Comeback in Moskau?

Mizuki Noguchi: Hinterherlaufen macht keinen Spaß

Die japanische Rekordhalterin Mizuki Noguchi geht in Moskau bei den Weltmeisterschaften an den Start. Sie will ihre Chance suchen, Angst vor den Afrikanerinnen hat sie dabei nicht.

Mizuki Noguchi

Mizuki Noguchi bei der WM 2004 in Athen.

Bild: photorun.net

Ein außergewöhnliches Comeback bei einer großen internationalen Meisterschaft gelingt Mizuki Noguchi, wenn sie in Moskau bei den Weltmeisterschaften an die Startlinie geht. Zuletzt rannte die japanische Marathonläuferin im Jahr 2004 bei einem globalen Titelkampf. Damals lief sie im brütend heißen Athen zum größtmöglichen Triumph über die klassische Distanz: Mizuki Noguchi wurde Olympiasiegerin, während die große Favoritin Paula Radcliffe (Großbritannien) entkräftet aufgab. Ein Jahr später stellte die Japanerin beim Berlin-Marathon mit einer Siegzeit von 2:19:12 Stunden den nach wie vor gültigen Asienrekord auf, der zugleich immer noch der Berliner Kursrekord ist. Doch in der Folge stoppten Mizuki Noguchi eine Kette von Verletzungen. Sie verpasste dadurch unter anderem den Olympia-Start in Peking 2008 und die Qualifikation für London 2012. Für die WM in Moskau qualifizierte sich Mizuki Noguchi mit einem dritten Platz beim Nagoya-Marathon im März in 2:24:05 Stunden.

Aber was kann die 35-jährige Mizuki Noguchi neun Jahre nach Athen bei der WM in Moskau gegen die dominierenden Läuferinnen aus Afrika erreichen? Eine Medaille wäre eine dicke Überraschung, ein Rang unter den ersten Zehn sicherlich ein großer Erfolg. Mizuki Noguchi will ihre Chance suchen, die Afrikanerinnen fürchtet sie nicht. “Ich will beweisen, dass du auch als ältere Athletin nach einer Reihe von Verletzungen stark zurückkommen kannst. Ich weiß natürlich, dass es etwas vage ist, ob es klappt“, erklärte die Läuferin gegenüber der Zeitung „Japan Times“.

Wenn Mizuki Noguchi in guter Form ist, könnte ihr ein Hitzerennen entgegenkommen, was in Moskau nicht unwahrscheinlich ist. Bei ihrem Olympiasieg in Athen herrschten Temperaturen von über 35 Grad Celsius im Schatten. Wie auch immer, die japanische Rekordhalterin will das Rennen offensiv angehen und das Tempo an der Spitze mit bestimmen. „Das ist mein Stil. Ich mag es nicht, hinter einer Gruppe zu laufen, denn dann verliere ich meinen Rhythmus“, erklärte sie und fügte mehr scherzhaft hinzu: „Es macht ja auch nicht so viel Spaß, hinterherzurennen, oder?“

Mizuki Noguchi war in Japan zunächst bekannt als die „Queen des Halbmarathons“. Bei Olympia in Athen wurde daraus dann die „Queen des Marathons“. Mizuki Noguchi hatte bei den Weltmeisterschaften über die Halbmarathon-Strecke ab 1999 nacheinander die Ränge zwei, vier, vier und neun belegt sowie diverse Rennen über diese Distanz gewonnen. Zehn Ergebnisse erzielte sie im hochklassigen Zeitbereich zwischen 67:43 und 68:45 Minuten.

Ihr Marathon-Debüt lief sie 2002 in Nagoya und gewann auf Anhieb mit 2:25:35 Stunden. Auch bei ihrem zweiten Rennen über die 42,195 km war sie ganz vorne: 2003 steigerte sie sich in Osaka auf 2:21:18. Bei den Weltmeisterschaften von Paris 2003 war Mizuki Noguchi dann noch Zweite hinter Catherine Ndereba (Kenia), doch ein Jahr später folgte bei den Olympischen Spielen der große Triumph. Auf der klassischen Route von Marathon nach Athen gewann Mizuki Noguchi die Goldmedaille. Durch diesen Sieg hat sie im laufverrückten Japan den Status einer Volksheldin.

Die Motivation für die Quälerei im Training ist für die Japanerinnen wohl größer als für Läufer anderer Länder. Denn wer im Marathonlaufen erfolgreich ist, wird in Japan verehrt. Sponsorenverträge belaufen sich auf siebenstellige Summen. Antrittsgelder sind für Mizuki Noguchi nach dem Olympiasieg zweitrangig geworden. „Ich höre immer wieder, dass gesagt wird, es sei verrückt, wie wir trainieren“, erklärte Mizuki Noguchi einmal. Ihre Trainingsstrecken waren zu ihren besten Zeiten bis zu 40 km lang, in einer Woche rennen die besten japanischen Läuferinnen weit über 200 Kilometer. Doch aufgrund der vielen Verletzungen in den letzten Jahren hat Mizuki Noguchi ihre Trainingsumfänge im Vergleich zu früher reduziert.

Als Mizuki Noguchi als Schülerin mit der Leichtathletik begann, konzentrierte sie sich zunächst auf die Sprintstrecken. Später startete sie bei einem Ekiden, einem Staffelrennen, bei dem sich sechs Läuferinnen die 42,195-km-Strecke teilen. Dabei wurde ihr Lauftalent offensichtlich, denn sie war schneller als ältere Läuferinnen. In der Folge rannte sie Mittel- und Langstrecken. Zweimal gewann sie die regionalen 3.000-m-Schulmeisterschaften.

Nach dem Abitur schloss sie sich als 18-Jährige der Trainingsgruppe des in Japan bekannten Coaches Nouyuki Fujita an. Es ist dort üblich, dass Topläufer von großen Unternehmen als Profisportler angestellt werden. Fujita jedoch trennte sich bald darauf von seinem Unternehmen. Da Mizuki Noguchi jedoch weiterhin bei ihm trainieren wollte, kündigte auch sie und nahm sogar eine zeitweilige Arbeitslosigkeit in kauf. Das Wagnis hatte sich gelohnt. Nouyuki Fujita führte Mizuki Noguchi bis zum Olympiagold.

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