, dass sich Shobukhova zur stärksten Gegnerin entwickeln würde. Und Irina Mikitenko hatte recht. Im Herbst 2009 sah es in Chicago schon anders aus: Shobukhova siegte vor der Deutschen. Anschließend war sie 2010 auch in London und Chicago vorne.

Zum ersten Mal seit zwei Jahren musste sich Liliya Shobukhova dann im Frühjahr 2011 über die klassische Distanz wieder geschlagen geben: In London war Mary Keitany vor der Russin im Ziel. So wie es jetzt aussieht, wird die Kenianerin für sie die schärfste Konkurrentin sein bei Olympia 2012.

Für die Olympischen Spiele in London setzt die Russin alles auf eine Karte. Sie wird keinen Frühjahrsmarathon mehr laufen und sich voll auf das olympische Rennen konzentrieren.

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