Sabrina Mockenhaupt

Mockenhaupt: Große Ziele in Berlin

Sabrina Mockenhaupt ist beim Berliner Halbmarathon favorisiert. Im Interview spricht sie über Training, Trainerwechsel und ihre sportlichen Ziele.

Sabrina Mockenhaupt favorisiert für Berliner Halbmarathon

Sabrina Mockenhaupt beim Berliner Halbmarathon 2010.

Bild: photorun.net

Sabrina Mockenhaupt (LG Sieg) wird am 3. April 2011 beim Berliner Halbmarathon als Favoritin an den Start gehen. Vor zwei Jahren gewann sie das Rennen mit einer weiterhin aktuellen persönlichen Bestzeit von 68:45 Minuten. 2010 war sie beim Berliner Halbmarathon Dritte in 69:57. Vor ihrem dritten Start in Folge beim größten deutschen Rennen über die 21,0975 km gab die 30-Jährige das folgende Interview.


Frage: Aller guten Dinge sind drei – Sie starten zum dritten Mal in Folge beim Berliner Halbmarathon. Vor zwei Jahren haben Sie das Rennen gewonnen, 2010 waren Sie Dritte. Mit welchen Zielen gehen Sie an den Start?
Sabrina Mockenhaupt: Ich freue mich auf das Rennen und auch darauf, dass mit Andrea Mayr und Simret Restle zwei Läuferinnen dabei sind, die ich gut kenne und schätze. Mal sehen, welche Afrikanerinnen dann noch zum Elitefeld hinzukommen. Ich habe mir vorgenommen, so gut zu laufen wie vor zwei Jahren. Das heißt, ich möchte auf jeden Fall auch eine gute Zeit erzielen. Wenn man in ein solches Rennen geht, hat man die persönliche Bestzeit eigentlich immer im Hinterkopf. Aber ich würde natürlich auch gerne zum zweiten Mal gewinnen.

Werden Sie am Sonntag Ihr eigenes Rennen laufen oder sich an den Konkurrentinnen orientieren?
Wie meine Taktik aussieht, werde ich erst kurz vor dem Rennen entscheiden. Das hängt auch davon ab, wie stark die Konkurrenz letztlich ist. Ein Vorteil ist sicherlich, dass ich die Strecke in Berlin kenne. Außerdem wird mich mein Trainer Thomas Eickmann auf dem Fahrrad begleiten.

Der frühere Marathonläufer Thomas Eickmann ist Ihr neuer Coach, zudem hilft Ihnen auch der neue Marathon-Bundestrainer, Ron Weigel. Wie kam es zu dem Wechsel?
Ursprünglich dachte ich, dass ich in meiner Karriere gar nicht mehr den Trainer wechseln würde, zumal ich auch mit Heinz Weber sehr erfolgreich war und ihm viel zu verdanken habe. Aber im vergangenen Jahr habe ich gemerkt, dass mein Körper neue Reize braucht. Hinzu kam, dass mein langjähriger Trainer Heinz Weber kürzer treten wollte. Oliver Mintzlaff, mein Manager, kannte Thomas Eickmann und so kam die Verbindung zustande. Ich wusste, dass Thomas einen sehr gut motivieren kann. Auch wenn ich als Läuferin sehr selbstständig bin, brauche ich jemanden, der einen im Zweifel klar leiten kann und auch motiviert. Als Ronald Weigel Marathon-Bundestrainer wurde und die Betreuung von Marathonläufer André Pollmächer übernahm, bot sich eine engere Zusammenarbeit an. Thomas informiert Ron natürlich und die beiden tauschen sich sehr gut aus.

Was hat sich noch verändert durch den Trainerwechsel?
Es geht darum, mein Potenzial für den Marathon auszuschöpfen. Da gibt es noch einige Reserven. Wir haben damit begonnen, die Belastungsfähigkeit zu erhöhen. Das ist ein längerer Prozess. Aber schon jetzt habe ich im Januar und Februar so viel trainiert wie nie zuvor in den ersten beiden Monaten eines Jahres. Ich bin zwischen 150 und 160 Kilometer pro Woche gelaufen, das sind rund 20 mehr als früher. Außerdem haben wir zum Beispiel Intervallläufe in das Training integriert, die ich früher fast nie gemacht habe. Ich glaube, dass Ron Weigel viel daran liegt, dass mehr gemeinsam in Gruppen trainiert wird. Bei uns in Deutschland war es doch in den vergangenen Jahren so, dass jeder sein eigenes Süppchen kochte und quasi versteckt trainierte. Das ist auch ein Grund, warum im Laufbereich zu wenig nachkommt. In guten Trainingsgruppen können sich die Jungen an den starken Läufern orientieren.

Ronald Weigel ist seit Jahren auch der Geher-Nationaltrainer. Sie sind dann im Januar mit den Gehern ins Höhentraining nach Südafrika gefahren. Wie war das?
Ich bin froh, dass ich das gemacht habe und denke, dass ich 2012 wieder mit den Gehern nach Südafrika fahren werde. Vielleicht ist auch im Sommer ein gemeinsames Trainingslager in St. Moritz möglich. Es war interessant zu sehen, wie viel die Geher trainieren – oft drei bis vier Stunden am Stück. Für uns Läufer ist natürlich der Schnelligkeitsaspekt wichtig, aber es gibt durchaus Gemeinsamkeiten und wir können uns da auch eine Scheibe abschneiden von den Gehern. Außerdem war André Pollmächer dabei. Wir waren ein gutes Team und haben uns ausgetauscht. Ich habe festgestellt, dass die sich – das ist jetzt nicht abwertend gemeint, wenn ich sage ,im Osten’ – über viele Aspekte viel mehr Gedanken machen als wir das kennen. Diese Herangehensweise finde ich sehr gut. Ein bisschen profitiere ich jetzt auch von der Bernd Dießner-Schule (der frühere Trainer von André Pollmächer und diverser international erfolgreicher Läufer, d. Red.). Zum Beispiel hat mir André gesagt, ich solle meinen Schritt verbessern. Es gibt einiges, was ich noch nicht kenne, obwohl ich ja jetzt schon eine ganze Weile laufe.

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