Dieter Baumann

Nachtlauf-Gedanken

49 Kilometer lief Dieter durch die Nacht - und dachte an die Kriegsreporterin der taz.

Dieter Baumann: Lauf der Woche – Nachlauf-Gedanken

Nachtlauf.

Bild: segovax / pixelio.de

Lauf der Woche
Montag, 16. Mai 2011
Tübingen
verlustreicher 49-Kilometer-Lauf durch die Nacht


Hallo, ich melde mich wieder vom Dauerlaufen! Ja, und was für ein Lauf. In die Nacht bin ich gelaufen – 49 Kilometer – 4:16 Stunden! Ja gut, ich bin verrückt. Na und? Ich lief auf einer 16,5-Kilometer-Runde. Leider war ich schon nach einer Runde müde. Ich wusste, das wird nichts heute. Nach der zweiten Runde hätte ich definitiv stehen bleiben sollen. 33 Kilometer sind ja auch nicht ganz schlecht. Aber ich lief weiter.

In dieser dritten Runde ging mir Cherno Jobatey durch den Kopf. Nein, das heißt, die Kriegsreporterin der taz ging mir durch den Kopf. Auch Sie hat sich auf ein Rennen eingelassen. Ein „Wer hat die meisten Freunde auf Facebook“-Rennen. Die Kriegsreporterin war meine Lieblingskolumnistin. Seit ich aber weiß, dass die Dame
1. Schwaben nicht mag und
2. mich nicht liest,
habe ich sie aus meiner Hitliste gestrichen. Bis auf die letzte Kolumne von ihr, die habe ich natürlich noch gelesen. Und mit wem hat sie sich angelegt? Mit Cherno …

Und deshalb dachte ich in meiner dritten Runde, mitten in der Nacht, an Cherno Jobatey. Es war dunkel, kein Mensch mehr auf der Straße, es war weit nach Mitternacht. Auf den letzten 10 Kilometern dachte ich bei jeder Kilometermarke: Schluss mit Laufen! Dieter, jetzt gehst du! Wie Cherno eben.

Cherno ist bekanntlich Läufer. Zumindest hat er ein Buch geschrieben, und einen Sommer durfte ich mit ihm auf einer Laufserie gemeinsam durch Deutschland reisen. Er war Moderator, ich Läufer. Bei einem Lauf überredete ich ihn ganz spontan auf der Bühne, mitzulaufen und sein Können zu zeigen. Ich war überrascht, er willigte sogleich ein, war geradezu begeistert und ging an den Start. Doch ins Ziel kam er nicht. Denn als das Blitzlichtgewitter der Fotografen beendet und die ersten 200 Meter gelaufen waren, stieg Cherno aus. Er quetschte sich hinter ein Gebüsch, wartete bis alle vorbeigelaufen waren und schlich zurück zur Bühne.

Ja, was hätte ich nicht alles dafür gegeben, auf dieser dritten Runde am Montag den Cherno zu machen. Ab ins Gebüsch und Schluss. Aber ich lief weiter. Langsam aber stetig, es tat weh, ich spürte meinen ganzen Körper, atmete so laut, dass die Fledermäuse erschrocken davonflogen. Doch am Ende spürte ich nichts mehr. 49 Kilometer!

Hallo liebe Kriegsreporterin, ja das sind Werte. Nicht so ein paar Klicks auf Ihrer Facebook-Seite. Man legt sich auch nicht mit dem beliebtesten Fernsehmoderator Deutschlands an. Wer hat die meisten Klicks und so. Dass Cherno darauf sauer reagiert war doch klar. Mich nie lesen, die Schwaben für überflüssig erklären, aber auf die Kriegsreporter-Seite klicken, das sollen wir?

Plötzlich also Freunde werden?

Damit Sie sich an Cherno vorbei schieben können. Wissen Sie, wie groß der Kerl ist? Und wie schwer? Gut, ich will mal nicht nachtragend sein.

Freunde der Laufkunst: Unterstützt die Dame der Medienfront, sie hat erst die Hälfte der Freunde wie Cherno. Sie braucht noch 2.000 Klicks!

Ein Kinderspiel, liebe Medienfrontfrau – ganz im Gegensatz zu meinem Vorhaben. Als ich mit Hungerast und total ausgebrannt zu Hause ankam, wurde mir bewusst: Das war die Hälfte von Biel. Nur noch als Info, weil es zum Thema passt: Verlustmeldung von Montag: ein Zehennagel.

www.facebook.com/kriegsreporterin – bitte als Freunde anmelden – vielleicht liest sie mich ja dann doch ...


Ab sofort: Dieter Baumann und Martin Grüning, Stellvertretender Chefredakteur von RUNNER'S WORLD, bloggen zum 100-km-Lauf in Biel, den beide in diesem Jahr laufen wollen.

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