Dieter Baumann

Tempoprobleme beim Probelauf

680 liefen zur Probe den Kurs vom Tübinger Nikolaus schon drei Wochen vor dem Rennen. Dieter war Schrittmacher.

Dieter Baumann: Lauf der Woche - Probelauf

Da waren es noch zwei Schrittmacher beim Probedurchgang für den Tübinger Nikolauslauf.
Foto: Sebastian Görner

Bild: Sebastian Görner

Lauf der Woche:
Sonntag, 13. November 2011
Tübingen, Nikolauslaufrunde
Halbmarathon: missglückter Probelauf


Ich melde mich vom Dauerlauf aus dem Epizentrum des Laufsports. Nicht aus Kenia, aber fast, ich melde mich aus Tübingen. In drei Wochen ist es soweit: Dann ist wieder Nikolaustag! Seit Urzeiten findet am Nikolaustag – oder drum herum – der Nikolauslauf in Tübingen statt und seit Urzeiten findet der Probelauf drei Wochen vorher statt.

Kurz für die Statistik: 680 Teilnehmer – beim Probelauf! – Siegerzeit: 1:22 Stunden, inoffiziell.

Sie kennen das bestimmt. Immer wenn sie mit einer bestimmten Vorstellung zum Laufen gehen und es dann ganz anders kommt als gedacht, fühlt sich Laufen schrecklich an. Im richtigen Leben ist das ja auch manchmal so. Sie gehen ins Büro, haben sich dies und jenes vorgenommen, alles liegt auf dem Schreibtisch bereit, am Vortag hergerichtet, dann kommt ein Anruf: der Chef! Und alles kommt ganz anders.

Ist ein Probelauf eine harte Generalprobe? Ein Wettkampf oder ein locker, leichter Trainingslauf? Manchmal hängt von der richten Antwort das Laufglück ab. Wir sollten 1:30 Stunden laufen. Brav hängte ich mir das gelb leuchtende Schrittmacherhemd über und wir liefen los. Wir waren drei Tempomacher. Der jüngste Läufer, Timo G. aus T., stürmte nach vorne und sprengte vom ersten Schritt die Gruppe.

Meine Atemnot sagte mir: zu schnell. Ich versuchte den Rest zu beruhigen: „Wir sind im Takt, alles im Griff.“ Doch so eine Laufgruppe entwickelt mitunter eine gewisse Eigendynamik. Der zweite Tempomacher machte sich auf die Verfolgung. Einige zogen mit. Wieder versuchte ich den Rest zurück zu halten. „Bleibt doch ruhig. Es sind erst drei Kilometer rum!“, brüllte ich. Dank meiner stillen Autorität klappte es, murrend und immer zwei Schritt vor mir laufend blieben einige bei mir.

Nach 11 Kilometern erzählte mir Ralf Schmaeding zwischen einigen Atemzügen von Biel. „War auch da. - Zum ersten Mal. - 8:08 Stunden. - Es lief so locker. Ganz toll!“ Lauter Unsinn erzählte er mir. Wie können die 100 Kilometer von Biel „ganz locker“ sein? Vor allem, wie kann das „ganz toll“ sein? Seine Angaben zur Laufzeit ignorierte ich ... zunächst.

Ralf Schmaeding tänzelte vor mir her. Bei jedem Berg machte er mächtig Druck. Wir holten den zweiten Tempomacher wieder ein. Matthias Koch, 2:30 Stunden beim Marathon in Frankfurt. 1:30 Stunden für Halbmarathon, so stand es auf meinem leuchtenden gelben Shirt. Locker, leichter Probelauf! Schmaeding hetzte die Berg hoch, machte um jede Kurve Druck. Die letzte lange Gerade sagte ich kein Wort mehr. Meine Autorität war dahin. Sie holten fast noch den jungen Spund vorne ein. Der Tempomacher hatte gewonnen, inoffiziell. Wie im richtigen Leben. Schmaeding war Zweiter: 1:24 Stunden. Ich verfehlt meine Zielzeit nur knapp: 1:26 Stunden. Langsamer ging es nicht.

Dieter Baumann: Lauf der Woche:

Geräuschloser Dauerlauf im Nebel