Marvin Running

Sonne, Zittern oder Zahnpasta?

Gerne versorgen uns Wissenschaftler mit ihren Forschungsergebnissen. Das ist nett. Dann versucht Herrchen, sie in die Praxis umzusetzen. Das ist nicht mehr nett.

Marvin Running

Das Sonnenbad bringt noch mehr Testosteron als Powerplate-Training.

Bild: Kokopelli1856/pixelio.de

»Signifikant!«, ruft Herrchen. »Signifikant mehr Testosteron im Blut. Ist ja toll. Das müssen wir probieren, das ist ja wie legales Doping. Und dann rennen wir los wie eine Kreuzung aus Patrick Makau und dem Hulk!«

Sein Zeigefinger pocht auf die Website eines Anbieters für sogenannte Powerplate-Trainingsgeräte. Dort hat er eine Studie gefunden, die diesen ›signifikanten‹ Anstieg der Blutplasmakonzentration von Testosteron nach der Benutzung dieser Wackelplatte ausgemacht haben will.

Ich dämpfe seine Begeisterung: »Tatsächlich stieg die Testosteron-Konzentration von 22,7 nmol/l auf 24,3 nmol/l mit einer Standardabweichung von 6,6 nmol/l. Bei nur 14 Teilnehmern der Studie.«

»Na und, wen interessieren schon Details? Und was willst du mir damit sagen?«, fragt er.

»Dass die Erhöhung in Wahrheit ein Witz ist. Wenn während des Versuchs eine sexy Krankenschwester vorwackelt, hat sie einen weitaus signifikanteren Anteil am Ausgang der Studie als die Wackelplatte.«

»Das überzeugt mich kaum, Marvin.«

»Dann vielleicht das hier: Professor März von der medizinischen Universität Graz fand heraus, dass der Testosteronspiegel bei Männern im August viel höher ist als im März.«

»Monat März oder Professor März?«, fragt er.

»Ha, ha. Rate mal, woran das liegt.«

»Weil im August frische Krankenschwestern aus der Berufsschule kommen?«, rät er.

»Quatsch. März hat eine interessante wissenschaftliche Erklärung: In den Sommermonaten wird durch die höhere Sonneneinstrahlung mehr Vitamin D im Körper gebildet. Und das wirkt sich so stark auf den Testosteronspiegel aus, dass er bei insgesamt 2.299 Männern von durchschnittlich 15,9 nmol/l im März auf 18,7 nmol/l im August ansteigt. Der Anstieg ist fast doppelt so hoch wie bei Bosco et al. Was folgern wir daraus?«

Er überlegt und sagt schließlich: »Statt dieser Powerplate sollten wir mal ein vibrierendes Solarium besuchen. Da kämen wir dann raus wie ein Tyrannosaurus im Arterhaltungsrausch.«

Wenn es bestechende Logik gibt, gibt es dann auch erdolchte Logik? Das könnte gerade ein Beispiel dafür gewesen sein. Ich meine geduldig: »Nein. März’ Studie sagt uns nur eines: In der Sonne liegen und nichts tun bringt manchmal mehr als die abstrusesten Anstrengungen.«

Er schlussfolgert: »Vielleicht hast du Recht. Es gibt nur eine Möglichkeit, das herauszufinden. Die beste Studie ist, wenn wir etwas tun und dabei auf uns selbst hören. Und deswegen gehen wir jetzt laufen

Ach herrje. »Und wer hört auf mich?«, rufe ich.



»Hallo?«



Seufz.

Bekenntnisse eines Schweinehunds:

Ist fit das bessere reich?