Baumanns Lauf der Woche

Trügerischer Sonntag

Um sich nicht länger als nötig vom Dauerlauf erholen zu müssen, sollte man öfters auf seinen Körper hören. Dieter Baumann über Gliederschmerzen inmitten der Marathonvorbereitung.

Baumann - fröstelnder Lauf

Manchmal funktioniert der Körper nicht so, wie wir es gerne hätten. Diese Signale sollte man nicht ignorieren.

Bild: Privat

Lauf der Woche
Sonntag, 17.02.2013
Ort: Märchensee
Eiskalt fröstelnder langer Lauf


Ich melde mich vom Dauerlauf inmitten meiner Marathonvorbereitung. Dauerlauf, die Königseinheit einer Marathonvorbereitung. Vorbei sind Tempospritzen, Fahrtspiele und Steigerungsläufe. Dauerlaufen, egal ob kurz, lang, langsam, medium, schnell gesteigert, oder dazwischen alles im Wechsel, ganz egal, Hauptsache Dauerlauf.

Sonntag war ein ganz ungewöhnlicher Tag. Ich hatte lange geschlafen. Das kommt so gut wie nie vor, weil ja am Sonntag um 10:00 Uhr immer „Long-Jog“ ist. Diesmal nicht. Ich fühlte mich müde, schlapp, erschöpft. Ich blieb im Bett liegen, verpasste meine Trainingszeit und sah im Geiste den Tag unverrichteter Dinge an mir vorbeiziehen. Dementsprechend war meine Stimmung. Am frühen Nachmittag stand ich auf, schleppte mich durch den Tag, blickte immer wieder auf die Uhr, wohl wissend, dass um 17 Uhr die letzte Möglichkeit war, raus zu gehen, wollte ich nicht in der Dunkelheit zum Laufen gehen.

17:05 Uhr – ich brach auf. Nur eine Stunde locker durch den Wald, den Kopf „frei pusten“, das war mein erklärtes Ziel. Ein Versuch, den verschlafenen Sonntag doch noch zu retten. Und ja, schon nach fünf Minuten wusste ich – wie tausend Male davor, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Verflogen war die Müdigkeit, die eiskalte Luft ließ mich zwar noch ein wenig schlottern, aber die Luft, das Einsaugen dieser frischen Luft – ja, unser Körper zeigt uns auf wunderbare Weise, was er braucht. Laufen, einfach herrlich.

Meine Wurmlinger Kappellenrunde war wegen Schnee und Matsch kaum belaufbar und trotzdem stakste ich durch den Schneematsch. Je länger ich lief, umso mehr wuchs mein Stolz, mich erstens doch noch in Bewegung gesetzt zu haben und zweitens durch diese winterlichen Gefilde zu schlagen. In Gedanken ging ich die kommenden Wochen durch. Im März und April jeweils drei lange Läufe von 2:30 – 3:00 Stunden. Ich strukturierte die Wochen, damit die Läufe passten, wog ab, ob noch ein Halbmarathon Sinn macht, überlegte, welches Tempoprogramm passte, kurzum, alles war gut. Natürlich lief ich länger als eine Stunde. Hallo? Wenn wir erst mal „im Rollen“ sind. Ich lief zum Märchensee (den gibt es wirklich!) und von dort auf dem Fahrradweg von Unterjesingen nach Tübingen.

Es war schon dunkel geworden, aber egal, weiter, der Untergrund war schnee- und eisfrei, ich machte ein wenig „Druck“, weiter, immer weiter. Ein leichter kalter Schauer lief mir über den Rücken, beim Gedanken an den Marathon in Hannover. Die letzten sieben Kilometer des 25-Kilometer-Laufes lief ich im 4:20-er Schnitt. Alles im Lot. Allerdings entwickelte sich auf diesen letzten sieben Kilometer ein loses Ziehen, ein undefinierbarer Schmerz, rund um den Beckenbereich. Es zog am Oberschenkel, an der Arschbacke, wuchs sich bei einem anscheinend ungeschickten Schritt bis zum Rücken aus. Unerklärbar im ersten Moment, aber je länger ich lief und nachdachte, war mir klar geworden, dass ich die langen Läufe nicht mehr gewohnt war. Zumal die letzten sieben Kilometer auf der Straße waren. Harter Untergrund, das ist etwas ganz anderes als Schnee und Matsch, dachte ich. Das eiskalte Frösteln, das mir nun ständig über den Rücken rollte, führte ich darauf zurück, dass dies nur die Vorfreude auf den Marathon sein müsste. So wird es sich anfühlen in Hannover. Kurzum kann ich sagen, es wurde noch ein durchaus hingebogener Sonntag, nach anfänglich müdem Beginn.

Von Sonntag auf Montag hatte ich eine schlechte Nacht. Das Ziehen in der Arschbacke wuchs sich auf den ganzen Körper aus. Im Volksmund nennt man es auch Gliederschmerzen. Die Grippe hat mich seither im Griff. Wäre ich am Sonntag doch gleich im Bett geblieben; manchmal wäre es doch ratsam, besser auf seinen Körper zu hören.

Dieter Baumann – Brot und Spiele

Bild: Ulrich Metz

Laufen Sie mit Dieter Baumann bei den KKH-Läufen 2013:
Sa. 13.04. – Mönchengladbach
Sa. 20.04. – Berlin
Sa. 27.04. – Chemnitz
So. 28.04. – Leipzig
Sa. 11.05. – Stuttgart
So. 12.05. – München
So. 26.05. – Kassel
So. 02.06. – Köln
Sa. 08.06. – Schwerin
So. 09.06. – Hamburg
So. 16.06. – Regensburg
So. 23.06. – Hannover

www.dieterbaumann.de

Dieter Baumann: Lauf der Woche:

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