Dieter Baumann

Schwabe an der Medienfront

Am Ruhetag will Dieter Baumann auf dem Benkle Zeitung lesen, empört sich aber so, dass er noch laufen muss.

Dieter Baumann mit grünem Helm

Dieter Baumann liegt im Trend und trägt grün.

Bild: Ulrich Metz

Lauf der Woche
Mittwoch, 06. April 2011
Leipzig
12 km Glockenturmlauf – dazu: eine Mückenplage für Hamburg


Ich melde mich vom Dauerlaufen. Mittwoch in Leipzig: Glockenturmlauf. Ja, liebe Freunde der Laufkunst, das war ein Spektakel. Heute habt Ihr die Möglichkeit den Baumann zu schlagen, brüllte der Moderator vor dem Start ins Mikrophon. Und Recht hatte er. Ich fühlte mich schlecht. Trotz Ruhetag am Dienstag.

Ja, was denn? Empört? Klar mache ich Ruhetage. Vor allem dann, wenn ich einen Vierziger in den Beinen habe. Jawohl, so sieht das nämlich aus: Montag 40 Kilometer! Auf Belastung folgt Erholung und deshalb Ruhetag. Und weil ich nicht zum Laufen ging, gönnte ich mir ein frühes Feierabendbier. Ich saß also am „Benkle“ vor dem Haus, hatte drei Tageszeitungen vor mir und genoss diese unerwartete Stunde ohne laufen – Bier trinkend.

Ich laß einen Artikel meiner Lieblingskolumnistin der taz. Die junge Dame meldet sich immer von der Medienfront. Ja, deshalb meine Formulierung: „Ich melde mich vom Dauerlaufen“, weil sie sich doch auch immer von der Medienfront meldet. Reine Sympathiebekundung. Aber nichts! Keine Gegenliebe. Sie liest mich nicht, dachte ich. Voller Enttäuschung blickte ich in die untergehende Sonne und langsam, genauso langsam wie der Alkohol in meinen Kopf stieg, langsam also wurde mir klar, Sympathiebekundungen zur Medienfrontfrau bleiben unbeantwortet.

Wahrscheinlich müssen Medienfrontfrauen auch immer neutral sein, „draußen“ bleiben, um von „drinnen“ zu berichten. Sympathien sind verboten bei Medienfrontfrauen. Ja, der Gedanke machte mich traurig und wenn ich erst einmal traurig bin, hilft nur noch Laufen. Deshalb stand ich von meinem „Benkle“ auf, schnürte mir die Schuhe und lief eine kleine Runde um den Neckar. Vier Kilometer – das tat gut und die Welt hellte sich auf.

Lass doch das Mädel einfach „von draußen von der Medienfront“ berichten, sagte ich zu mir in alter Gelassenheit. Es gibt wichtigeres als die Medienfront: Laufen. Die vier Kilometer gingen übrigens schlecht. Wahrscheinlich lag das am Bier. In der Zukunft muss ich das Laufen an Ruhetagen einfach lassen.

Ja, und dann meldete sich die Medienfrontfrau zu Wort. Einen Tag später. Am Frühstückstisch vor der Abfahrt zum Glockenturmlauf in Leipzig las ich die taz: „Immerhin sind Österreicher nicht so schlimm wie Schwaben. Die sich hier in Hamburg vermehren wie die Mücken am See.“, schrieb sie, die erste Sympathiebekundung zurück. Hallo liebes Fräulein, dachte ich. Ich war doch erst letzte Woche in Hamburg und hätte jeden Preis bezahlt, wenn mir einer Ihrer vielen Schwaben dort aus meiner sprachlich komplizierten Lage (ich sage nur: „saua, sprenge oder laufa“) geholfen hätte. Der Text ging noch weiter! „Und die nun wirklich keiner braucht. Also weder noch.“

So also ist das also, liebes Fräulein von der Medienfront! Uns braucht also keiner? Und wer hat Deutschland den ersten Grünen Ministerpräsidenten beschert? Braucht keiner? Mit Verlaub, um das zu bewerkstelligen braucht Hamburg eine echte Mückenplage.

Ab sofort:
Dieter Baumann und Martin Grüning, Stellvertretender Chefredakteur von RUNNER'S WORLD, bloggen zum 100-km-Lauf in Biel, den beide in diesem Jahr laufen wollen.

Dieter Baumann: Lauf der Woche:

Der Läufer, der aus dem Ausland kam