Baumanns Lauf der Woche

Unerwähnte Dauerläufer beim Berlin-Marathon

Dieter Baumann kommentierte für die ARD den Berlin-Marathon. Die Topsportler, die er dabei nicht erwähnt hat, nennt er jetzt bei runnersworld.de.

Tübinger Stadtlauf 2015 - Die Bilder
Dieter Baumann beim Berlin-Marathon 2015

Dieter Baumann im Berichterstattungs-Container der ARD.

Bild: Privat

Lauf der Woche
Sonntag 27.09.2015
Berlin
Unerwähnte Dauerläufer


Ich melde mich vom Dauerlauf aus der Bundeshauptstadt Berlin. Direkt vom Streckenrand des Berlin-Marathon. Dort saß ich, erste Reihe, bei der ARD. Kleiner Container kurz vor dem Zielstrich. Zwischen Tribünen, Zuschauern und Absperrgittern.

Ich sah nichts, nur das, was auf dem Fernsehbild zu sehen war, und den Chefmediziner des Berlin Marathons. Er stand direkt vor unserem Container und nahm die ankommenden Läuferinnen und Läufer in Augenschein. Bei wenigen zu erschöpften Teilnehmern hakte er sich kurzerhand unter und eskortierte sie bis ins Ziel. Bis hinter die Ziellinie. Ja, halb tot oder halb lebendig, je nach Blickwinkel, aber: gefinisht! Ja liebe Freunde der Laufkunst, geht es nicht darum? Gefinisht!

Und dann diese Aufregung in der Läuferszene nach meinem Widerspruch. Ralf Scholt, der ARD-Kommentator und Hobbytriathlet, behauptet, dass es für Freizeitläufer die gleiche Enttäuschung wäre, wenn sie ihre Zielzeit um 10 Minuten verpassten, als wenn Anna Hahner statt 2:26 (Olympianorm!) nur eine 2:30 (keine Olympianorm!) laufen würde. Nein, das ist nicht dasselbe! Sage ich auch heute und bleibe dabei.

Warum laufen Sie? Warum haben Sie sich auf den Weg gemacht, ein „bewegtes“ Leben zu führen. Warum tut Ihnen laufen gut? Ach, weil sie 3:30 Stunden über Marathon laufen wollen? Gut. Was machen Sie, wenn sie 3:30 Stunden geschafft haben? 3:15 Stunden laufen wollen? Wo und wann hört das auf? Und wenn Sie an der Grenze sind – und ja, diese Grenze kommt schneller als sie laufen können -, was ist der nächste (Lauf-)Schritt? Soll ich ihnen sagen, was ich denke?

Wir Freizeitläufer sind mit dem Privileg gesegnet, dass es uns vollkommen Wurst sein kann, wann wir ins Ziel kommen. Lassen Sie sich dieses Privileg nicht von einem Hobbytriathleten nehmen. Soweit dazu.

Die knappe Zieleinfahrt der Handbiker beim Berlin-Marathon.

Bild: Jörn Kreinberg

Nun zum Marathon: Ich habe vieles übersehen, weil es nicht „im Bild“ war oder weil ich es schlicht und einfach übersehen habe. Damit blieben die Menschen unerwähnt. Vergessen zu sagen habe ich, dass neben dem italienischen Superstar Alessandro Zanardi noch andere Handbiker am Start waren. Einige von ihnen trainieren 2 x täglich, sie gehen in Trainingslager und erreichen auf Ihrer Fahrt durch die Hauptstadt Geschwindigkeiten von mehr als 50 km/h und bewegen dabei mehr als 200 Watt. Mit den Armen! Sie fahren in verrückte Kisten und sie sind für mich im Umgang mit Ihrem Schicksal absolute Vorbilder. Das hat nichts mit Betroffenheitsjournalismus zu tun, sondern ist dem Fakt geschuldet, dass es sich der Einzelne nicht aussuchen kann, ob er Vorbild sein will. Er ist es oder nicht.

Männer: 1. Vico Merklein 1:02:32, 2. Jetze Plat 1:02:32, 3. Torsten Purschke 1:02:37.
Frauen: 1. Christiane Reppe 1:10:12, 2. Francesca Porcellato 1:16:54, 3. Sandra Stöckli 1:20:41 Stunden. Den ausführlichen Bericht vom Rennen der Handbiker gibt es hier.

Vergessen habe ich Ybekal Daniel Berwe. Er kam als Flüchtling nach Kassel. Unter Winfried Aufenanger, dem ehemaligen Marathonbundestrainer, wurde er zum Läufer. Ja, ich habe ihn nicht gesehen. Er war bis km 25 in der Gruppe rund um Philipp Pflieger und Julian Flügel und lief großartige 2:16:45 Stunden. Ybekal Daniel Berwe!

Christian Kreienbühl habe ich übersehen. Der Schweizer lief 2:13:57, war zeitgleich mit Flügel im Ziel. Er blieb unter der Olympia-Norm der Schweiz (2:14:00) und ist damit in Rio dabei. Christian Kreienbühl!

Fate Tola habe ich übersehen. Sie feierte nach einer Babypause ein tolles Comeback in 2:28:24 Stunden. Trainiert wird die Dame aus Äthiopien von Irina Mikitenko und vielleicht ist sie bald schon Deutsche. Fate Tola!

Dieter Baumann, die Götter und Olympia

Bild: privat

Dieter Baumann, die Götter und Olympia - Termine 2015
• 10. Oktober 2015 Manderscheid / Kurhaus, 20:00 Uhr
• 14. Oktober 2015 Freudenstadt / Kienbergsaal, 20:00 Uhr
• 16. Oktober 2015 Friedrichshafen / Caserne, 20:00 Uhr
• 17. Oktober 2015 Ebersbach-Musbach / Pfarrscheuer, 20:00 Uhr
• 23. Oktober 2015 Bad Soden / Kult, 20:00 Uhr
• 30. Oktober 2015 Nagold / Seminarsporthalle, 20:00 Uhr
• 7. November 2015 Böbingen / SGV-Halle, 20:00 Uhr
• 14. November 2015 Hösbach / Kultur und Sportpark, 19:00 Uhr
• 15. November 2015 Frankfurt / Käs, 20:00 Uhr
• 29. Dezember 2015 Bietigheim-Bissingen / Kleinkunstkeller, 20:00 Uhr

Dieter Baumann: Lauf der Woche:

"Immer volle Kischde"