Waldemar Cierpinski im Interview

Vater und Sohn Cierpinski

Seinen letzten Marathon lief Waldemar Cierpinski 1997 in Berlin.

Interview Cierpinski

Falk Cierpinski wird von seinem Vater trainiert und unterstützt.

Bild: Urs Weber

Wie werden Sie Ihren Geburtstag verbringen – laufend, arbeitend oder ihren Sohn trainierend?
Waldemar Cierpinski:
Also an diesem Tag werde ich nicht laufen und auch kein Training von Falk begleiten. Ich werde sicherlich im Sporthaus sein und dort mit meinen Mitarbeitern anstoßen. Abends werden wir in der Familie etwas feiern. Eine größere Party ist für den darauf folgenden Sonnabend geplant, denn dann feiern wir einen 120-Jahre-Geburtstag, da meine Frau auch vor kurzem 60 wurde. Da sind wir schnell bei 100 Gästen.

Sie sind immer noch sehr fit – welche Sportarten betreiben Sie und wie häufig?
Waldemar Cierpinski:
Zweimal in der Woche spiele ich Fußball in der Altherren-Mannschaft des SSV 67 Halle. Meine Position ist natürlich eine, auf der man viel laufen muss: ich spiele im Mittelfeld. Wir haben übrigens schon früher regelmäßig Fußball gespielt, denn das ist für einen Marathonläufer eine sehr sinnvolle Trainingsergänzung. Einmal pro Woche bin ich beim Lauftreff und am Wochenende laufe ich auch einmal, manchmal auch bei einem Volkslauf. Im April habe ich beim Kyffhäuser Berglauf sogar meine Alterklasse gewonnen.

Ist Marathon noch ein Thema? Wann sind Sie ihren letzten gelaufen?
Waldemar Cierpinski:
Für einen Marathon habe ich nicht genügend Grundlage – den erlebe ich zurzeit nur auf dem Fahrrad, wenn ich Falk begleite. Ich hatte eine Vision, dass ich nach meinem 60. Geburtstag einen Marathon in zwei Stunden, 60 Minuten laufe – das hört sich doch viel besser an als drei Stunden! –, aber dieses Projekt musste ich aufgeben. Wenn ich Marathon laufe, dann will ich dabei auch Spaß haben. So werde ich nun am 6. September im Rahmen des Mitteldeutschen Marathons einen Halbmarathon laufen. Meinen letzten Marathon bin ich 1997 in Berlin zusammen mit Willi Lemke gelaufen – wir waren nach 3:41 Stunden im Ziel.

Zwei Tage vor Ihrem 60. Geburtstag wird Ihr zweiter Marathon-Olympiasieg genau 30 Jahre her sein – feiern Sie auch am 1. August?
Waldemar Cierpinski:
Ich hoffe, dass ich an diesem Tag etwas anderes feiern kann: solide Rennen unserer deutschen Läufer in Barcelona! Denn am 1. August findet auch der EM-Marathon statt.

Olympiasieger im Marathon zu werden, ist ein einzigartiger Erfolg – das zweimal zu schaffen, muss für einen Läufer das Non-Plus-Ultra sein. Wie sehen Sie das und wie bewerten Sie diese beiden Siege heute?
Waldemar Cierpinski:
Sicherlich ist ein Olympiasieg etwas ganz Besonderes. Wenn man einen Weltrekord bricht, ist das auch ein großer Moment, ebenso wie ein Sieg bei einer Weltmeisterschaft. Aber ein Olympiagold ist bleibender und nachhaltiger, was auch damit zusammen hängt, dass es Olympische Spiele nur alle vier Jahre gibt. Ich kann mich noch gut erinnern, dass ich 1960 in unserem Dorf dorthin gegangen bin, wo der einzige Schwarz-Weiß-Fernseher stand. Damals liefen die Olympischen Spiele in Rom und ich sah wie der barfuß laufende Abebe Bikila Gold gewann. Da war mir zum ersten Mal klar: das will ich auch schaffen. Dass ich dann später mit dem Mann gleichzog, der mir den ersten entscheidenden Anstoß gegeben hat, und auch zweimal Olympiasieger wurde, das waren besondere Glücksmomente.

Sie haben auch beruflich Erfolg und hier gibt es ein weiteres Jubiläum: Vor 20 Jahren, also unmittelbar nach der Wende, eröffneten Sie in Halle Ihr erstes Sportgeschäft. Wie kam es damals dazu?
Waldemar Cierpinski:
Ich war zurzeit der Wende einer von vier Lauftrainern in Halle und wusste, dass es zukünftig nur Platz für einen geben würde. Also habe ich nach Alternativen geschaut. Ich wollte im Sport bleiben und entschied mich, einen Laufsportladen zu eröffnen. Ich hatte damals aber kein Eigenkapital, denn die Prämien für meine Olympiasiege hatten wir zunächst in einen Trabi sowie eine Garage und nach 1980 in eine Wohnungseinrichtung investiert. So begann ich dann mit einem 60-Quadratmeter-Geschäft und verkaufte Asics-Schuhe.

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