Dieter Baumann

Ruhetags-Dauerlauf

Dieters Motto für seinen Lauf der Woche: Einfach mal NICHT laufen. Weil das ganze Leben eine Bestzeit ist.

Dieter_Baumann_Tübinger_Adventslauf

Dieter Baumann beim Tübinger Nikolauslauf 2011.

Bild: Tomas Ortiz-Fernandez

Lauf der Woche
Freitag, 09. Dezember 2011
Tübingen
40 Minuten Ruhetags-Dauerlauf


Ich melde mich vom Dauerlaufen. Eigentlich wollte ich mich nicht mehr laufenderweise melden. Ich wollte die ganze Woche keinen Schritt mehr laufen. Grund war eine Zuschrift, die mich über meine Homepage erreichte.

Anja schrieb mir, es ginge um den Nikolauslauf, den ich am vergangenen Sonntag gelaufen war. Sie schrieb: „Ihr diskutiert über Eure Bestzeiten, die Ihr mal gelaufen seid, oder ermutigt Euch, weitere zu laufen, feilscht um Sekunden. Mensch, habt Ihr es denn eigentlich noch nicht begriffen??? Ihr seid Männer über 40 - im besten Alter sozusagen. Und die Zeit, die jetzt kommt - Euer ganzes Leben - ist Eure Bestzeit!“

Deshalb also die ganze Woche keinen Laufschritt. Liebe Anja, warum sagst Du das erst jetzt? Da bereite ich mich wochenlang auf den Nikolauslauf vor. Tempoläufe, lange Läufe, Bergläufe und was weiß ich, wie in alten Zeiten eben, und dann: „Im besten Alter“ erfahre ich so etwas, einfach so. Liebe Anja, wie Recht Du hast. Und zu meiner Ehrenrettung muss ich sagen: Das mit dem „besten Alter“ merke ich ja jeden Tag. Doch, wenn ich nur daran denke, wie ich am Montag nach dem Halbmarathon aus dem Bett kam. Wie ein junger Gott, sage ich Dir. Aber was heißt „Feilschen um Sekunden“? Um ehrlich zu sein, ab Kilometer 15, liebe Anja, wie soll ich sagen, es war ein langer Weg. Mit „Feilschen um Sekunden“ war da nichts mehr. Es ging schon eher in Richtung Stunden.

Aber Anja, danke, Du hast mir die Augen geöffnet, und der Entschluss war sehr schnell gefasst: Diese Lauferei, das Schinden und Quälen die ganze Zeit, der hohe Puls und die ewige Disziplin: Weg damit! Kein Laufschritt mehr, sieben Tage. Montag war super, es fehlte an nichts. Dienstag: Muskelschmerzen. Wahrscheinlich vom Nikolauslauf. Anja, Du hast ja so Recht. Zu viel Ehrgeiz schadet. Noch nie spürte ich es mehr als am Dienstag. Mittwoch wurde ich unruhig. Ich hatte Zeit, ging einkaufen, gönnte mir einen Glühwein, dazu eine Currywurst. Donnerstag hatte ich Kopfschmerzen und am Freitag – nein, die Anja, „im besten Alter“, sie hat Recht: Ich ging Laufen. Ohne Uhr, wollte nicht „feilschen um Sekunden“. Keine Kontrolle, für Anja, Tempo egal. Ich fühlte mich müde, kam aber immer besser rein (muss am Alter liegen), und als ich an den steilen Berg kam, zog ich das Tempo an. Einfach so. Überrascht stellte ich fest, es ging auch ohne Uhr, ohne auf die Sekunden zu achten. Oben war ich total platt. Wirklich Anja, es war ohne „feilschen“.

Dieter Baumann: Lauf der Woche:

Tempoläufe für den Halbmarathon