27 Prozent im Plus

München-Marathon-Chef Gernot Weigl im Interview

München-Marathon-Organisationsleiter Gernot Weigl über die positive Teilnehmerentwicklung, "local heroes" und den Coup, den er mit dem DLV ausgeheckt hat.

Gernot Weigl, Organisationsleiter des München-Marathons, im Interview

München-Marathon-Organisationschef Gernot Weigl mit Topläufer Hermann Achmüller.

Bild: Norbert Wilhelmi

Am Sonntag findet der 27. München-Marathon 2012 statt, in dessen Rahmen auch die Deutschen Marathon-Meisterschaften ausgetragen werden. Organisationsleiter Gernot Weigl über die positive Teilnehmerentwicklung, sein Konzept der „local heroes“und den Coup, den er mit dem Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) ausgeheckt hat.

Wie laufen die Vorbereitungen, Herr Weigl?

Gernot Weigl:
Wir sind im „grünen Bereich“ und bestens gelaunt. Immerhin können wir mit einem neuen Teilnehmerrekord rechnen: Wir liegen derzeit bei 17.300 Meldungen und können erfahrungsgemäß noch mit 1.000 bis 1.200 Nachmeldungen rechnen, unser bisheriger Rekord liegt bei 18.200 Meldungen, da sieht es also mit einer neuen Rekordmarke sehr gut aus.

Wie aufwendig ist es eigentlich, eine Deutsche Meisterschaft auszurichten bzw. diese in eine bestehende Veranstaltung wie den München-Marathon zu integrieren?

Gernot Weigl:
Der zusätzliche Aufwand ist überschaubar. Die Teilnehmer starten gemeinsam mit dem Hauptfeld, die 600 Meisterschaftsteilnehmer stellen also vor allem erst einmal eine erfreuliche Zunahme unseres Marathonmeldekontingents dar. Allerdings braucht es zum Beispiel eine Selektierung der Teilnehmer bei der Startnummernausgabe mit einem eigenen Counter. Außerdem gibt es eine eigene Siegerehrung für die Deutschen Meister und es wird bei der Auswertung ein größerer Arbeitsaufwand anfallen, da wir auch Mannschaftswertungen berücksichtigen müssen. Glücklicherweise liefen die Meldungen der Meisterschaftsteilnehmer aber auch online ein, was früher nicht der Fall war, da meldeten die Landesverbände noch mit Papierlisten ihre Starter, die man dann händisch in den Computer eingab.

16.000 beim München Marathon: 260 Fotos

600 Meisterschaftsteilnehmer sind ja die erwartbare Zahl gewesen, aber wie sieht es konkret mit den Meldezahlen für die Distanzen Halbmarathon, 10 km und natürlich auch den eigentlichen Marathon aus?

Gernot Weigl:
Der Meldestand ist durchweg positiv, wir haben insgesamt eine Teilnehmersteigerung von 15,2 Prozent zum Vorjahr: Im Marathon sind es inklusive der Meisterschaftsläufer 7.104 Meldungen, das sind sagenhafte 27,6 Prozent mehr als 2011. Und die Marathondistanz ist für uns Veranstalter ja immer die harte Währung. Beim Halbmarathon sind es 5.371, der ist ausverkauft. Bei 5.000 sollte eigentlich Schluss sein. Beim 10-km-Lauf gibt es derzeit 2.757 Meldungen und 501 Marathonstaffeln mit jeweils vier Läufern sind gemeldet, also 2004 zusätzliche Teilnehmer. Wir haben im letzten Jahr und in diesem Jahr auch international viel Werbung gemacht. Wir waren in Tokio zum Marathon, in Honolulu, in New York, London, Stockholm, Paris, es gibt eigentlich keine große Marathonveranstaltung, wo wir keinen Infostand hatten und das merken wir jetzt auch. 26,8 Prozent unserer Starter kommen aus dem Ausland, einen solch hohen Anteil internationaler Starter hat außer Berlin niemand in Deutschland. Das freut uns. München ist eine schöne Stadt, das kommt bei den ausländischen Marathonläufern immer mehr an. Vielleicht wird es ja irgendwann zum Trend, dass man das letzte Oktoberfestwochenende zum Feiern nach Bayern kommt und dann bis zum folgenden Wochenende noch bleibt, um den Marathon zu laufen. Schön wär’s.

Gibt es neben der Integration der Deutschen Meisterschaften noch etwas Neues in diesem Jahr?

Gernot Weigl:
Ja, eine Baustelle in der Sendlingerstraße bedingt eine Streckenänderung, die aber durchaus positive Veränderungen bringt. Wir laufen vom Deutschen Museum Richtung Gärtnerplatz und dabei durch eines der angesagtesten Münchner Innenstadt-Viertel zum Isartor und umrunden beim Marienplatz den Rindermarkt. Ein wunderschöner Streckenabschnitt. Ansonsten bleibt die Strecke wie bisher, das heißt es geht im Uhrzeigersinn durch die Landeshauptstadt, zuerst durch den Englischen Garten und ab Kilometer 27 durch die Innenstadt.

Hat sich das Medieninteresse aufgrund der Deutschen Meisterschaften gesteigert?

Gernot Weigl:
Für die Veranstaltung haben sich sage und schreibe 60 Medienvertreter angemeldet. Das haben wir noch nie gehabt. Ich merke, dass eine Meisterschaft, speziell für die Fachjournalisten, immer noch interessant ist.

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Bildergalerie: München Marathon 2010
Foto: Norbert Wilhelmi

Aber Sie setzten trotz steigendem Interesse weiter auf Ihr Konzept der „local heroes“ und kaufen keine internationalen Eliteläufer ein?

Gernot Weigl:
Das ist eine ganz einfache Sache: Wir können aus Budgetgründen nicht im Konzert der ganz Großen mithalten, wenn es um Toptopzeiten geht, also um Zeiten unter 2:10 Stunden. Daran wird sich auch in naher Zukunft nichts ändern. Und bevor wir halbherzig in internationale Athleten investieren, die zwischen 2:10 und 2:15 Stunden laufen können, konzentrieren wir uns lieber auf unsere regionalen Laufasse. Unser Marathon soll eine Breitensportveranstaltung mit nationaler Spitze sein, das unterstützt auch die Stadt München ausdrücklich.

In diesem Jahr startet aber mit Susanne Hahn eine Olympiateilnehmerin, die durchaus auch zur erweiterten internationalen Spitze zu zählen ist.

Gernot Weigl:
Mit Susanne Hahn haben wir unvermutet einen echten Glücksgriff getan. Der Streckenrekord bei den Damen könnte durchaus fallen. Der steht ja seit 1991 bei 2:33:09 Stunden und Susanne Hahns Bestzeit liegt bei 2:28:49 Stunden, da geht vielleicht was. Bei den Männern habe ich auf eine Siegerzeit von 2:18:30 Stunden getippt, was vermutlich auch ein wenig optimistisch ist. Das ist zwar international nicht der Rede wert, aber national.

Und Sie haben mit dem Deutschen Leichtathletik-Verband gemeinsam einen Coup ausgeheckt. Die Deutschen Meister bekommen hier in München einen Bonus bei der Qualifikation für die Weltmeisterschaften 2013…

Gernot Weigl:
Im Spätsommer, leider nicht früher, hat der Leistungssportausschuss des Verbandes festgelegt, dass die Damen und Herren bei uns einen Bonus von 1:30 Minuten auf die geforderten Normen für die Weltmeisterschaften bekommen. Die A-Norm für die WM 2013 in Moskau steht bei den Frauen bei 2:29:00 Stunden, Susanne Hahn muss bei uns also „nur“ 2:30:30 Stunden laufen, um sicher mit dabei zu sein. Bei den Männern steht die A-Norm bei 2:12:45 Stunden eigentlich, bei uns reichen aber 2:14:15 Stunden. Und das gilt auch für die Jahre 2013 und die Quali für die Europameisterschaften in Zürich 2014 und 2014 für die WM in Peking 2015. Ich vermute, dass uns das nächstes Jahr den ein oder anderen ambitionierten deutschen Läufer mehr bringt. Für einen Jan Fitschen hätten seine aktuell in Berlin erzielten 2:13:11 Stunden bei uns schon also zur Nominierung für die WM gereicht.

Das Wichtigste für die Teilnehmer und Zuschauer: Wie sind die Wetteraussichten für den kommenden Sonntag?

Gernot Weigl:
Wir schauen uns natürlich nicht nur täglich einen, sondern alle Wetterberichte an und da scheint die Tendenz bei 12 bis 14 Grad, bewölktem Himmel und einigen, wenigen Regentropfen zu liegen. Also Topbedingungen für die Läufer, keine Probleme für die Zuschauer. Und für mich, der ich den Marathon nun im dreizehnten Jahr durchführe, wäre es auch die dreizehnte Auflage ohne größere Wetterkapriolen!

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