Großes Interview

Mocki will Bestzeit über 10.000 m in London

Sabrina Mockenhaupt ist die erfolgreichste Bahnlangstreckenläuferin in Deutschland der letzten Jahre. RUNNER´S WORLD traf Sie vor den Olympischen Spielen.

Sabrina Mockenhaupt

Sabrina Mockenhaupt ist Deutschlands erfolgreichste Bahnlangstrecken-Läuferin der letzten Jahre.

Bild: Norbert Wilhelmi

Sabrina Mockenhaupt ist Deutschlands erfolgreichste Bahnlangstrecklerin der letzten Jahre. Sie verzichtete auf einen sicheren Marathonstartplatz bei den Olympischen Spielen in London und suchte stattdessen die Qualifika­tion auf der 10. 000-Meter-Strecke. „Typisch Mocki“ sagen die, die die 31-Jährige besser kennen.

Mocki oder Sabrina, Sabrina oder Mocki, wie soll man dich eigentlich nennen?
Privat kannst du mich gern Sabrina nennen, aber ich bin seit 15 Jahren Sportlerin und beim Sport genauso lange auch schon die Mocki. Irgendwann habe ich mal gesagt, dass ich mit 30 nicht mehr die Mocki sein will, aber jetzt bin ich ­sogar schon ein Jahr älter und kann mir doch keinen anderen Namen vorstellen.

Du bist ja eine, die ihr Herz auf der ­Zunge trägt. Hast du das ab und zu schon mal bereut?
Ja, es gab schon oft solche Momente, vor allem, als ich noch jünger war. Da musste ich doch ganz schön dazulernen. Es gibt den ein oder anderen Satz, den ich gern rückgängig gemacht hätte, wie zum Beispiel bei meinem ersten Fernsehinterview, bei den Weltmeisterschaften 2003 in Paris. Ich war über die 10.000 Meter ausgestiegen und entsprechend enttäuscht und im Interview ehrlich und sehr emotional. Danach zog mich Stefan Raab in seiner Sendung „TV Total“ monatelang durch den Kakao. Das war mir natür­lich gar nicht recht. Mittlerweile kann ich aber auch zu solchen Situationen stehen. Das gehört halt dazu.

Speziell die Stefan-Raab-Geschichte war ja etwas, das dir auch eine enorme Popu­larität gebracht hat. Ist es nicht so, dass die Menschen gerade das Bodenständige lieben, das du ausstrahlst?
Ich hoffe es. Manchmal ist es den Zuschauern vielleicht auch auf die Nerven gegangen, dass ich nach Niederlagen vor laufender Kamera geheult habe, aber die Gratwanderung zwischen Freud und Leid, zwischen Erfolg und Misserfolg, bringt eine große Anspannung mit sich, die sich dann eben nach einem Lauf löst und dabei eventuell auch von Tränen ­begleitet wird. Ich bin nah am Wasser ­gebaut, auch dazu muss ich stehen.

Für den olympischen Marathonlauf hattest du dich mit deinem Ergebnis vom letzten Frankfurt-Marathon schon qua­lifiziert, aber du hast auf den sicheren Startplatz verzichtet. Nie bereut?
Ein bisschen schon. Ein klein wenig Wehmut schwingt noch mit. Ich wusste ja, wie schwer es ist, sich stattdessen über die 10.000 Meter zu qualifizieren. Aber einer­seits hätte die lange Verletzung im Winter vermutlich keine vernünftige Marathonvorbereitung zugelassen und an­dererseits liebe ich es auch, wenn ich geordert werde. Wenn ich für eine Sache kämpfen muss, bin ich sehr viel moti­vierter, als wenn mir etwas in den Schoß fällt. Ich glaube, dass der Marathon- Verzicht aus sportlicher Sicht auf jeden Fall die richtige Entscheidung war.

Wie sah deine Vorbereitung für die 10.000 Meter aus? Hast du an ­Altbewährtem festgehalten oder etwas Neues ausprobiert?
Neben meinem langjährigen Trainer Heinz „Heiner“ Weber unterstützt mich seit dieser Saison auch der ehemalige Topläufer Carsten Eich in der Trainingsplanung. Und wir haben einiges im Training umgestellt. Früher habe ich an den in­ten­siven Trainingstagen ja überwiegend Tempo­wechselläufe gemacht, die in den Belastungsspitzen nicht so extrem intensiv sind, aber dafür auch in den Pausen noch anspruchsvoll. Jetzt mache ich eher die klassischen Intervallprogramme, zum Beispiel 15 x 300 oder 400 Meter sehr schnell, aber mit langsamen Trabpausen, oder 10 x 1.000 Meter im 10-Kilometer-Renntempo. Ich glaube, es schlägt an.

Und wenn du bei den Olympischen Spielen in London am Start stehst, was werden dann deine Ziele sein?
Ich will endlich noch mal im Bereich meiner Bestzeit laufen, die bei 31:14 Minuten steht und die ich bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking gelaufen bin. Die Bedingungen damals ­waren gar nicht so gut. Ich musste sehr viel allein laufen. Ich will noch mal zeigen, was in mir steckt. Nur dafür lebe ich gerade, dafür kämpfe ich bis zum Umfallen. Ich weiß, dass ich es kann, und das sollen auch die anderen wissen.

Und was kommt nach den Spielen? Ein Herbst-Marathon?
Ja, auf jeden Fall. Nach den Olympischen Spielen liegt meine Zukunft sicherlich ausschließlich auf der Straße. Auf der Marathondistanz habe ich mein Poten­zial noch lange nicht ausgereizt. Meine Grundschnelligkeit und Unterdistanzleistungen stimmen überhaupt nicht mit meinen Marathonzeiten überein, da muss noch was passieren. Warum das so ist, da­rüber zerbreche ich mir mit meinen Coaches nach den Olympischen Spielen den Kopf.

Was kommt in den nächsten Jahren? Gibt es neben dem Laufen in deinem ­Alter nicht auch andere Herausforderungen? Du bist in einer langjährigen Partnerschaft, da könnest du ja auch ein Haus bauen, eine Familie gründen …
Das Haus haben wir schon. Eines zu bauen, dazu hatte ich gar keine Lust. Das schien mir schlimmer, als einen Marathon zu laufen. Was die Familiengründung angeht, kann ich mir gut vorstellen, dass man als junge Mutter weiter den Sport auf hohem Niveau betreiben kann. Viele Topläuferinnen haben nach der Geburt ihrer Kinder noch mal enorme Leistungssprünge gemacht. Aber ganz ehrlich gesagt: im Moment denke ich nicht ans Kinderkriegen, im Moment denke ich nur an die Olympischen Spiele in London!

Das Interview führte: Martin Grüning

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