Lauflabor

Top-Marathonläufer werden immer kleiner

In den letzten zwei Jahrzehnten sind die Top-Marathonläufer nicht nur immer schneller, sondern auch kleiner und leichter geworden.

Lauflabor Top-Marathonläufer werden immer kleiner Highlight

Die Top-Marathonläufer (hier beim New York-Marathon 2013) sind in den letzten beiden Jahrzehnten immer kleiner und leichter geworden.

Bild: Norbert Wilhelmi

Es ist kein Geheimnis, dass beim Marathon die Zeiten – anders als in den meisten anderen Leichtathletik-Diziplinen – im Laufe der letzten zehn Jahre immer schneller geworden sind. Unter den 20 schnellsten Marathonläufern aller Zeiten ist Haile Gebrselassies Zeit von 2008 die älteste auf der Liste! Es gibt viele Diskussionen darüber, warum das so ist. Der jüngste Beitrag zu diesem Thema ist eine Studie von französischen Sportwissenschaftlern, die gerade im Journal of Sports Sciences veröffentlicht wurde und eine ganze Reihe von demografischen und morphologischen Faktoren untersucht sowie Umwelteinflüsse berücksichtigt.

Die Untersuchung basiert auf Daten der Top-100-Marathonläufer aus jedem Jahr seit 1990 (bei den Männern) und 1996 (bei den Frauen). Es gibt einige vorhersehbare Trends, wie die stetige Zunahme der Überlegenheit von afrikanischen Läufern oder die Schlüsselrolle der guten Wetterbedingungen in der Zeit der Frühlings- und Herbst-Marathonläufe. Die interessantesten Untersuchungsparameter sind meiner Meinung nach die Daten über Größe und Gewicht der Läufer. Diese Informationen sollen von der IAAF-Website stammen – wenn das stimmt, bin ich mir nicht sicher, wo sie diese gefunden haben wollen. Ehrlich gesagt würde es mich nicht wundern, wenn es einige Ungenauigkeiten in den Daten gäbe (wurden zum Beispiel die Gewichtsdaten in demselben Monat oder demselben Jahr gesammelt, in dem der Marathon gelaufen wurde?). Und doch, auch wenn der Datensatz Fehler aufweisen könnte, bietet er trotzdem die Chance, allgemeine Tendenzen zu erkennen. Und diese Trends sind ziemlich offensichtlich.

Die Graphik zeigt die Gewichtsentwicklung (Durchschnitt plus oder minus die Standardabweichung) der 100 Topläufer über die letzten beiden Jahrzehnte.

Bild: runnersworld.com

Auf der Graphik, welche die Gewichtsentwicklung (Durchschnitt plus oder minus die Standardabweichung) der 100 Topläufer über die letzten beiden Jahrzehnte zeigt, ist eine deutliche Gewichtsabnahme zu erkennen. Im Jahr 1990 hat der durchschnittliche Top-100-Läufer noch 59,6 kg gewogen; 2011 wog er nur noch 56,2 kg. Außerdem sind die Marathonläufer über die Jahre kleiner geworden und von 1,73 Meter auf 1,70 Meter geschrumpft. Die Gewichtsabnahme wird durch die Abnahme an Größe nicht völlig erklärt, zumal sich auch der BMI von 19,83 auf 19,42 vermindert hat. Dabei ist wichtig zu bemerken, dass es eine breite Palette von BMI-Werten gab, die angeblich von 15,78 (ein Wert, der mich an der Datengenauigkeit zweifeln lässt) bis 23,05 reichten.

Das neue Buch von David Epstein, „The Sports Gene“, widmet ein großes Kapitel der zunehmenden Spezialisierung von Körpertypen für verschiedene Sportarten. Die Studienwerte scheinen dafür ein Paradebeispiel zu sein. Den Forschern zufolge erlaubt die kleinere Körpergröße den Läufern, Hitze effektiver wieder abzugeben. Dies kann von großem Vorteil sein, wenn man die unglaubliche Belastung, die Weltklasse-Zeiten erfordern, bedenkt.

Es ist wirklich interessant, wie schnell dieser Selektionsdruck die Größe der Spitzenläufer verändert hat. Nach der aktuell anhaltenden Diskussion, wann es denn den ersten Marathonlauf unter 2 Stunden geben wird, freue ich mich jetzt schon darauf, eine Studie zu lesen, die anhand einer linearen Extrapolation den Zeitpunkt bestimmt, an dem die Durchschnittsgröße der Top-Marathonläufer Null erreichen wird.

Blog aus der Trainingswissenschaf:

Wie sieht die optimale Renngestal...