Dieter Baumann

Tempoläufe für den Halbmarathon

Was macht man nicht alles für eine Teilnahme beim Tübinger Nikolauslauf? Dieter Baumann absolvierte knallharte Tempoläufe.

Dieter Baumann: Lauf der Woche

Dieter Baumann beim Tübinger Nikolauslauf 2010. Mit Tempoläufen machte er sich fit, für das Rennen 2011.

Bild: Tomas Ortiz-Fernandez

Lauf der Woche
Samstag, 26.November 2011
Tübingen
Angefeuerte Tempoläufe: 1.000 m / 2.000 m / 3.000 m / 1.000 m / 2.000 m / 3.000 m


Ich melde mich vom Dauerlauf. Nein, Dauerlauf war das nicht mehr am vergangenen Samstag. Tempoläufe waren das, richtig zur Sache ging es am Neckar entlang in Tübingen. Die gute alte Zeit kam mir wieder in den Sinn, ja, was macht man nicht alles für eine Teilnahme beim Nikolauslauf über Halbmarathon. Auch Tempoläufe!

Das Programm: 1 – 2 – 3 – 1 – 2 – 3 Kilometer. Pause: 2 Minuten

Der erster Lauf: 1 Kilometer, gegen den Wind. Geplant: locker laufen, Tempogefühl entwickeln, für den Halbmarathon. Umgesetzt: voll gegen den Wind, viel zu schnell. In der Pause ging ich hart mit mir ins Gericht: „Anfängerfehler! Reiß dich zusammen, brems dich ein!“

Start für den nächsten Lauf – 2 Kilometer, gegen den Wind, den Neckar entlang aus der Stadt raus. Da kommen mir zwei Fußgänger entgegen. Schreit einer: „Eins, zwei, eins, zwei, eins, zwei!“ Ich war voll im Schritt, total konzentriert, aber was heißt: eins, zwei, eins, zwei? „Ich lauf noch eine drei!“, schrie ich über die Schulter zurück. Nach dem 2-Kilometer-Abschnitt: Wieder viel zu schnell. Das Programm war kaum noch zu retten.

Die 3 Kilometer lief ich zurück. Rückenwind! Die Durchgangszeit: ein Wahnsinn! Nun überholte ich die zwei Fußgänger. Ich schoss an ihnen vorbei, da schrie einer: „Schneller, schneller, schneller!“ Nein, nix schneller, wollte ich schreien, konnte aber nicht, wegen Sauerstoffdefizit. Ergebnis: War viel zu schnell.

In meiner Trabpause kommen die Fußgänger an mir vorbei. Sagt der eine leise zum anderen: „Der sieht aber fertig aus.“ Ich schaue auf meinen Puls, der Mann hat Recht: Puls wahnsinnig hoch.

Wieder Start, 1 Kilometer gegen den Wind. Kein Mensch unterwegs, komme ohne Zwischenruf zur Marke. Nutzt aber nichts, wieder zu schnell. Aber ich lebe noch, die Hälfte ist vorbei. „Da geht noch was“, rede ich auf mich ein. Pause 2 Minuten. Puls? „Egal“.

Start zum 2-Kilometer-Abschnitt. Der Gegenwind nimmt zu oder meine Kraft schwindet, eines von beiden, es fühlt sich hart an. „Weiter!“, rede ich auf mich ein. Da kommen zwei Radfahrer von hinten. Regenbogentrikot, Helm, Brille. Einer klopft mir auf die Schulter, „Der Nikolauslauf ist aber hügliger“, und schon sind sie außer Rufweite. Aber nicht so windig, wollte ich sagen, egal: „Weiter!“ War im Rausch. Die Zeit nach 2 Kilometern: zu schnell.

Pause vor dem letzten Lauf. Ich gehe auf und ab. Wieder ein Rennradfahrer, hält voll auf mich zu. Ungebremst. Wenige Zentimeter vor mir kommt er zum Halten, lacht. Der Lokalredakteur der Sportredaktion. „Machsch grad a Wanderung? Kasch nemme? Ond i häd dacht, du sprengsch am Sonntag mit?“ „Sorry, meine Pause ist rum“, war das einzige, was ich noch antworten konnte, meine Stoppuhr zeigte 1:55 Minuten, fühlte mich ertappt.

Und wieder los: 3 Kilometer, Rückenwind. Zwischenzeit: schnell. „Weiter!“, zweite Zwischenzeit: noch schneller! Der letzte Kilometer, kurzatmig, hoher Puls, egal: „Weiter!“ Zwei Fußgänger kommen mir entgegen. Ruft einer: „Machen sie doch mal langsam. Immer die Hektik.“ Endzeit: Wahnsinnig schnell, also für meine Verhältnisse.

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