Dieter Baumann

Schmerz lass nach

Dieter Baumann kämpft gegen Wadenkrämpfe und freut sich schon auf die Zeit, wenn der Schmerz erst einmal weg ist.

Dieter Baumann

Dieter Baumann kämpft sich über Tübingens blaue Tartanbahn.

Bild: privat

Lauf der Woche
Mittwoch, 07. Juli 2010
Tübingen
4 x 600 Meter Tempoläufe (auf der Bahn)


Es soll ja Tage geben, da empfiehlt der Volksmund „besser im Bett zu bleiben“. Wir Läufer kennen das auch – Formkrise / platt / müde Beine – und manchmal ist es nicht nur ein Tag, sondern eine ganze Woche. Bei mir war letzte Woche so eine Woche.

Nicht dass ich in einer Formkrise wäre, mitnichten, ich bin in Topform. Mit einer Ausnahme: meine Wade. Gut, meine Wade schwächelt ja schon lange. Krämpfe beim Laufen, Brennen in der Nacht, Steifheit am Morgen, ach die Liste ist lang. In der Regel hilft das Gejammer der Wade – einfach nur ignorieren. Irgendwann beruhigt sie sich und dann gehe ich laufen.

So war es auch am Mittwoch in der letzten Woche. Ein junger Athlet rief mich an und wollte Tempoläufe machen – 4 x 600 Meter! Mit 5 Minuten Pause. Sie ahnen was passierte? Natürlich! Kaum war ich mit dem jungen Kerl eingelaufen, vermeldeten alle Körperteile ein OK für einen schnellen Schritt. Mit einer Ausnahme, die Wade. Ignorant, wie ich nun einmal bin, lief ich mit dem jungen Mann mit.

Es war heiß, die Sonne stach und der neue blaue Tartan des Tübinger Stadions brannte, nicht nur wegen dem Wetter – nein, auch wegen unseren Läufen. Beim Laufen hatte ich den Eindruck, die Wade nicht mehr zu spüren. Ich entwickelte die Theorie, dass es beim schnellen Laufen zu einem kürzeren Bodenkontakt des Fußes kommt und die Wade damit viel weniger belastet ist als beim langsamen Laufen. Ein perfektes Laufgefühl also.

Es gab nur eine Einschränkung. Nach dem Programm konnte ich keinen Schritt mehr gehen, denn unmittelbar nach dem letzten Lauf zog sich die Muskulatur krampfartig zusammen. Dieser Krampf hielt bis weit in die zweite Hälfte des Spanienspiels unserer Fußball-Nationalmannschaft in Südafrika an, dann ließ er nach und ihm folgte eine dumpfer Schmerz.

Einen Tag später lief Usain Bolt in Lausanne. Es war nach seiner Achillesreizung sein erstes 100 Meter Rennen. Er gewann in 9,82 Sekunden. Weltjahresbestzeit. Danach wollten alle Journalisten wissen, ob er seine Sehne gespürt hätte. „Nun,“ sagte er sinngemäß, „ein Schmerz sei immer da. Wenn der erst einmal weg sei...?“

Nicht auszudenken, wenn mein Schmerz erst einmal weg ist? 9,82 Sekunden?

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